Migration stand im Mittelpunkt des Welternährungstages 2017

Der Welternährungstag am 16. Oktober 2017 stand unter dem Thema „change the future of migration; invest in food security and rural development“. Heuer besuchte erstmals Papst Franziskus die offizielle Veranstaltung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) in Rom.

Weitere prominente Redner waren neben den Chefs der drei römischen UNO-Behörden FAO (Graziano da Silva), Welternährungsprogramm WFP (David Beasley) und dem Internationalen Fond für Landwirtschaft und Entwicklung IFAD (Gilbert F. Houngbo) EU-Agrarkommissar Phil Hogan, der Präsident von Madagaskar, die Landwirtschaftsminister der USA, Kanadas, Italiens und Frankreichs und Staatssekretäre aus Deutschland und Großbritanniens.

Der Welternährungstag wird jährlich am 16. Oktober begangen und geht ursprünglich auf die Gründung der FAO am 16. Oktober 1945 zurück. Er steht jährlich unter einem aktuellen Thema und wird sowohl international als auch in zahlreichen nationalen Veranstaltungen zum Anlass genommen, sich mit den aktuellen Problemen rund um Ernährungssicherheit, Hunger, Unter-, Fehl- , Über- und Mangelernährung auseinanderzusetzen.

Die aktuelle Lage:

Die aktuelle Lage ist besorgniserregend. Die FAO hat am 15. September 2017 den neuesten Bericht über die Lage der globalen Ernährung (State of Food Security and Nutrition=SOFI) veröffentlicht. Demnach hat sich – nach Jahren des Rückganges - die Zahl der weltweit Hungernden um 38 Millionen auf insgesamt 815 Millionen Menschen, das sind 11% der Gesamtweltbevölkerung, erhöht. Hauptgründe dafür sind vor allem kriegerische Konflikte und der Klimawandel. Von den 815 Millionen leben ganze 489 Millionen in Konfliktgebieten. Durch die zu geringe Ernährung bleiben 155 Millionen Kinder unter 5 Jahren in ihrer Körpergröße zurück; 52 Millionen Kinder gelten als untergewichtig. Demgegenüber sind 641 Millionen Erwachsene übergewichtig bzw. 41 Millionen Kinder und dies nicht nur in den „reichen“ Ländern. Durch die teurere „gesunde“ Ernährung kommt Übergewicht auch in weniger entwickelten Ländern vor.

Die FAO am Welternährungstag

Papst Franziskus ließ es sich heuer nicht nehmen, persönlich an der jährlich am Sitz der FAO in Rom stattfindenden hochrangigen Sitzung zum Welternährungstag teilzunehmen. Nach Ankunft und Begrüßung durch den Generaldirektor Jose Graziano da Silva überreichte er eine vom italienischen Künstler Luigi Prevedel gestaltete Skulptur, die den 2015 auf der Flucht an der türkischen Küste ertrunkenen syrischen Buben Alan Kurdi mit einem Engel darstellt.

Die Hauptaussagen der Papstrede:

In seiner Rede ging der Papst auf die beiden Hauptursachen der Migration ein:

  • bewaffnete kriegerische Konflikte und
  • den Klimawandel mit seinen Konsequenzen auf Landwirtschaft und Ernährung.

Ohne eine Bekämpfung der Fluchtursachen werde sich an der Problematik nichts ändern. Um kriegerische Konflikte einzudämmen sind guter Wille und Dialog unerlässlich. In Anlehnung an die UN Charta forderte er ein starkes Bekenntnis zu einer weltweiten Verringerung der Waffenbestände und des Waffenhandels.

Was den Klimawandel betrifft sprach sich der Papst überaus deutlich für die Umsetzung des Pariser Abkommens aus. Ohne Namen zu nennen bedauerte er es, dass sich mittlerweile wieder manche aus dem Klimavertrag verabschieden wollen. Die Menschheit ist dazu aufgerufen, ihren Lebensstil zu ändern hinsichtlich der Nutzung der Ressourcen, der Produktionsbedingungen und der Konsumgewohnheiten. Er schloss dabei die Vermeidung von Nahrungsmittelabfällen ausdrücklich ein. Kriege und klimatische Veränderungen verursachen Hunger; man solle also nicht so tun als wäre Hunger eine unheilbare Krankheit.

