„Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr“ - Aufnahme in das Immaterielle Kulturerbe

"Das Erfahrungswissen im Umgang mit Lawinengefahr" wurde am 9. November von der Österreichisches UNESCO-Kommission  mit 12 weiteren österreichische Traditionen, die zwischen 2016 und 2017 in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen worden sind, geehrt.

Zum so genannten immateriellen Kulturerbe zählen Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Gleichzeitig erfasst dieser Begriff auch die Instrumente, Objekte und kulturellen Räume, die mit dem jeweiligen immateriellen Kulturerbe in Zusammenhang stehen.


Konkret wird das immaterielle Kulturerbe in fünf Bereichen, deren Übergänge fließend sind, zum Ausdruck gebracht:

  • Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes
  • Darstellende Künste
  • Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
  • Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum
  • Traditionelle Handwerkstechniken

Immaterielles Kulturerbe wird von einer Generation an die nächste weitergegeben, fortwährend neu gestaltet und vermittelt den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität.

Der Fachbeirat der Österreichischen UNESCO-Kommission hat in seiner Sitzung am 14. September 2016 die Aufnahme des Elements Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich befürwortet.

Der alpine Lebensraum fordert von seinen Bewohnern eine intensive Auseinandersetzung mit dem hochkomplexen Phänomen Lawine. Die Aneignung von Wissen über Lawinen ist seit Beginn der Nutzung des Alpenraumes unumgänglich, um dort überleben zu können. Das Wissen um Lawinengefahren ist so alt wie die Besiedlung und Nutzung des Alpenraums. Die Überlieferung erfolgte vor allem mündlich innerhalb der Familien und betroffenen beruflichen Gemeinschaften. Die Benennung von oftmals wiederkehrenden Lawinen nach den örtlichen Flur- und Hofnamen drückt eine starke Beziehung zum Naturereignis Lawine aus.

Das beworbene Element entspricht dem Verständnis von lebendigen Traditionen, wie es im UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes dargelegt ist.

Am 9. November 2017 ehrte die Österreichische UNESCO-Kommission 13 österreichische Traditionen, die zwischen 2016 und 2017 in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen worden sind.

Gastgeber der feierlichen Veranstaltung waren die Wiener Sängerknaben im Augartenpalais in Wien, die mit der Einreichung „Ausbildungs- und Chortradition der Wiener Sängerknaben“ erfolgreich waren. Die Urkunden überreichte die Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, Dr. Eva Nowotny.

Als nächster Schritt ist die Aufnahme des Elements zusammen mit der Schweiz in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorgesehen. Das Einreichungsdossier samt eines repräsentativen Videos, Fotos und Unterstützungserklärungen von VertreterInnen der wesentlichen Gemeinschaften, die mit dem Element involviert sind, wurde dem UNESCO-Generalsekreteriat vorgelegt, damit die Einreichung im Herbst 2018 bei der 13. Sitzung des Zwischenstaatlichen Komitees behandelt werden kann.

Veröffentlicht am 27.11.2017, Wildbach- und Lawinenverbauung (Abteilung III/5)