Pöllauer Hirschbirne

Traditioneller Anbau der Sorte Hirschbirne auf Streuobstwiesen im Gebiet um Pöllautal, Steiermark.

Registernummer: 21

Offenlegungsdatum

Indizien weisen darauf hin, dass die Hirschbirne als Zufallssämling spätestens um 1860 entstanden ist, vermutlich sogar schon um 1800.
Die ältesten, noch heute in der Region vorkommenden Bäume stammen aus einer Auspflanzung nach 1870.
Das Vorkommen in der Marktgemeinde Pöllau wird 1893 schriftlich in einer Ortsbeschreibung durch F. Eigel erwähnt.

Titel

Pöllauer Hirschbirne

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditioneller Anbau der Sorte Hirschbirne auf Streuobstwiesen im Gebiet um Pöllautal, Steiermark. Die Hirschbirne gilt als steirischer Sämling und zeichnet sich durch ein typisches Aroma und Geschmack aus, welche vor allem im überreifen Zustand der Früchte zum Vorschein kommen.
Die Hirschbirne erlangt ihren besonderen Geschmack durch das milde Klima sowie die speziellen Bodenverhältnisse in der Region.Sie gilt als Universalnutzungssorte und findet traditionell für die Verarbeitung zu Bränden, Most, Saft und Dörrobst („Kletzen“) Verwendung.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Birnen, Kernobst, Obst

Name der Region

Pöllautal, Bezirk Hartberg, Oststeiermark, Steiermark, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Keine Angabe

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Bauernschaft, landwirtschaftliche Beratungsstellen, Bäuerliche Betriebe, gewerbliche Betriebe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Der genaue Entstehungsort bzw. die Entstehungszeit der Hirschbirne ist nicht bekannt.
Manchmal wird behauptet, die Hirschbirne sei mit Napoleons Truppen und den Franzosen am Beginn des 19. Jahrhunderts nach Pöllau gekommen. Tatsächlich konnte aber bisher in Frankreich kein Vorkommen der Hirschbirne nachgewiesen und diese Vermutung damit nicht bestätigt werden.

Indizien weißen darauf hin, dass die Sorte als Zufallssämling spätestens um 1860 entstanden sein muss, vermutlich sogar schon um 1800.
Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Sorte bereits vor dem 19. Jahrhundert verbreitet war, ihre Sortenzuordnung jedoch zunächst nicht gelöst war.
In seiner Abhandlung über das Mostobst Oberösterreichs, Niederösterreichs und der Steiermark führt ATTEMS 1886 die Hirschbirne (in Klammer mit Fragezeichen auch als Wolfsbirne) als eingeführte („bedeutende und verbreitete“) steirische Mostbirnensorte an. Auch das damals aktuelle Normalsortiment von ATTEMS aus 1886 führt den Namen „Hirschbirne“ noch, eventuell als Synonym für die Wolfsbirne an.

Untersuchungen zufolge stammen die ältesten, noch heute in der Region vorkommenden Bäume aus einer Auspflanzung nach 1870.

In der verfügbaren pomologischen Literatur scheint die Sorte erstmals in einem Normalsortiment für die Steiermark aus dem Jahr 1881 auf.

Auf der Triester Exportausstellung 1882 war die Hirschbirne als „Herbst-Mostbirne“ bereits vertreten.

1888 wurde die Hirschbirne von drei oststeirischen Produzenten auf der Reichs-Obst-Ausstellung des k. u. k. österreichischen Pomologen-Vereins unter einer „Kleinen Sammlung der besten, für einen bestimmten Fall geeignetste Sorte“ ausgestellt.

In dem 1889 publizierten Normalsortiment wurde die Hirschbirne bereits unter Mostbirnen geführt  und „selbst für raue Lagen“ attestiert. Die Bezeichnung „Herbstmostbirne“ wird dabei als Synonym angeführt. Die Birne dürfte zur damaligen Zeit weniger als Dörrfrucht als zur Mosterzeugung Verwendung gefunden haben.

