Energie aus Holz

Energie aus Holz spielt in Österreich traditionell eine wichtige Rolle. Auch aufgrund internationaler Verpflichtungen ist eine weitere Einsatzsteigerung erforderlich. Es bestehen erhebliche Nutzungsreserven in Österreichs Wald.

Österreich hat traditionell einen hohen Anteil Erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch. Im Jahre 2009 – hier liegen die bislang aktuellsten Daten vor – betrug dieser 30,1 Prozent, gemessen am Brutto-Endenergieverbrauch. Damit liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld.

Knapp 60 Prozent der Erneuerbaren-Energie-Menge ist Bioenergie. Bioenergie ist damit noch vor der Wasserkraft wichtigste erneuerbare Energiequelle. Sie umfasst im Wesentlichen Holz-Biomasse, daneben unter anderem aber auch Energie auf Basis landwirtschaftlicher Biomasse, biogener Abfälle oder Klärgas.

Derzeitiger Holz-Biomasseeinsatz für Energiezwecke

Für das Jahr 2009 liegt eine detaillierte Analyse der Holzströme in Österreich vor. Demnach wurden 22,8 Millionen Festmeter Holz einer energetischen Verwendung zugeführt. Die Analyse umfasst die Holzquellen „Holznutzung Wald“, „Sonstiges Holzaufkommen“ und „Import“. Berücksichtigt wird sowohl Holz, das unmittelbar energetisch verwendet wird (z.B. Brennholz) wie auch jenes, das erst im Zuge der Holzverarbeitung als „Abfallprodukt“ (z.B. Sägespäne) anfällt und dann zu Energiezwecken eingesetzt wird.

Von den genannten 22,8 Millionen Festmeter ist „Brennholz“ mit 7,2 Millionen Festmeter am bedeutendsten, gefolgt von „Sägenebenprodukten, Industrieholz, Presslingen“ mit 5,6 Millionen, „Hackgut“ mit 3,9 Millionen, „Lauge“ mit 3,4 Millionen und „Rinde“ mit 2,7 Millionen Festmetern.

Der Holzeinsatz und damit die Umwandlung in Energie erfolgt am häufigsten in Brenn- und Scheitholzfeuerungsanlagen (7,8 Millionen Festmeter) sowie in KWK-Anlagen und Anlagen zur Prozessdampferzeugung (7,7 Millionen). In Heizanlagen mit einer Leistung unter einem Mega-Watt werden 5,7 Millionen Festmeter bzw. in Anlagen mit einer Leistung größer 1 Mega-Watt 1,7 Millionen Festmeter Holz verbrannt.

Steigerung des Holzbiomasse-Einsatzes erforderlich

Im 2009 seitens der Europäischen Union verabschiedeten Klima- und Energiepaket wurden die sogenannten „20 – 20 -20“-Ziele festgelegt: bis zum Jahr 2020 soll der Anteil Erneuerbarer Energie 20 Prozent betragen, der CO2-Ausstoß um 20 Prozent gesenkt und die Steigerung der Energieeffizienz ebenfalls 20 Prozent betragen. Für jeden Mitgliedsstaat wurden eigene Ziele fixiert, die in Summe die Erreichung der 20-20-20 Vorgabe sicherstellen sollen. Im Rahmen dieser Aufteilung hat sich Österreich unter anderem verpflichtet, den Anteil Erneuerbarer Energie am Gesamtverbrauch auf 34 Prozent zu steigern. Gleichzeitig soll eine Treibhausgasreduktion von 16 Prozent, bezogen auf das Jahr 2005 in Sektoren, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, erreicht werden.

Alle Mitgliedsstaaten hatten bis Mitte 2010 Aktionspläne vorzulegen, in denen sie ihre Vorhaben und Maßnahmen konkretisieren, die zur Zielerreichung notwendig sind. Analysiert man diese Pläne zeigt sich, dass der zusätzliche Einsatz von Holz-Biomasse ein Schlüsselelement darstellt. Ohne die Heranführung der Holznutzung an den nachhaltigen Zuwachs ist weder das Erneuerbare-Energie noch das Klimaziel erreichbar.

Nutzungspotentiale vorhanden

Die federführend vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft erstellte „Holz- und Biomasseaufkommensstudie für Österreich“ wurde Ende 2008 vorgestellt. Ziel der Studie war es, die im Österreichischen Wald aktuell verfügbare oberirdische Holz- und Biomasse, ihre Veränderung und die nachhaltig nutzbaren Mengen in den nächsten 20 Jahren unter verschiedenen Szenarien abzuschätzen.

Die Studie zeigt in einem Maximal-Szenario ein Nutznugspotential von bis zu 31,1 Millionen Erntefestmeter (Efm)-Äquivalenten. Bei günstigen Rahmenbedingungen kann nach derzeitigen Einschätzungen ein realistisches Potential von bis zu 28 Millionen Efm-Äquivalenten angenommen werden. Bezogen auf die Daten der Österreichischen Waldinventur 2007 - 2009 bedeutet dies ein Mehrpotential von bis zu 4 Millionen Efm-Äquivalenten.

Das zusätzliche Nutzungspotential ist in erster Linie im sogenannten „Kleinwald“ – das sind Waldbesitzeinheiten mit einer Fläche bis 200 Hektar – zu finden. Die beiden anderen Besitzkategorien, Betriebe und Österreichischen Bundesforste AG, nutzen bereits jetzt weitgehend den nachhaltigen Zuwachs.

Land- und Forstwirtschafts-Ministerium unterstützt Maßnahmen zur Holzmobilisierung

Im Rahmen eines Multi-Stakeholderprozesses wurden jene Maßnahmen erarbeitet, die notwendig sind, um die Holznutzung an den nachhalteigen Zuwachs heran zu führen.

Insgesamt wurden 26 Maßnahmen, die in vier Maßnahmencluster („Technik / Logistik“, „Organisationsstruktur“, „Information, Marketing, Bewusstseinsbildung; Aufklärung“, „Dienstleistungen und Rahmenbedingungen“) eingeteilt wurden, definiert.

Die Umsetzung eines Großteils der genannten Maßnahmen kann im Rahmen des Forst-Förderprogramms (Teilprogramm des EU-Programms „Ländliche Entwicklung“) finanziell unterstützt werden. Pro Jahr stehen dafür rund 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Veröffentlicht am 09.10.2014, Abteilung III/1 - Waldpolitik und Waldinformation