Bioökonomie - Impuls und Chance für die Forst- und Holzwirtschaft

Bei den Klagenfurter Forst- und Holzimpulsen am 1. September 2016 wurde im Rahmen der Klagenfurter Holzmesse der Einfluss der Bioökonomie auf die Forst- und Holzwirtschaft hinterfragt.

Das Wirtschaftssystem, das auf der effizienten Nutzung nachwachsender Rohstoffe basiert, bietet der Branche große Chancen. Wichtig ist, dass man Forschung und Entwicklung fördert und eine nationale Bioökonomie-Strategie, die die Handschrift der Forst- und Holzwirtschaft tragen sollte, festlegt.

In den Vorträgen wurden grundlegende Bedingungen und praxisgerechte Beispiele aufgezeigt. In der Podiumsdiskussion mit VertreterInnen aus der Wirtschaft zeigte sich, dass viele Betriebe längst die Zeichen der Zeit erkannt haben und Ihre Unternehmens-Strategien auf die Bioökonomie ausgerichtet haben.

In seinem Einführungsvortrag klärte SC Gerhard Mannsberger (BMLFUW) noch einmal prägnant die Eckpunkte zum Thema Bioökonomie und stellte die gewichtige Rolle der Forst- und Holzwirtschaft im Vergleich zu den anderen Branchen in diesem Wirtschaftssystem dar. Er forderte alle Interessierten auf, sich ein Beispiel am Österreichischen Walddialog zu nehmen und sich in im Rahmen eines gemeinsamen Prozesses an der Entwicklung einer österreichischen Bioökonomie-Strategie zu beteiligen.

Prof. Daniela Kleinschmit (Uni Freiburg) zeigte in ihrem kurzweiligen und eindrücklichen Vortrag die Entwicklung der Bioökonomie in Europa sowie nationale Strategien, die auch für Österreich gute Beispiele abgeben könnten. Sie machte klar, dass die Strategien sich auch darauf ausrichten, wie sehr in einem Land die Gewinnung von Bioressourcen oder die Biotechnologie samt Verarbeitung eine Rolle spielen. Es komme auf das Zusammenspiel aller Beteiligten an, ob Bioökonomie „Highway to hell oder stairway to heaven“ wird, meinte Kleinschmit.

DI Elfriede Fuhrmann (BMLFUW) beeindruckte mit Ihrer umfassenden Übersicht über nationale und EU-weite Förderschienen, die sich alle mit der Finanzierung von Projekten zum Thema Bioökonomie befassen. An den hohen Fördersummen, die im Milliarden-Euro-Bereich liegen, konnte man den Stellenwert der Bioökonomie für die EU erkennen.

Prof. Alfred Teischinger (BOKU) zeigte eindrucksvoll, welch hohes Potential noch im Werkstoff Holz steckt, das sich beispielsweise im Holzbau noch wesentlich stärker ausschöpfen lässt. Er stellte auch fest, dass sich die Papier- und Faserindustrie sowie andere Industriesparten schon sehr früh mit Bioökonomie befasst haben und Forschung und Entwicklung schon sehr weit vorangetrieben haben. Hier müssen Rohstoffproduktion und Massivholzverarbeitung dringend nachziehen.

Diese Einschätzung spiegelte die Podiumsdiskussion sehr gut wider. DI Helmuth Neuner (Benediktinerstift Admont) erklärte die Zurückhaltung der Forstwirtschaft bezüglich Bioökonomie damit, dass sie auf jeden Fall von einer verstärkten Nachfrage nach Holz profitiere und sich theoretisch nur „zurücklehnen und warten“ müsse. Einen steigenden Holzpreis muss die verarbeitende Industrie mit einem effizienteren Materialeinsatz abfedern. Ohnehin würde bei der Produktion viel zu viel Material verschwendet, das müsse dringend angegangen werden. Ähnlich argumentierte DI Leo Arpa (Mondi Group), der Forschung und Entwicklung sowie deren Förderung als unabdingbar für eine effiziente Produktion und Entwicklung neuer Produkte ansah. Allerdings sei eine kontinuierliche Rohstoffbereitstellung für die Produktionsstandorte in Österreich immer noch die wichtigste Voraussetzung. Wenn die Bioökonomie dezidiert in der Unternehmens-Strategie festgeschrieben ist, erleichtert das alle Prozesse in diese Richtung ungemein. Projekte können leichter durchgesetzt werden und neue Kooperationen und Produktideen können schneller eingegangen und weiter entwickelt werden, erklärte Dr. Marina Crnoja-Cosic (Lenzing AG), die auch interessante Einblicke in den Bereich Bio-Plastics bot.

Als Resümee der Veranstaltung bleibt ein durchaus optimistischer Blick in die Zukunft der Forst- und Holzwirtschaft. Allerdings muss die Branche gemeinsam weitere Schritte setzen und ihren Vorreitern aus der Industrie bezüglich F&E und klarem Bekenntnis zur Bioökonomie folgen.

„Packen wir es an!“ setzte SC Mannsberger noch einen Motivationsschub nach.

Veröffentlicht am 13.09.2016, Waldpolitik und Waldinformation (Abteilung III/1)