AMA-Gütesiegel: Wann und Warum?

Landwirtschaftliche Urproduktion, Lebensmittelverarbeitung, Handel, Transportwege – der Etikettenbetrug rund um Pferdefleisch verlangt nach Klärung häufig gestellter Fragen:

Häufig gestellte Fragen zum AMA-Gütesiegel


Warum vergibt die AMA-Marketing das AMA-Gütesiegel?


Die Aufgaben der AMA-Marketing sind gesetzlich vorgegeben: die Vermarktung von Agrarprodukten im In- und Ausland sowie Maßnahmen zur Förderung der Qualität von Lebensmitteln. Lebensmittel, die qualitativ die gesetzlichen Vorgaben übertreffen, zeichnet die AMA-Marketing mit dem AMA-Gütesiegel aus. Daran erkennen Konsumenten hochwertige Lebensmittel mit Herkunftsgarantie auf den ersten Blick.
 

Wieso ist das AMA-Gütesiegel staatlich anerkannt? Worin liegt der Unterschied zu privaten Logos?
 

Das AMA-Gütesiegel besitzt Alleinstellung unter den Zeichen, Marken und Logos. Die Richtlinien für das AMA-Gütesiegel werden dem BMLFUW zur Genehmigung vorgelegt. Ihre Einhaltung kontrollieren unabhängige, staatlich akkreditierte Kontrollstellen und Labors.
 

Wann bekommt ein Lebensmittel das AMA-Gütesiegel?
 

Nur wenn es alle Vorgaben der folgenden drei Bereiche erfüllt und die Kontrollen besteht:

  • garantiert nachvollziehbare Herkunft der Rohstoffe,
  • ausgezeichnete Qualität und
  • unabhängige Kontrollen.

Welche Produktgruppen können mit dem AMA-Gütesiegel ausgezeichnet werden?


In erster Linie Frischeprodukte und einige verarbeitete Produkte:

  • Obst / Gemüse / Speiseerdäpfel
  • Rind / Kalb / Schwein / Hendl / Pute / Lamm-Fleisch
  • Wurstwaren und Fleischerzeugnisse
  • Milch und Milchprodukte
  • Eier

Hinzu kommen einige ausgewählte Be- und Verarbeitungsprodukte, derzeit etwa Speiseöl, Bier, TK-Gemüse, Pommes, Brot & Gebäck, Fruchtsäfte oder Honig.


Warum gibt es so wenig verarbeitete Produkte mit dem AMA-Gütesiegel?


Die AMA-Marketing steht für frische, natürliche Lebensmittel mit nachvollziehbarer Herkunft aus der landwirtschaftlichen Produktion. Wenn diese Kriterien auch bei verarbeiteten Produkten eingehalten werden, können sie mit dem AMA-Gütesiegel ausgezeichnet werden. Die nachvollziehbare Herkunft der Rohstoffe ist auch dann zweifelsfrei zu garantieren.


Was ist die Basis für die Produktion im AMA-Gütesiegel?
 

Mehr als zwanzig verschiedene landwirtschaftliche Produktionsbestimmungen und Richtlinien regeln die Herstellung. Wichtig:

  • Herkunft der Tiere
  • Einsatz von zertifizierten Futtermitteln
  • Milch und Milchprodukte: Qualitätsstufe 1 bis zum letzten Tag der angegebenen Haltbarkeit
  • Integrierte Produktion bei Obst und Gemüse
  • Genaue und nachvollziehbare Dokumentation


Wer legt die Richtlinien für das AMA-Gütesiegel fest?
 

Die Richtlinien werden in unabhängigen Fachgremien beschlossen. Diese bestehen aus Experten aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und aus der AMA-Marketing. Alle Richtlinienbeschlüsse werden einem Lenkungsgremium vorgelegt, das die sozialen und wirtschaftlichen Interessen der österreichischen Gesellschaft repräsentiert (Sozialpartner). Die Richtlinien bedürfen der Genehmigung durch das Lebensministerium.


Kann jeder die Richtlinien einsehen?


