Naturwaldreservate

Die Naturwaldreservate dienen der Erforschung der Waldentwicklung unter menschlich
unbeeinflussten Bedingungen und zur Weiterentwicklung eines naturnahen Waldbaus.

Naturwaldreservate - Programm

Die Naturwaldreservate (NWR) sind
Waldflächen, die für die natürliche
Entwicklung des Ökosystems Wald bestimmt sind und in denen jede unmittelbare
Beeinflussung unterbleibt.
Die Naturwaldreservate sind ein Beitrag zur Erhaltung und natürlichen Entwicklung der
biologischen Vielfalt.

Entwicklung des Naturwaldreservate - Programms

Mit der Unterzeichnung der Resolution H2 der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa 1993 in Helsinki hat sich Österreich verpflichtet, ein Netzwerk von
Naturwaldreservaten einzurichten.

Ziel im Sinne dieser Resolution ist die
Erhaltung und Verbesserung der biologischen
Vielfalt des Waldes als Grundvoraussetzung für sein nachhaltiges Bestehen und die
Erfüllung seiner Funktionen.

Eine Verpflichtung zur Einrichtung eines
repräsentativen Netzes von
Naturwaldreservaten ist auch im Bergwaldprotokoll zur Alpenkonvention 1991 im Artikel 10 enthalten.

1994 wurden Vorbereitungsarbeiten für das Forschungsprojekt "Naturwaldreservate" sowie die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Erstellung der "Forstlichen Grundsätze des Bundes für die Einrichtung eines österreichweiten Netzes von Naturwaldreservaten" durchgeführt.

Bis 1995 wurden im Laufe der letzten Jahrzehnte 86 Reservate mit einer Gesamtfläche von rd. 3.220 ha geschaffen (größtenteils durch
Bemühungen der Universität für Bodenkultur). Die Verteilung dieser sicherlich wertvollen Reservate auf die Bundesländer ist jedoch sehr
ungleichmäßig, die Waldgesellschaften sind nicht ihrer Fläche entsprechend vertreten.

Im Herbst 1995 wurde das Österreichische Naturwaldreservate-Programm durch den damaligen Land- und Forstwirtschaftsminister der
Öffentlichkeit präsentiert.
Es folgte eine breite Informationskampagne durch die Presse, die Interessenvertretungen und die forstlichen Dienststellen.

Nach Überprüfung und Vorbegutachtung der gemeldeten Waldflächen begann im Jahr 1996 die Forstliche Bundesversuchsanstalt (heute
Bundesamt und Forschungszentrum für Wald) mit der Erstellung der ersten Gutachten über die Eignung von Naturwaldreservaten.

Seit Beginn des Naturwaldreservate-Programmes wurden bis heute mehr als 200 Reservate mit einer Gesamtfläche von rd. 8.600 ha vertraglich abgesichert.

Hauptziele des Naturwaldreservate-Programmes

Das Ziel des Naturwaldreservate-Programmes ist die Schaffung von mindestens je einem repräsentativen Naturwaldreservat pro
Waldgesellschaft und Wuchsgebiet (in Österreich gibt es insgesamt 125 Waldgesellschaften in 22 Wuchsgebieten), wobei auch die
Repräsentativität der Waldgesellschaften nach ihrem Anteil berücksichtigt werden soll.

In erster Linie soll damit die biologische Vielfalt (Biodiversität) des Waldes erhalten bzw. verbessert werden.

Diese Vielfalt ist eine unabdingbare Grundvoraussetzung für das nachhaltige Bestehen gesunder Wälder, die ihre Funktionen erfüllen können, insbesondere die Sicherung unseres Lebensraumes.
Die Erhaltung bzw. Wieder(Weiter)-Entwicklung der natürlichen Waldgesellschaften soll gefördert werden.

Das NWR-Programm soll die Ableitung von neuen Erkenntnissen für Forschung und Lehre (Grundlagenforschung) für eine ökologisch
orientierte, naturnahe Waldbewirtschaftung bringen.

Organisationsstruktur des Naturwaldreservateprogramms

Die Planung und Errichtung von Naturwaldreservaten wird gemeinsam mit Experten der Forstbehörden, Waldbesitzervertretungen und dem
Bundesamt und Forschungszentrum für Wald festgelegt.

Mit der fachlichen Umsetzung des Naturwaldprogrammes wurde die Abteilung für Naturwaldforschung und Naturschutz des
Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft betraut.

Die administrative und finanzielle Abwicklung erfolgt durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Abteilung III 2 - Forstliche Bildung, Förderung und Forschung.

Die Landesforstbehörden sind in die Vorauswahl möglicher Waldflächen eingebunden.

Informelle Kontakte bestehen zu den Interessensvertretungen.

Die Waldbesitzer sind durch die regelmäßige Meldungspflicht und die laufenden Kontrollgänge mit der Projektkoordination in Kontakt.

Naturwaldreservate-Vertrag

Der Naturwaldreservate-Vertrag wurde mit den Land & Forstbetrieben Österreichs, der Landwirtschaftskammer Österreich, der Österreichischen Bundesforste-AG und dem Bundesministerium für Finanzen verhandelt und vereinbart.

Beim Österreichischen Naturwaldreservate-Programm handelt es sich um Vertragswaldschutz, wobei die Waldeigentümer die Flächen freiwillig zur Verfügung stellen.

Die Republik Österreich schließt mit dem Waldeigentümer einen privatrechtlichen Vertrag über die Dauer von 20 Jahren ab, in denen sich der Waldeigentümer verpflichtet, innerhalb des Reservats alle Nutzungen und Wirtschaftsmaßnahmen, zu unterlassen.

Für die Festlegung der jährlichen Entschädigung an den Waldeigentümer wird vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald,
Naturgefahren und Landschaft ein Bewertungsgutachten für die betroffene Waldfläche ausgearbeitet.

Als Entschädigung wird ein Entgelt für den Nutzungsentgang, der sich nach dem Wirtschaftswert der Waldfläche richtet, sowie ein Sockelbetrag von 47,24 €/ha (ab 100 ha 29,07€/ ha) für die vertragsgemäßen Duldungen und Pflichten bezahlt.

Die Bezahlung erfolgt ausschließlich aus Budgetmittel des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft,
Abteilung III 2, Ansprechperson Fö. Ing. Brigitte JELINEK.

Ausblick

Da schon ein großer Teil der 125 Waldgesellschaften erfasst ist, ist der Schwerpunkt nicht mehr die Einrichtung neuer Reservate, sondern die wissenschaftliche Betreuung der bereits bestehenden.

In Zukunft geht es dabei hauptsächlich um die Erlangung neuer Kenntnisse in der Entwicklung der Ökosysteme, die Vernetzung mit anderen
Forschungsbereichen und um die Ableitung entsprechender Schlussfolgerungen für die Praxis der Waldbewirtschaftung.

Die wissenschaftliche Betreuung der Naturwaldreservate erfolgt durch das Institut für Waldinventur, Abteilung für Naturwaldforschung und
Naturschutz am Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft.

Unter der Leitung von Dr. Georg Frank wird die Auswahl, Einrichtung, Erstellung von Gutachten, sowie die praktische Abwicklung des
Programms durchgeführt.

Veröffentlicht am 14.01.2015, Abteilung III/2 - Forstliche Bildung, Förderung und Forschung