1893 beschreibt der Pöllauer Chronist EIGEL in seiner „Ortsbeschreibung der Marktgemeinde Pöllau sammt der nächsten Umgebung“ die Landwirtschaft und den Obstbau in der Region und vermerkt, dass in der Region um Pöllau von den Birnen die Hirschbirne besonders stark vertreten ist. Diese bildet eine sehr gute Einnahmequelle für die Grundbesitzer.

Die älteste vorliegende Farbabbildung der Hirschbirne stammt aus LÖSCHNIG aus dem Jahr 1913. Als älteste genaue Darstellung gilt die Beschreibung der Hirschbirne von GRÖSSBAUER im Jahr 1912/1913.

GRÖSSBAUER weist 1913 weiters darauf hin, dass die Hirschbirne „schon seit Jahrhunderten den gebirgigen Teil der Oststeiermark vom Schöckel bis zum Wechsel…“ besiedelt.

Im Jahr 1983 wurde das Pöllauer Tal aufgrund der vielfältigen Landschaft und der traditionellen Bewirtschaftung vom Land Steiermark mit dem Prädikat „Naturpark“ ausgezeichnet.

Um 1994 wurden von Landwirten und Gewerbetreibenden erste Anstrengungen unternommen die Hirschbirne zu erhalten und ihre gezielte Vermarktung zu forcieren.

2009 wurde eine Studie betreffend „Wissenschaftliche Grundlage zur Beantragung einer geschützten Ursprungsbezeichnung (g. U.) für die „Pöllauer Hirschbirne“ sowie Basis für einen nationalen Know- How-Transfer im Bereich Herkunftsschutz“ veröffentlicht.

Geschichte der Verwertung:

Schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Hirschbirne in der Oststeiermark als eine von vielen Birnensorten zur Mostbereitung genutzt.
1903 wird die Hirschbirne als die „in Stmk. verbreitetste Gattung von Mostbirnen“ geführt und das Obstgrundbuch für Steiermark aus 1904 empfiehlt die Hirschbirne als Mostbirne für das Ober- und Mittelland.

Auch das Dörren der Hirschbirne hat eine lange Tradition. Bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts galt die Herstellung von Dörrbirnen aus Hirschbirnen als ein wichtiger Wirtschaftszweig im Pöllauer Tal. Dörrbirnen wurden in kleinen Dörröfen mit viel Erfahrung hergestellt und vor allem auf den Wiener Märkten verkauft.

Der erste Beleg, dass die Hirschbirne neben der Most- und Dörrobstproduktion auch zum Frischverzehr Verwendung fand und als Frischobst exportiert wurde, stammt aus der „Ortsbeschreibung der Marktgemeinde Pöllau stammt der nächsten Umgebung“ aus 1893.

Auch das Brennen der Hirschbirne zu Edelbränden hat in der Region eine jahrhundertealte Tradition und seit jeher wurde das Maria-Theresianische Abfindungsbrennrecht ausgeübt. Hirschbirnen werden heute sortenrein, früher auch  vermischt mit anderen Obstsorten gebrannt.

Gebiet/ Region:

Das Hauptanbaugebiet der Pöllauer Hirschbirne findet sich im Gebiet des Naturparks Pöllauer Tal.
Das Pöllauer Tal ist eine hügelige Talbeckenlandschaft der Oststeiermark.
Das Naturparkgebiet erstreckt sich auf einer Fläche von rund 124 km2 auf einer Seehöhe von 345 m (Talboden der Saifen) bis 1.280 m (Rabenwald).
Der Rabenwald und der Buchkogel (911 m) erheben sich im Südwesten des Pöllauer Tales, westlich anschließend erstreckt sich der Gschaider Kogel und das Zeiseleck (1.078 m). Den nordöstlichen Rand des Talbeckens bildend erstreckt sich in östlicher Richtung der Masenbergzug mit seiner höchsten Erhebung, dem Grätzer Kogel (1.272 m). Die Kammlinie wendet sich nach Südosten und schließt mit dem Wiesberg, dem Hirschkogel und dem Annakogel das Pöllauer Tal ein.