Ja, sämtliche Richtlinien und Merkblätter sind auf der Website www.ama-marketing.at öffentlich zugänglich (ohne Code, ohne Registrierung).


Stimmt es, dass das AMA-Gütesiegel „den Bauern gehört“?
 

Nein! Es bindet alle Stufen der Lebensmittelkette ein – beginnend mit der landwirtschaftlichen Urproduktion über die Verarbeiter und den Handel. Dieses integrierte Qualitätssicherungssystem ist entscheidend für die Lebensmittelsicherheit und -qualität vom Feld und Stall bis auf den Teller.


Wie viele Teilnehmer gibt es?
 

Rund 40.000 landwirtschaftliche Erzeuger nehmen an den einzelnen Programmen teil, davon rund 32.000 Milchviehhalter, 5000 Rinderhalter, 1800 Schweinehalter, 700 Legehennenhalter, 400 Masthendl- und Putenhalter, 1500 Obst-, Gemüse- und Kartoffelproduzenten. Rund 700 Lizenznehmer zeichnen ihre Produkte mit dem AMA-Gütesiegel aus.


Wer wird kontrolliert?
 

Um den Konsumenten größtmögliche Sicherheit zu bieten, ist jede Stufe der Lebensmittelkette – vom Landwirt bis zum Lebensmittelhandel - eingebunden. Das AMA-Gütesiegel hat Alleinstellung: Sämtliche Kontrollen werden unangekündigt von unabhängigen Kontrollstellen durchgeführt. Auch die Kontrollorgane selbst unterliegen peniblen Überprüfungen.


Wie wird kontrolliert?
 

Basis ist eine dreistufige Kontrollpyramide. Auf der ersten Stufe muss der Landwirt, der Lebensmittelproduzent bzw. Handelsbetrieb mittels Checklisten selbst regelmäßig Eigenkontrollen durchführen und dokumentieren. Auf der zweiten Stufe werden die Betriebe extern durch Kontrollstellen überprüft, die von der AMA-Marketing zugelassen sind. Die Arbeit der Kontrollorgane selbst wird in der dritten Stufe durch Überkontrollen geprüft.


Wie viele Kontrollen werden durchgeführt?
 

Ca. 10.000 Vor-Ort-Kontrollen, davon alleine rund 2.000 auf Schlacht- und Zerlegebetrieben und im Lebensmittelhandel. Rund 5.000 Analysen wie Produktanalysen, Harn- und Kotproben, Blatt- und Fruchtproben werden jedes Jahr durchgeführt. Das bedeutet: rund 40 Kontrollen pro Arbeitstag!


Stimmt es, dass beim rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel auch ausländische Tiere drinnen sein dürfen?
 

Nein! Fleisch darf nur dann das rot-weiß-rote AMA-Gütesiegel tragen, wenn die Tiere in Österreich geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt wurden. Bei Fleischerzeugnissen muss auch die Herstellung in Österreich erfolgen. Zusätzlich muss Fleisch mit dem AMA-Gütesiegel über das Gesetz hinausgehende Qualitätsparameter erfüllen, wie Reifung, Hygiene, pH-Wert.


Welche Kriterien gibt es bei verarbeiteten Produkten hinsichtlich Herkunft der Rohstoffe?


Beim rot-weiß-roten AMA-Gütesiegel müssen alle Rohstoffe, auf die es ankommt, aus Österreich stammen. Nur dann, wenn Zutaten, nicht in Österreich erzeugt werden, dürfen sie aus dem Ausland stammen. Aber auch diese Zutaten dürfen nicht mehr als maximal ein Drittel des Produkts ausmachen. „Klassiker“ sind die Bananen im Fruchtjoghurt oder der Pfeffer in der Wurst. So können hohe Qualität und Lebensmittelsicherheit bei einer repräsentativen Vielfalt von Lebensmitteln mit österreichischen Rohstoffen (Joghurt, Milch,…) garantiert werden.


KEINE Drittel-Regelung gilt bei landwirtschaftlichen Primärprodukten, wie Milch, Fleisch, Eiern, Obst, Gemüse.


