Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst

Die Staatsprüfung ist die spezielle Weiterbildung zu den leitenden Forstorganen "Forstwirt/in" oder "Förster/in".

Ziel der Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst

Das Ziel der Staatsprüfung ist, das grundausgebildete Personal im höheren Forstdienst
(die Forstassistenten/innen, = die Absolventen/innen von forstlichen Studien an der
Universität für Bodenkultur) und im gehobenen Forstdienst (Forstadjunkten/innen,
= Absolventen/innen der Höheren Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft Bruck/Mur)
weiterzubilden und an die zukünftige Leitung eines bestellungspflichtigen
Forstbetriebes als leitendes Forstorgan heranzuführen.

Die in den Behörden, bei Interessenvertretungen, Marktpartnern (Säge- und Papier-
industrie), Energiepartnern und im Dienstleistungsbereich (technischen Büros und
Ziviltechnikerbüros) tätigen Forstorgane beaufsichtigen einerseits die Einhaltung
der forstrechtlichen Bestimmungen und beraten andererseits die in den Forstbetrieben tätigen leitenden Forstorgane.

Daher erscheint es für die in den genannten Bereichen tätigen Forstorgane unerlässlich, dass sich diese in der Weiterbildung zum
leitenden Forstorgan dieselben Kenntnisse und Fähigkeiten wie die in Forstbetrieben tätigen leitenden Forstorgane aneignen. 

Pflicht zur Bestellung von leitenden Forstorganen

Österreich verpflichtet - als einziger Staat in der Europäischen Union - seine Waldbesitzer, staatlich geprüfte, hauptberuflich tätige
Forstleute, die sogenannten leitenden Forstorgane, zu bestellen.

Das Forstgesetz 1975, §113, in der gültigen Fassung, verpflichtet die Eigentümer von Wäldern

  • im Ausmaß von mindestens 1000 ha und weniger als 3600 ha Waldfläche
         eine/n Förster/in (Absolvent/in der HBLA für Forstwirtschaft mit Staatsprüfung)
    oder
  • im Ausmaß von mehr als 3600 ha Waldfläche eine/n Forstwirt/in
       
     (Forstakademiker/in mit Staatsprüfung)

als leitendes Forstorgan zu bestellen.
 
Ab einer Waldfläche von 6600 ha sind dem leitenden Forstorgan weitere Forstorgane, wie z.B. ein/e Forstwirt/in oder ein/e Förster/in
oder ein/e Forstwart/in zur Unterstützung zuzuteilen.
 
Die leitenden Forstorgane sichern das öffentliche Interesse an der Walderhaltung, stellen die Bewirtschaftung der Wälder auf die
Erfordernisse der überbetrieblichen Waldwirkungen ab und gewährleisten die Einhaltung des Forstgesetzes.
 
Darüber hinaus stehen den Waldbesitzern/innen mit einer Größe unter 1000 ha die Forstbeauftragten der Landwirtschaftskammern
und der Forstbehörden zu deren Beratung und Unterstützung zur Seite.

Rechtsgrundlagen

Der § 106 Forstgesetz 1975, in der gültigen Fassung, regelt

  • die Ziele der Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst,
  • die Einrichtung der Staatsprüfungskommission,
  • die Voraussetzungen für die Zulassung zur Staatsprüfung und
  • die Kostentragung.

Die Verordnung über die Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst BGBl.Nr. 69/2007 regelt

  • die Modalitäten für die Prüfungszulassung,
  • die Zusammensetzung der Prüfungskommissionen,
  • den Prüfungsablauf,
  • die schriftliche Projektarbeit,
  • die mündliche, kommissionelle Prüfung,
  • die Beurteilung der erbrachten Prüfungsleistungen,
  • die Folgen einer negativen Prüfungsbewertung       und

in der Anlage 1

  • die Prüfungsinhalte.

Organisationsstruktur der Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst

Die Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst ist mindestens einmal jährlich als

  1. Staatsprüfung für den höheren Forstdienst und
  2. Staatsprüfung für den Försterdienst

abzuhalten.

Gesamtkonzept

Basierend auf das Anforderungsprofil der Absolventen/innen der Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst (siehe Download)
soll das Gesamtkonzept „Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst“

  1. die Heranführung der Forstassistenten/innen und Forstadjunkten/innen an die zukünftige Betriebsleitung,
  2. die Vermittlung von Führungs- und relevanten Spezialkompetenzen und
  3. das Erreichen einer Höherqualifizierung der in bestellungspflichtigen Forstbetrieben tätigen, leitenden Forstorgane
    (Forstwirt/in, Förster/in) sicherstellen.

