Internationale Konferenz: Die Zukunft der Berglandwirtschaft im Alpenraum

Unter dem österreichischen Vorsitz der Alpenkonvention fand am 13. und 14. September 2017 in St. Johann im Pongau, Salzburg, die „Internationale Konferenz zur Zukunft der Berglandwirtschaft im Alpenraum“ statt. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Italien, Slowenien und Liechtenstein sowie Vertreter der EU-Kommission diskutierten über tragfähige Perspektiven für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe im Alpenraum.

Ziel der Veranstaltung war es, die Bündnisse für die Anliegen der Berglandwirtschaft auf europäischer Ebene zu stärken und neue Partner zu finden. Einigkeit herrscht darüber, dass es für die Zukunft der Berggebiete ein attraktives Gesamtangebot braucht. „Leistungsabgeltungen für die benachteiligten Standorte, Maßnahmen zur Verbesserung der Marktposition der Bergprodukte, Honorierung der Umweltleistungen und ein gesamthafter Maßnahmenmix zur Sicherung eines attraktiven ländlichen Lebens- und Wirtschaftsraums sind die Eckpfeiler für eine stabile Zukunft im Alpenraum“, betonte Alpenkonventions-Vorsitzender Bundesminister Andrä Rupprechter.

Franz Eßl, Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, eröffnete die internationale Konferenz und unterstich: „Die Berglandwirtschaft ist untrennbar mit der Tierhaltung verbunden. Natur- und strukturbedingt ist das mit Nachteilen verbunden, die wir mit Mitteln der öffentlichen Hand ausgleichen müssen. Mit den Besichtigungen von typischen Bergbauernbetrieben zeigten wir im Rahmen dieser Konferenz zusätzlich auch die landwirtschaftliche Praxis und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten.“ Vier Keynote-Speaker sorgten für den wissenschaftlichen Rahmen: Dr. Erich Tasser von der EURAC Research in Bozen veranschaulichte, wie sich Landschaftsstrukturen und Landnutzungsformen in den Alpen entwickelt und verändert haben. Zu den Herausforderungen und Perspektiven der Berglandwirtschaft informierte Prof. Dr. Alois Heißenhuber von der TU München. Dr. Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erörterte die Wirkung der GAP auf die Berglandwirtschaft und veranschaulichte die Auswirkungen am Beispiel Österreichs. Prof. Dr. Werner Beutelmeyer vom Market Institut setzte sich mit den Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft in alpinen Gebieten auseinander und mit dem Mehrwert agrarischer Produkte aus Österreichs Bergregionen auseinander.

Neben den hochkarätigen Experten konnte auch der deutsche Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt als Vortragender und Gesprächspartner für die Konferenz gewonnen werden. Gemeinsam mit ihm und den Referenten stellte sich Bundesminister Andrä Rupprechter den Fragen des Publikums. Der Abendempfang bot eine gute Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre die begonnenen fachlichen Diskussionen weiterzuführen und neue Kontakte zu knüpfen.

Exkursionen zu drei verschiedenen Bergbetrieben in der Umgebung eröffneten den zweiten Tag. Die besichtigten Betriebe setzen nicht nur auf die klassische Milchvieh-oder Mutterkuhhaltung, sondern sichern sich durch weitere Standbeine, in dem einen Fall durch einen außerlandwirtschaftlichen Forstbetrieb, im anderen mit einer Schnapsbrennerei und im dritten Fall mit „Urlaub am Bauernhof“ eine zusätzliche Einkommensquelle.

Nach weiteren fachlichen Referaten mit Fokus auf die Berglandwirtschaft – von EU-Kommissionsvertreter Georg Häusler, Direktor der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, zur Weiterentwicklung der GAP 2020, vom Salzburger Landesrat Josef Schwaiger und von politischen Vertreterinnen und Vertreter der Alpenregionen – wurde als Krönung der internationalen Konferenz das „Memorandum zur Weiterentwicklung der Berglandwirtschaft im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)“ verabschiedet. Im Memorandum fordert die bäuerlich geprägte Berglandwirtschaft eine „mit ausreichenden Finanzmitteln ausgestattete und wirksame gemeinsame Agrarpolitik“. Die klassischen Agrarmaßnahmen wie Direktzahlungen sollen aus Gemeinschaftsmitteln finanziert werden. Für die Unterstützung der Berg- und benachteiligten Gebiete werden größere Spielräume für regional angepasste Maßnahmen in der der ländlichen Entwicklung sowie eine gemeinsame Finanzierung durch EU und die Mitgliedstaaten verlangt.

Veröffentlicht am 26.09.2017, Stabstelle für strategische Ressourcensteuerung und Wirkungscontrolling (Stabststelle Ressourenst. u. Wirkungsc.)