Wie ist die Fütterung im Rahmen des AMA-Gütesiegels geregelt?


Anders als in anderen Ländern wird in Österreich der Großteil der Futtermittel auf den Bauernhöfen selbst produziert. Wenn ergänzend Mischfutter zugekauft wird, muss es über die Richtlinie pastus+ als AMA-Gütesiegel-tauglich gekennzeichnet sein. Die Vorschriften für die Futtermittel gehen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Beispielsweise sind Futtermittel aus der Negativliste (wie Fischmehl) verboten.


Dürfen ausländische Futtermittel verfüttert werden?
 

Die AMA-Marketing darf aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben keine Vorschriften über die Herkunft der Futtermittel machen. (Das käme einer Diskriminierung anderer Mitgliedstaaten gleich.) Auf kurze Transportwege und enge Kreisläufe legen unsere Teilnehmer jedoch großen Wert.


Dürfen Lebensmittel mit dem AMA-Gütesiegel GVO enthalten?
 

Nein! Das AMA-Gütesiegel darf nicht verwendet werden, wenn Lebensmittel GVO enthalten oder daraus bestehen.
 

Warum ist der Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln nicht verboten?
 

Eine GVO-freie Fütterung gibt es derzeit schon bei den AMA-Gütesiegelprodukten Milch und Milchprodukte sowie bei Eiern und Mastgeflügel. Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ist in Österreich ausnahmslos verboten, daher sind österreichisches Obst und Gemüse sowie Kartoffeln aus Österreich ausnahmslos frei von Gentechnik. Gentechnisch veränderter Sojaschrot wird in erster Linie in der Schweinemast verwendet. Diese Eiweißquelle ist im Futter kaum ersetzbar und überdies nicht zu markttauglichen Preisen verfügbar.


Um die „Eiweiß-Lücke“ zu schließen, laufen bereits langfristige Projekte (GVO-freier Donau-Soja). Zusätzlich bietet die AMA-Gütesiegel-Richtlinie eine freiwillige Auslobung der GVO-freien Fütterung an. Der Konsument hat damit die Möglichkeit, garantiert GVO-frei gefüttertes Schweinefleisch zu kaufen. Der Mehrpreis, der über den Markt erlöst werden muss, bereitet vielen Betrieben Kopfzerbrechen.


Welche Vorgaben sieht die AMA-Gütesigel-Richtlinie bei Fleischerzeugnissen vor?
 

Basis der Qualitätskriterien ist das Österreichische Lebensmittelbuch (Codex). Zusätzlich dürfen sich in AMA-Gütesiegel-Würsten beispielsweise kein Mehl, keine Stärke oder ähnliche technologisch wirkende Stoffe befinden. Der Einsatz von Seperatorenfleisch oder von Lebensmittelimitaten (zum Beispiel „Analogkäse“) ist verboten.


Wie funktioniert die Herkunftssicherung bei Rindfleisch?
 

Sie läuft über das System „bos“. Auf dem Viehverkehrsschein wird die Ohrmarkennummer jedes einzelnen Tieres und im Feld Geburt und Mast „AT“ für Österreich eingetragen. Die Angaben werden mithilfe der Rinderdatenbank stichprobenartig überprüft.


Im Schlachthof kontrolliert der unabhängige Klassifizierer, ob die Angaben zusammenpassen. Die österreichische Herkunft wird mit Schlachtkörperetiketten auf den Schlachtkörper übertragen.


Im Zerlegebetrieb werden die einzelnen Chargen mit Nummern gekennzeichnet. So ist die Herkunft des Fleisches bis zur Theke eindeutig nachvollziehbar.
 

Wie funktioniert die Herkunftssicherung bei Schweinefleisch?
 

Beim AMA-Gütesiegel gibt es die transparente Herkunftssicherung auch bei Schweinefleisch seit vielen Jahren. Außerhalb des Gütesiegels wird die Herkunft bzw. die Auslobung der über das System „sus“ definiert und abgesichert.

Veröffentlicht am 07.02.2017, Abteilung Präs. 5 - Kommunikation und Service