Organisationsstruktur

Das Ziel der mindestens zweijährigen beruflichen, forstlichen Tätigkeit im Sinne des Forstgesetzes 1975 ist es, dass die
Forstassistenten/innen und Forstadjunkten/innen die in der forstlichen Grundausbildung (universitäre Forststudien/Forstschule)
erworbenen Fachkenntnisse und Schlüsselqualifikationen während ihrer Berufstätigkeit vernetzt anwenden und auf den für die
Wahrnehmung der angestrebten Aufgaben als leitende Forstorgane erforderlichen Gebieten praxisnah vertiefen.
 
Dabei sind die für die hinkünftige Tätigkeit als Führungskraft im höheren und gehobenen Forstdienst erforderlichen
persönlichen Kompetenzen, wie

  • unternehmerisches Denken und Handeln,
  • funktionell differenzierte Fähigkeit zu ganzheitlichen Problemdefinitionen und – lösungen,
  • Betriebsmanagement,
  • Personalführung sowie
  • Soft skills (Kommunikation, Teamführung, soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz)

nach den jeweiligen allgemeinen und fachlichen Fähigkeiten sowie je nach den spezifischen Anforderungen des
jeweiligen Arbeitsplatzes individuell auszubauen und zu stärken.

Weiterbildungsmodule

Diese Weiterentwicklung der persönlichen und fachlichen Kompetenzen wird durch das unverbindliche Angebot von sechs
Weiterbildungsmodulen, die meist 3 Tage dauern, unterstützt. 
  
In diesen Modulen wird über die Grundausbildung hinausgehendes, nach Geschäftsfeldern zusammengefasstes Zusatzwissen
durch forstliche Praktiker, Fachspezialisten und Wissenschaftler vernetzt vermittelt.
In den umfangreichen Übungs- und Präsentationsphasen werden einschlägige Erfahrungen in den Bereichen gesammelt und
durch Aufgabenstellungen die weitere Fortbildung sowie die Wissensvertiefung im Betrieb initiiert.

Forstliches Themenbuch

Als Voraussetzung für die Zulassung zur Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst hat der/die Prüfungswerber/in unter
anderem ein Forstliches Themenbuch zu erstellen.
In diesem hat sich der/die Prüfungswerber/in, anknüpfend an seine/ihre bei der bisherigen Berufsausübung gewonnen
Wahrnehmungen und Erfahrungen, mit einem selbstgewählten forstfachlichen oder forstbetrieblichen Thema  kritisch und
fachlich argumentiert auseinander zu setzen.
 

Staatsprüfung

Im Rahmen der eigentlichen Staatsprüfung werden jene Kompetenzen überprüft, die für die forstlichen Führungsaufgaben relevant sind.
Das Ziel dabei ist es, nicht singuläres Fachwissen abzuprüfen, sondern die Fähigkeiten zur Entwicklung von vernetzen Problemlösungs-
strategien und der Gestaltung (Analyse, Erstellung und Umsetzung von Konzepten) von unterschiedlichen Betriebsabläufen
zu hinterfragen.
 
Die schriftliche Prüfung erfolgt in Form einer maximal 16 stündigen Projektarbeit.
In dieser hat der/die Prüfungskandidat/in gegebenenfalls erforderliche (Daten)Erhebungen im Wald durchführen sowie entsprechend der
Themenstellung die Problemanalyse, die Aufgabenlösung, den Fachbericht und eine kurze Präsentation auszuarbeiten.
 
Zu Beginn der mündlichen, 1 stündigen kommissionellen Prüfung hat der/die Kandidat/in die Zusammenfassung seiner/ihrer
Projektarbeit zu präsentieren.
Daran anschließend wird die Prüfungskommission die im Bezug zu der präsentierten Projektarbeit stehenden Fragen dem/der
Kandidaten/in stellen und auszugsweise die Fachinhalte, insbesondere die der Module, prüfen.

Steuerungsgruppe

Bei der Staatsprüfung für den leitenden Forstdienst handelt es sich um ein lernendes, korrelierendes System.

Dazu wurde eine ständige Steuerungsgruppe, welche aus jeweils einem Vertreter des BMLFUW, der Land&Forstbetriebe Österreichs,
der Universität für Bodenkultur, der Höheren land- und forstwirtschaftlichen Schule - Forstwirtschaft in Bruck/Mur und dem
Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft besteht, installiert.

Die Aufgaben dieser ständige Steuerungsgruppe sind aus den Rückmeldungen von den Modul- und Prüfungsterminen
Schlüsse zu ziehen und in direkter Zusammenarbeit mit dem aus den Modulverantwortlichen, den Modulvortragenden
und den Prüfungskommissären/innen bestehendem Ausbildungsteam die gegebenenfalls erforderlichen Änderungen
oder Aktualisierungen der nächsten Modul- und Prüfungsveranstaltungen zu veranlassen.

Veröffentlicht am 09.02.2017, Abteilung III/2 - Forstliche Bildung, Förderung und Forschung