Die Hirschbirne gedeiht in einem Bereich von rund 350 bis 1.000 m Seehöhe. Die Anzahl der Bäume nimmt vom Hügelland bis in die Höhenlage von etwa 800 m deutlich zu. Sie ist somit jene Mostbirnsorte, die in den höheren Lagen vorherrscht

Boden- und Klimaverhältnisse:

Im Wesentlichen unterscheidet man im Gebiet von Pöllau zwei geologische Formationen: das Kristallin des Berglandes (Gneis, Quarz und Glimmerschiefer) und die jungtertiären Schichten der Bucht. Die Talsohle besteht aus Schotter und Lehm oder meist aus einem Gemenge von beiden. Stellenweise werden blaugraue, sandige Tegel, von mehr oder weniger mächtigen Blockschottern überlagert.
Im Gebiet der Marktgemeinde Pöllau finden sich vorwiegend fluviale Sandablagerungen aus der Zeit des Pannons.

Die Gebirgsumrandung hält die rauen Winde aus dem Norden ab und verleiht der Bucht ein mildes Klima.
Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt durchschnittlich 900 mm.

Steirische Hirschbirne:

Die Sorte Hirschbirne gilt als steirischer Sämling und dürfte von der Schneebirne (Pyrus nivalis) abstammen.

Etymologie:

Es wird einerseits angenommen, dass sich der Name Hirschbirne von „Herbstbirne“ableitet, zurückführbar auf den mundartlichen nordoststeirischen Ausdruck „Hiarscht“ bzw. „Hirscht“ für „Herbst“. Die Bezeichnung nimmt Bezug auf die Reifezeit der Sorte im Herbst.

Andererseits wird behauptet, dass der Name „Hirschbirne“ auf die Reifezeit „zugleich mit dem Hirse“ zurückgehen soll. Die Reifezeit der Hirse liegt jedoch im Spätsommer, wogegen die Hirschbirne erst im Herbst reift.
Eine weitere mundartliche Bezeichnung für die Hirschbirne lautet „Rote Weinbirne“. Weiteres ist das Synonym „Herbst-Mostbirne“ bekannt.

Die Synonymisierung der Hirschbirne mit der Sorte „Tepka“ ist nicht eindeutig geklärt, jedoch kann eine falsche Verwendung des Namens angenommen werden. Weiters ist die Hirschbirne auch nicht mit der aus Deutschland stammenden Wolfsbirne ident, wie eine anfängliche Synonymisierung vermuten lassen könnte.

Der Name „Pöllauer Hirschbirne“ hat sich in der regionalen Bevölkerung als Begriff durchgesetzt und etabliert.

Sortenbeschreibung:

Baumbeschreibung:

Hirschbirnen sind auf Streuobstwiesen oder auch linienartig entlang von Wegen, an Rainen und Böschungen usw. zu finden. Alleinstehende Bäume in der Region dürften Restbestände von Streuobstbeständen sein.

Die traditionelle Kulturform der Hirschbirne ist der großkronige Hochstammbaum mit kugeliger bis hochkugeliger Baumkrone.
Die durchschnittliche Baumhöhe liegt bei etwa 10 m, die nach etwa 120 Jahren erreicht wird. Ihre maximale Wuchshöhe beträgt 14 bis 16 m.
Durch seine Größe überragt der Baum der Hirschbirne meist jene anderer Birnensorten.

Der Baumwuchs ist kräftig. Der Stammumfang beträgt bis zu etwa 360 cm.
Für den landwirtschaftlichen Obstbau eignen sich neben den Hochstamm- auch Halbstammbäume. Der Trend geht in den letzen Jahren aber auch in Richtung Mittelstämme, bzw. Busch- und Zwergbäume.

Die Birnenbäume zeichnen sich durch ihre Langlebigkeit aus.

Baumpflege und Düngung:

Die Hirschbirne gilt als besonders widerstandsfähig gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Pflanzenschutzmaßnahmen müssen daher üblicherweise nicht durchgeführt werden.

