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Hochwasserschutz und Eigenvorsorge

Hochwasserkatastrophen können Existenzen vernichten und Leben gefährden. Wie können Hochwasserschäden minimiert werden? Wie schützt man sich persönlich?

Österreich ist ein sehr wasserreiches und gebirgiges Land. Der Anteil an den Ostalpen nimmt beinahe zwei Drittel der Staatsfläche ein. Auch außeralpine Regionen wie das Mühlviertel oder das Waldviertel sind höher gelegen und bergig. Aufgrund der geographischen Gegebenheiten sind in Österreich nur 38 Prozent der Fläche als Dauersiedlungsraum geeignet. In alpinen Bundesländern liegt dieser Anteil noch weit darunter.
 
Die Flusstäler und -räume sind daher seit jeher die Gebiete, in denen Siedlungsentwicklung vorrangig stattfindet. Der „Wasserbau“ hat in Österreich eine lange Tradition. Schon sehr früh wurden Schutzbauten ausgeführt, um die Hochwasserrisiken für die Menschen zu vermindern. Trotzdem gilt: einen absoluten Schutz vor Hochwasser gibt es nicht. Restrisiken existieren immer.


 
Aufgaben der Bundeswasserbauverwaltung


Eine der wesentlichen Aufgaben der Bundeswasserbauverwaltung ist es daher, nicht nur kurzfristig auf Hochwasserereignisse zu reagieren, sondern eine vorausschauende Strategie und Planung zu entwickeln. Neben dem aktiven Hochwasserschutz durch Maßnahmen wie Flussregulierungen, Hochwasserschutzdämme und Rückhaltebecken wird der passive Hochwasserschutz immer wichtiger. Dazu gehört die Freihaltung ausreichender Hochwasserabfluss- und Rückhalteräume. Es gilt den Schutz des Gewässers und den Schutz vor dem Gewässer harmonisch in einer modernen Schutzwasserwirtschaft zu verankern und umzusetzen.
 
Trotz der Verantwortung der öffentlichen Hand für Hochwasserschutzmaßnahmen besteht die Verpflichtung jedes Einzelnen, im zumutbaren Ausmaß für den eigenen Schutz Sorge zu tragen.


 
Eigenverantwortung beginnt schon beim Grundstückskauf

 

Bereits vor einem geplanten Grundstückskauf sollten Informationen über eine mögliche Gefährdung bei der Gemeinde oder den zuständigen Dienststellen der Wasserbauverwaltung eingeholt werden. Nur so kann verhindert werden, dass ein günstiger Preis oder eine schöne Lage mit dem gravierenden Nachteil dauernder Hochwassergefahr und möglicher Schäden erkauft wird.

Die Gefahrenzonenpläne und die Pläne der Hochwasserabflussgebiete enthalten Informationen über die bestehenden Gefährdungen. Sie liegen in den Gemeindeämtern, Bezirksverwaltungsbehörden, Ämtern der Landesregierungen sowie den Gebietsbauleitungen der Wildbach- und Lawinenverbauung zur Einsichtnahme auf.

ExpertInnen der Bundeswasserbauverwaltung und der Wildbach- und Lawinenverbauung bieten für diese Entscheidungen eine wertvolle Unterstützung durch unverbindliche Beratung.


 
Eigenvorsorge bei Bau und Sanierung

 

Bei der Planung eines Neubaus oder der Sanierung eines bestehenden Bauwerkes sind die Informationen über die mögliche Gefährdung durch Überflutung oder hohe Grundwasserstände unbedingt zu berücksichtigen. An die Situation und den Grad der Gefährdung angepasste Bauweisen und Materialien helfen mit, mögliche Schäden und damit verbundene Kosten zu reduzieren. Solche Maßnahmen sind zum Beispiel: Verzicht auf einen Keller bei hohen Grundwasserständen und bauliche Ausgestaltung der Hausöffnungen. 
Informationen und Auskünfte über ortsübliche Maßnahmen, geeignete Bauweisen und Materialen erteilen die Baubehörden der Gemeinden und Länder.


 
Restrisiko beim Hochwasserschutz

 

Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz vor Hochwasser. Nach den einschlägigen Richtlinien wird der Hochwasserschutz für Siedlungsgebiete und andere höherwertig genutzte Bereiche auf ein „hundertjährliches Hochwasser“ ausgelegt. Dies ist ein Ereignis, das nach der statistischen Wahrscheinlichkeit im Durchschnitt einmal in 100 Jahren auftritt. Das bedeutet jedoch nicht, dass 100-jährliche Ereignisse nicht auch häufiger auftreten oder hinsichtlich ihrer Abflusswassermengen übertroffen werden können.
Auch in geschützten Bereichen „hinter dem Damm" muss mit Überflutungen gerechnet werden, wenn Hochwasser auftreten, die das Bemessungsereignis von Schutzanlagen übersteigen.


 
Bautechnische Maßnahmen zur Schadensminimierung

 

Hochwasser und hoch anstehendes Grundwasser führen zu Schäden an Gebäuden und Außenanlagen durch die Strömung des Wassers, den dadurch ausgeübten Druck, durch das eindringende Wasser selbst sowie durch das mitgeführte Geschiebe und den Schlamm.
 
Am Gebäude selbst oder am Grundstück können verschiedene Maßnahmen gegen Schäden durch Hochwasser oder hoch anstehendes Grundwasser getroffen werden:
• Wasserdichte und auftriebssichere Wannenfundamente bei Neubauten
• Wasserrückstau aus dem Kanalnetz verhindern
• Wassersperren an der Grundstücksgrenze, Sandsackbarrieren
• wasserdichte Verschlüsse für Fenster und Türen

• wasserbeständige bzw. unempfindliche und hohlraumarme Baustoffe für Wände, Decken

• Heizanlagen, Stromverteiler und höherwertige Einrichtungsgegenstände in   Obergeschosse verlegen

• auf Ölheizungen verzichten oder Öltank gegen Auftrieb verankern (Gefahr von Ölaustritten)


Sonstige Vorsorge- und Schutzmaßnahmen

 

Jeder Haushalt kann seine individuelle Notfallvorsorge und seinen eigenen, persönlichen Alarmplan erstellen:
• Sandsäcke, mobile Verschlusselemente und sonstige Ausrüstung bereithalten,  Pumpen regelmäßig warten, Vorräte einlagern
• Verhaltensregeln und Aufgabenverteilung für den Notfall festlegen und kommunizieren (Nachbarn, Kinder, etc.)
• Gebäudeversicherung gegen Hochwasser
• Hochwasserwarnungen von Einsatzorganisationen, Gemeinden oder Landesdienststellen beachten
Die  beste Verhaltensform ist, gefährdete Gebiete zu meiden. 

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