Es sollte eine neue politische Kategorie im internationalen Umgang eingeführt werden, die von der Gleichwertigkeit zwischen entwickelten und weniger entwickelten Regionen ausgeht und sich nicht auf Mitleid in Katastrophensituationen (Hungersnöten, Dürren, Überschwemmungen) beschränkt. Es gehe im Gegenteil darum, dazu beizutragen, dass alle Länder einen gewissen Grad an Selbstversorgungsfähigkeit erreichen und Abhängigkeiten beseitigt werden. Es kritisierte, dass die weltweite Entwicklungshilfe im Abnehmen begriffen sei und dass sich der Schwerpunkt von der multilateralen Ebene auf die bilaterale verlagert, die oft wieder nur interessengesteuert ist. Keine physischen, wirtschaftlichen, legislativen oder ideologischen Hindernisse können auf Dauer Fluchtbewegungen verhindern; nur eine konsequente Anwendung des Prinzips der Humanität kann das. Vermehrte Anstrengungen und neue Programme sind notwendig. Er verurteilte ganz klar den Entzug von angestammten landwirtschaftlichen Böden durch externe Investoren und nahm dabei die Eliten in die Pflicht, die Interessen der bedürftigen Einwohner gehörig zu vertreten.

Die weiteren Redner:

Nach der Verabschiedung des Papstes waren die übrigen prominente Gäste am Wort:

  • FAO Generaldirektor Graziano da Silva verwies auf den kürzlich erschienenen SOFA Bericht und den Trend der Abwanderung vom Land in die Städte. Er kündigte an, dass die FAO 2018 gemeinsam mit der IOM (International Organisation of Migration) die UN Global Migration Group leiten wird.
  • Der Präsident Madagaskars erinnerte daran, dass die Migration seit dem Jahr 2000 um 40% zugenommen hat.
  • Der italienische Landwirtschaftsminister Martina betonte die Bedeutung des ländlichen Raumes. 75% aller Hungernden leben im ländlichen Raum.
  • Für die Landwirtschaftsminister Kanadas und den USA spielt der freie Handel eine bedeutende Rolle. Ein freier Handel gibt den Erzeuger leichtere Vermarktungsmöglichkeiten.
  • Für Frankreichs Agrarminister Stephane Travert sind mehr und vor allem bessere Investitionen in die Landwirtschaft nötig. Zur Bekämpfung des Klimawandels ist die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zentral.
  • "Ein leerer Magen findet keinen Frieden", sagte der deutsche Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Peter Bleser. Mehr Investitionen in die Landwirtschaft, eine Attraktivierung der ländlichen Räume und eine gute Zusammenarbeit der drei römischen Agenturen waren seine Schwerpunkte.
  • IFAD Direktor Houngbo hob die Kleinbauern hervor, 80% aller Landwirte in Afrika und Asien sind Kleinbauern.
  • WFP Exekutivdirektor Beasley forderte als letzter Redner die nötigen Maßnahmen auch umzusetzen. 80% der WFP-Ausgaben gehen in Konfliktgebiete. Niemand flieht, weil er will, sondern weil er muss. Dabei ist die Hilfe vor Ort für die Geberländer viel billiger. Sein Beispiel: die Versorgung eines Flüchtlings in Syrien kostet 50 Cent pro Tag, jene in z.B. Berlin 50 Euro.

Weiterführende Informationen zum Thema erhalten Sie über die unten angeführten Links.

 

Veröffentlicht am 19.10.2017, II 10

Kontakt

MinR. Ing. Jürgen Drexler Abteilung II 10 (Internationale Agrar- und Handelspolitik)

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