Bei der Pflanzung des Baumes erfolgt üblicherweise ein Pflanzenschnitt, bei dem meist ein Mittelast belassen wird. Die Jungbäume werden außerdem verpflockt und mit Verbissschutz versehen. In den Folgejahren werden Schnittmaßnahmen in der Krone nur bei Bedarf in mehrjährigen Abständen durchgeführt.

Nachpflanzungen erfolgten bisher meist im Rahmen von Aktionen der ARGE Streuobst und anderen bäuerlichen Vermarktungsgemeinschaften. Das Pflanzenmaterial stammt überwiegend von Baumschulen aus der Region, zu einem geringen Teil werden die Jungbäume selbst gezogen bzw. veredelt.
Nur in den ersten Jahren erfolgt eine gezielte Düngung der Jungbäume.

Blätter und Blüten:

Die Blätter der Hirschbirnenbäumesind sehr formenreich, wobei am häufigsten eine breite ellipsoide Form auftritt. Die Blätter sind in jungem Zustand stark behaart, besonders die Unterseite erscheint durch einen dichten Haarfilz weißlich. Die Oberseite ist meist nur locker kraushaarig und verkahlt recht bald. Diese Behaarung könnte auf die Abstammung von der Schneebirne hinweisen.

Die Blüten der Hirschbirne zeichnen sich durch hohen Frostwiderstand aus. Die 5 Kronblätter sind im völlig geöffneten Zustand überwiegend reinweiß. Nur vereinzelt zeigt sich ein kleinflächig rosarot überlaufender Rand. Die Blüten tragen im Schnitt 22 Staubblätter oder mehr. Die Staubbeutel sind oft kaminrot gefärbt.
Die Blüten der Hirschbirne zeichnen sich durch hohen Frostwiderstand aus.

Fruchtbeschreibung:

Die Hirschbirne ist im Vergleich zu anderen Birnensorten klein, bergamottenförmig und im Mittel breiter als lang. Die Hirschbirne besitzt eine gedrungene, von einer „klassischen Birne“ abweichende Fruchtform. Im Querschnitt sind die Früchte rundlich.

Die Hirschbirne kann als größere Mostbirne bzw. kleinere „Tafelbirne“ beschrieben werden.
Das Fruchtrelief ist kelchseitig schwach rippig ausgebildet und die Frucht insgesamt schwach ungleichhälftig.
Das Gewicht der reifen Frucht beträgt im Durchschnitt 80,5 g. Früchte aus tiefen Lagen sind daher zumeist etwas größer und schwerer, Das Fruchtgewicht sinkt mit zunehmender Seehöhe des Standortes.

Die mäßig glatte, stumpf glänzende Fruchtschale ist mittelstark entwickelt, von mäßig zäher Konsistenz und besitzt einen mäßig starken, teilweise zimtartigen Geruch.
Die Grundfarbe der Schale ist im genussreifen Zustand gelblichgrün, wobei eine Verschiebung zur Gelbfärbung mit zunehmender Reife zu beobachten ist. Die üblicherweise verwaschen trübrote sonnenexponierte Deckfarbe geht an begünstigten Standorten mit zunehmender Reife zunächst in rotorange, im Fallobststadium wieder in gelb über.
Die Schale weist weiters zahlreiche, bereits mit freiem Auge erkennbare, auffällige, mittelgroße, hellbraune Lentizellen auf, die häufig rötlich umhoft sind.

Das Fruchtfleisch der Hirschbirne ist cremefärbig, von grober Textur, fest, nicht schmelzend und saftig. Es wird bei Verkostungen auch als „sämig“ bezeichnet.
Die Form des Steinkranzes ist als kugelig bis kurz spindelförmig, breit und grob granuliert. Das Kerngehäuse ist groß. Es werden sehr viele große und oval geformte Samen gebildet.

Die Frucht enthält für Mostbirnen typische Steinzellen, die sich auf einen Kranz um das Kerngehäuse konzentrieren. Dies bedingt auch eine gute Eignung als Dörrfrucht.

