WIFO-Studie bestätigt positive Wirtschaftseffekte von Investitionen im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung

Schutz des alpinen und ländlichen Raums

Die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) ist in der Naturgefahrenprävention im alpinen und ländlichen Raum Österreichs tätig. Von ca. 12.000 ausgewiesenen Wildbächen gefährden etwa 4.200 den Siedlungsraum erheblich. Im Winterhalbjahr stellen ungefähr 7.000 Lawinenstriche ein Gefahrenpotenzial für die Bevölkerung, aber auch für die vielen TouristInnen im Land dar. Der Schutz vor alpinen Naturgefahren rentiert sich in mehrfacher Hinsicht: er sichert Leben, Gesundheit und Lebensraum der betroffenen Menschen, steigert das Sicherheitsgefühl und trägt (direkt und indirekt) zum österreichischen Wirtschaftswachstum bei. Die Wildbach- und Lawinenverbauung stellt Schutzleistungen für Gemeinden – überwiegend im ländlichen Raum – in Form von Gefahrenzonenplänen, Schutzmaßnahmen (Errichtung, Finanzierung, Erhaltung), Fachexpertise und naturgefahrenbezogene Information her. Die Nachfrage nach diesen Leistungen nimmt infolge des gesellschaftlichen und klimatischen Wandels stetig zu. Neue Herausforderungen stellen die nachhaltige Sicherung der Schutzleistung (Erhaltung) sowie das Risikomanagement für gravitative Naturgefahren (Steinschlag, Rutschung) dar.

Aktuelle Studie zeigt Auswirkung von Schutzmaßnahmen auf Wirtschaft

Eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat nun gezeigt, wie und in welchem Ausmaß sich die Maßnahmen im Bereich der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) auch positiv auf die heimische Volkswirtschaft und die regionalen Wirtschaftsstandorte auswirken. Mit einem Ausgabevolumen von 145 Millionen Euro pro Jahr sind rund 3.500 Beschäftigungsverhältnisse und Wertschöpfungseffekte von 220 Millionen Euro verbunden. Die vielseitigen Maßnahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung zielen insbesondere darauf ab, die Daseinsgrundfunktionen nachhaltig abzusichern, das land- und forstwirtschaftliche Produktionspotenzial zu steigern sowie die Wirtschaftsentwicklung in benachteiligten und strukturschwachen ländlichen Gebieten zu stärken. So können die Lebens- und Wirtschaftsbedingungen im ländlichen Raum noch attraktiver gestaltet werden. WLV-Maßnahmen führen in den jeweiligen Gemeinden auch zu einer Wertsicherung des Baulandes und damit zu beträchtlichen Vermögenseffekten.

Gefahrenzonenplanung hat positiven Effekt auf Raumentwicklung

Einen positiven Effekt wird auch der Gefahrenzonenplanung der WLV für die Raumentwicklung in den Gemeinden durch die WIFO-Studie bestätigt: So konnte gezeigt werden, dass die Dynamik der Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung in gefährdeten Zonen in den letzten Jahren deutlich schwächer war als in vergleichbaren, nicht-gefährdeten Gebieten, was sich auch in einer Abnahme der Hauptwohnsitze in den gefährdeten Gebieten zeigt. Bürgerinnen und Bürger von über 1500 Gemeinden in Österreich haben damit Information über ihre aktuelle Sicherheitslage betreffend Wildbach- und Lawinengefahren, was auch Investitionsentscheidungen von Privatpersonen und Unternehmen entscheidend beeinflusst.

Zukünftige Herausforderungen

Die österreichische Bevölkerung wird laut Prognose der Statistik Austria und Österreichischen Raumordnungskonferenz bis 2030 auf über 9 Millionen anwachsen, was steigenden Sicherheitsbedarf gegenüber Naturgefahren bedingt. Die WLV trägt diesem mit der Strategie „die.wildbach 2020“ der Sicherstellung und dem Ausbau des Schutzniveaus in Österreich gegenüber alpinen Naturgefahren und der Risikosteuerung durch wirkungs- und kundenorientierte, transparente, ressourceneffiziente Arbeit unter aktiver Einbindung der Bevölkerung Rechnung.

 

Die Studie: Franz Sinabell, Dieter Pennerstorfer, Stephanie Lackner (WIFO): Eine volkswirtschaftliche Analyse der Wildbach- und Lawinenverbauung in Österreich - Die Bereitstellung von Schutzgütern bisher und der künftige Bedarf, im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Abt. III/5: Wildbach und Lawinenverbauung, 133 Seiten

 

Die Studie kann auf der Seite des WIFO in der Publikationsdatenbank herunter geladen werden.

Veröffentlicht am 08.06.2016, Wildbach- und Lawinenverbauung (Abteilung III/5)