Der holzige Fruchtstiel ist rund 29 mm lang und von mittlerer Dicke (2 bis 3 mm). Er ist astseitig knopfig und ausgeformt. Die Grundfarbe ist glänzend braun, wobei häufig schmale grüne Längsstreifen auftreten. Der Stiel ist in die Stielbucht eingesteckt.

Geschmack:

Die Hirschbirne besitzt ein sehr typisches, harmonisches Aroma, ihr Geschmack ist herb-süß, wenig säuerlich und kaum bitter.

Unreife Früchte sind durch den hohen Polyphenolgehalt sehr adstringierend. Mit zunehmender Reife und Braunfärbung des Fruchtfleisches (Überreife) überwiegt der süße Anteil, der bittere Anteil tritt nahezu völlig zurück.
Reife Früchte werden durch ihr eigentümliches, typisches Kletzenaroma und ihre teigige Konsistenz charakterisiert. Aufgrund der enthaltenen Steinzellen wird der Geschmack auch oft als „sandig“ beschrieben.

Reife, Ertrag und Ernte:

Die Hirschbirne ist spät blühend und reifend.
Ihre Reifezeit kann mit der Genussreife gleichgesetzt werden. Meist liegt sie zwischen Mitte/Ende September und Mitte Oktober. Die Hirschbirne wird heute meist nicht gelagert, sondern sofort verarbeitet.

Bäume der Hirschbirne weisen einen hohen Ertrag auf. Die Erntemengen und liegen zwischen rund 250 bis 1.000 kg je Baum, können aber sehr stark variieren
Mit ersten Erträgen ist nach etwa 10 bis 12 Jahren zu rechnen, die höchsten Erträge liefert der Baum ab einem Alter von 20 Jahren.

Die Ernte der Hirschbirnen wird auf unterschiedliche Art durchgeführt. Das Abschütteln und Einsammeln der Früchte erfolgt unmittelbar aufeinander.
Weiters werden die Birnen häufig durch laufendes Auflesen geerntet, wobei die von selbst vom Baum gefallenen reifen Birnen täglich bzw. jeden 2. oder 3. Tag eingesammelt und zu Brennmaische, Dörrfrüchten, Marmeladen usw. verarbeitet werden.

Inhaltsstoffe:

Die Hirschbirne verfügt über einen besonders hohen Polyphenol- sowie Ballaststoffgehalt. Letzterer ist rund fünfmal höher als bei Tafelbirnen. Da der Hauptanteil an Ballaststoffen aus sogenannten löslichen Ballaststoffen besteht, wird der Hirschbirne eine verdauungsfördernde Wirkung sowie günstige Beeinflussung der Darmflora zugeschrieben.
Weiters enthält die Hirschbirne bedeutende Mengen an Kalzium und Magnesium.

Lagerung:

Die Birnen besitzen zwar eine gute Transportfähigkeit und Haltbarkeit, werden jedoch meist nicht gelagert.
Falls notwendig, erfolgt eine Lagerung in Säcken, Kisten und dergleichen im Freien, in Kellern oder bereits im Verarbeitungsraum.

Verwertung:

Die Hirschbirne eignet sich bestens für die Verarbeitung zu Spirituosen, Most und Kletzen (= gedörrte Birnen) und auch zum Frischverzehr.

Sowohl für die Verarbeitung zu Brennmaische und der späteren Destillation zu Hirschbirnenbrand als auch für die Mosterzeugung wird die Hirschbirne meist im überreifen Zustand verwendet.

Der Name Steirischer Hirschbirnenbrand ist für das geografische Gebiet Steiermark geschützt.

Weiters werden die Früchte als Saft, Essig, Sekt, Marmelade und Gelees sowie zahlreiche Gerichte wie Hirschbirnmostbraten, der B’soffene Hirschbirn-Bauer, Hirschbirnstrudel, Hirschbirnkletzenbrot, Hirschbirnleberkäs etc angeboten.

Auch das Holz des Hirschbirnenbaumes findet Verwendung, z.B. für Musikinstrumente.

Vermarktung:

Die Sorte Hirschbirne sowie daraus hergestellte Produkte werden in der Region unter dem Namen „Pöllauer Hirschbirne“ vermarktet.

Die Dienstleistungskette rund um die Hirschbirne geht vom Bauern über das verarbeitende Gewerbe bis hin zur Gastronomie. Dazu zählen Erzeuger, Direktvermarkter, Bauernladen, Gewerbebetriebe (z.B. Konditorei, Fleischhauerei, Brennereien) u.a.m.

Zusammenhang zwischen dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • spezielle Bodenverhältnisse und mildes Klima ermöglichen den Anbau und Erhalt von Pöllauer Hirschbirnen auf Streuobstwiesen.
  • Ausgeprägte Bodenständigkeit: Pöllauer Hirschbirnen gilt als steirischer Zufallssämling, der sich optimal an die lokalen Gegebenheiten angepasst hat.
  • Der Geschmack und das Aroma der Pöllauer Hirschbirnen stehen in direkter Beziehung zu dem milden Klima in der Region.
  • Die Erzeugung von Pöllauer Hirschbirnen ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das an die in diesem Bereich Tätigen weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Obstbauern (Anpassung der Erziehungsform an die Gegebenheiten der Umwelt, Vermehrung durch Samen und Wurzelschösslinge, Verbesserung des Erbguts, Know-how des Ernteverfahrens, Lagerung), der Erfahrung der Weiterverarbeiter und Einzelhändler in der Vermarktung.

Schutz:

„Steirischer Hirschbirnenbrand“ ist für das geografische Gebiet Steiermark geschützt im Codex Alimentarius Austriacus, Kapitel B23.4: Spirituosen nach besonderen oder traditionellen Verfahren. Anhang 1: Geschützte Bezeichnungen.

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Steiermark, Oststeiermark, Region, Bezirk Hartberg, Pöllauertal, Birne, Hirschbirne, Pöllauer Hirschbirne, Herbstbirne, Rote Weinbirne, Pyrus communis L.

Bibliographie/ Referenzen

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  • BUND LEMGO: Obstsortenlisten aus historischen Büchern (L-Z).
  • Codex Alimentarius Austriacus Kapitel B23.4: Spirituosen nach besonderen oder traditionellen Verfahren. Anhang 1:Geschützte Bezeichnungen.
  • Die Hirschbirne- Die Entdeckung
  • Diverse Unterlagen in den Regionen Pöllau und Stubenberg
  • DIE OSTSTEIERMARK MIT ALLEN SINNEN ERLEBEN – Pöllauer Becken – der Naturpark Pöllauer Tal (Gaugl)
  • EIGEL, F. (1893): Ortsbeschreibung der Marktgemeinde Pöllau stammt der nächsten Umgebung. Dezember 1893. – Pöllau.
  • EGLE, A. (1894 – 1899): Ortschronik von Pöllau
  • eva & adam - „Sündenfall im Oststeirischen Kernland“
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  • Hirschbirne (Pöllauer Hirschbirne)
  • KHULL, F. (1903): Steirischer Wortschatz als Ergänzung zu Schmellers Bayerischem Wörterbuch. – Graz, S. 66 (zitiert durch Möslinger et a. 2009).
  • Klimaregion Pöllauer Bucht
  • LÖSCHNIG, J. (1913): Die Mostbirnen. Beschreibung der in Österreich am häufigsten angepflanzten Mostbirnensorten. Wien, S. 221 (zitiert durch Möslinger et a. 2009).
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  • Napoleon und die Hirschbirn
  • Obsthof Retter
  • Pöllauer Hirschbirne
  • Pöllauer Hirschbirne (Naturpark Pöllauertal)
  • Pöllauer Hirschbirne
  • Steiermärkische Landesregierung (Landhaus) Graz (Hrsg.) (1921): Landes-Normal-Sortiment von Kern-, Stein-, Schalen- und Beerenobst f. Stmk, Graz.

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 3. Mai 2010.

Sprachcode

Deutsch

Produkt von GenussRegion Österreich

Ja

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Alois Pöltl
Schönau 45
8225 Pöllau
Telefon: 03335/2045

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 06.03.2017, Abteilung II/8 - Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung