Wachauer Marille g.U.

Anbautradition mit lokalen Sorten seit ca. 1890.

Registernummer: 7

Offenlegungsdatum

Erstmals 1509 in der Wachau nachgewiesen (Starhembergisches Archiv, Eferding).

Titel

Wachauer Marille g.U.

Kurzdarstellung oder Behauptung

Anbautradition mit lokalen Sorten seit ca. 1890. Die unverwechselbare Qualität ist das Ergebnis regionaler Sortenselektion von Marillen und der spezifischen, regionalen Klima- und Bodenbedingungen in der Region Wachau – Mautern – Krems, Niederösterreich.
Produziert nach der Spezifikation für die Eintragung als Geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) gemäß EU Verordnung 1107/96 ABl. L 148/1ff/96.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Marille, Obst

Name der Region

Wachau, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Wachauer Marille Verein zum Schutz der Wachauer Marille

Name des Antragstellers für den Titel

Arbeitsausschuss zur Förderung des Marillenanbaues in den Gebieten Wachau - Krems - Mautern

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Wachauer Marillenbauern

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Arbeitsausschuss zur Förderung des Marillenanbaues in den Gebieten Wachau - Krems - Mautern

Beschreibung

Geschichte:

Als Urheimat der Marille gilt China. Chinesen kannten Marillensorten schon 3000 bis 2000 vor Christus. Die Sorten gelangten über Chinesisch-Turkestan nach Westen, nach Mittel- und Vorderasien, Armenien, Syrien, Griechenland, Italien und die übrigen Länder des Mittelmeeres und ganz Europa.

Der Ausbreitungsweg in Westeuropa dürfte über Italien, Spanien, Frankreich erfolgt sein, während die Donauländer nach neueren Forschungen die Marille über den Pontus und den Donauweg erhielten.
Die erst nach der Mitte des 1. Jahrhunderts nach Italien eingeführte Marille tauchte bereits zu gleicher Zeit, wenn nicht früher, auch an der mittleren Donau auf.
Im Donauraum der Wachau wurde schon zu römischer Zeit nachweislich Obstbau betrieben wurde, wie Eugippius in seiner Gedenkschrift über den hl. Severin bezeugt, die allgemein unter dem Namen „Vita S. Sverini“ bekannt ist.

Die Kapitularien Karl des Großen aus dem Jahre 802 enthalten eine Liste mit all den kultivierten Obstarten, Marillen werden aber nicht erwähnt, da sie vom 3. bis zum 16. Jahrhundert als Pfirsiche angesehen wurden.
Der österreichische Ausdruck „Marille“ für Aprikose geht vermutlich auf die italienische Bezeichnung „armellino“ zurück, die sich von der wissenschaftlichen Bezeichnung „armeniaca“ (= aus Armenien stammend) ableitet.

Der bisher älteste Nachweis für den Ausdruck Marille im Donaugebiet findet sich in einer Briefsammlung des Starhembergischen Archives in Eferding bei Linz. In einem Brief vom 23.7.1509 taucht der Name „Maryln“ auf. Meister Ortulf vom Baierland (zwischen 1390 bis 1439) nennt in seinem Arzneibuch die Frucht „Amarellen“.
Für das Gebiet von Arnsdorf (Wachau) findet sich die älteste namentliche Nennung dieser Frucht im Archiv des Hochstiftes St. Peter in Salzburg. Am 15.4.1679 berichtet der „Löß-Commissary“ (Lesmeister) des Stiftes über die Bäume, die damals in Oberarnsdorf in den Weingärten des Petersstiftes standen und führt dabei an: „Nuß, Pfersich, Mariln, Mandeln“.

Die Donau als Handelsweg war auch für den Obsttransport von großer Wichtigkeit. Aus der Wachau kommende Obstplätten erreichten in einem Tag die Hauptstadt Wien. Mit Obst beladene Zillen fuhren vereinzelt noch bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg.

Der Anbau von lokalen Marillensorten in der berühmten Weinbauregion der Wachau wurde durch die Verwüstung von Weingärten durch die Reblaus um 1890 ausgelöst.
Seither ist der Marillenanbau ein traditionell wichtiger Erwerbszweig dieser Region.

2003 wurde der Verein „Original Wachauer Marille“ gegründet.

Auf der Produktionsfläche stehen derzeit ca. 100.000 Marillenbäumen.

Gebiet/Region:

Die Region Wachau-Mautern-Krems liegt am südlichen Rand des Waldviertels, im Bundesland Niederösterreich. Sie erstreckt sich entlang der Donau bis zum nördlichen Teil des Dunkelsteinerwaldes. In dem engen Donautal wird auf Steinterrassen Weinbau betrieben. Auf den Flächen neben der Donau werden Marillen und anderes Obst kultiviert.

Mit dem Namen „Wachauer Marille g.U.“ dürfen nur Marillen bezeichnet werden, die aus den Gemeinden Aggsbach-Markt, Albrechtsberg, Bergern im Dunkelsteinerwald, Droß, Dürnstein, Furth, Gedersdorf, Krems, Maria Laach, Mautern, Mühldorf, Paudorf, Rohrendorf bei Krems, Rossatz-Arnsdorf, Senftenberg, Spitz, Stratzing, Weinziel am Wald, Weißenkirchen, Schönbühel-Aggsbach, Emmersdorf stammen.

Klima und Bodenverhältnisse:

Die Ausläufer des warmen pannonischen Klimas kommen von Osten bis in die Wachau. Aus dem Westen gelangen die Ausläufer der gemäßigten, atlantischen Luft. Zu diesen beiden kommen noch die kühlen, oft feuchteren Luftmassen aus dem Norden, die durch die Wachauer Gräben in das Donautal gleiten. Einer der größeren Gräben ist der Spitzer Graben. Das Zusammenspiel dieser drei Klimaeinflüsse sorgt für eine ständige Luftzirkulation.

Durchschnittliche Jahrestemperatur: 8,8 °C, Durchschnittlicher Jahresniederschlag: 470 mm

Boden: An den Steilhängen meist verwitterte Urgesteinsböden, die sich in tieferen Lagen mit Löss mischen. Im Tal teilweise auch sandige Böden. Typisch für die Wachau sind die durch Trockenmauern begrenzten Steinterrassen.

Wachauer Marille g.U.

Die Marille (Prunus armeniaca), auch Aprikose genannt, gehört wie die Pflaume zur Untergattung Prunophora (Prunus im engeren Sinne), der zu den Rosengewächsen zählenden Gattung Prunus.

Marillenbäume:

Als Pflanzunterlagen kommen speziell an die regionalen Bodenverhältnisse angepasste Marillensämlinge, Myrobalane und verschiedene Pflaumen zum Einsatz. Als häufigste Erziehungsform ist der Meterstamm mit Rundkronenerziehung, Pyramiden- oder Hohlkrone verbreitet (Pflanzweiten 5 bis 7 m mal 4 bis 6 m, 250 bis 500 Bäume/ha).
Rundkrone und ausreichender Standweite ermöglichen eine gute Belichtung, die die Krankheitsanfälligkeit vermindert und sich auf Reife und Geschmack günstig auswirkt.

Blüten und Früchte:

Je nach Witterung stehen die Marillenbäume zwischen März und Mitte April in voller Blüte.

Es handelt sich um Früchte in den Formenkreisen „Kegelmarillen“, „Ovalmarillen“(oder „Rosenmarillen) und „Ananasmarillen“.
Die vorwiegend angebaute Sorte ist die regionaltypische Sorte Klosterneuburger Marille (Formenkreis Kegelmarille).

Sie ist mittelgroß, 45 bis 60 g schwer, hat ein spezifisches Gewicht meist über 1,0. Die Form ist kegelförmig oder zugespitzt, einseitig niedriger, die Frucht tief, die Lippen breitoffen, die Stielbucht meist rund, selten dreifaltig. Die Fruchtschale feinwollig, in der Grundfarbe honiggelb, bis zur Hälfte oder darüber gerötet, oft auch bräunlich bis rötlich gepunktet. Das Fruchtfleisch ist gleichmäßig orange bis rötlichorange, fest und saftig, wird nicht mehlig.

Die Wachauer Marille g.U. besitzt einen hohen Pektin-, Säure- und Zuckergehalt.
Der Pektingehalt der Wachauer Qualitätsmarille hat einen besonders guten Einfluss auf die Verarbeitungseigenschaften bei der Bereitung von Marmeladen.

Ernte:

Die Ernte erfolgt per Hand ab Mitte Juli bis Mitte August und ist sehr arbeitsaufwendig, wodurch eine Begrenzung der Anbaufläche je Betrieb bedingt ist. Die folgeartige Reifung der Früchte erfordert ein oftmaliges Durchernten bis zu etwa 5 Mal je nach Jahr, wobei immer nur die baumreifen bzw. vollreifen Früchte je nach Vermarktungsform (Direktverkauf/Handel) gepflückt werden.

Es wird mit einem traditionellen Pflückkorb geerntet, dem Wachauer Marillenzistel, dessen unteres Ende ganz charakteristisch spitz zuläuft. Die Handhabung im Astgewirr der Bäume wird durch diese Form erleichtert, außerdem mildert sie den Druck auf die unten im Korb liegenden Marillen.

Geschmack:

Zucker und Säuregehalt der Wachauer Marille g.U.:
Das Zusammenspiel von hohen Zucker- und Säurewerten bedingt die einzigartigen aromatischen wie geschmacklichen Eigenschaften.

Ernährung:

Marillen weisen eine Vielzahl an wichtigen Inhaltstoffen mit hohem Wert für den menschlichen Körper auf. Marillen enthalten die höchsten Provitamin A (Carotin) Werte aller Obstarten. Weiters sind hohe Werte bei Vitamin B1, B2, C und Mineralstoffe erwähnenswert.

Qualitätssicherung und Qualitätskennzeichnung:

Die Erziehung und Pflege der Bäume folgt den Methoden des integrierten Landbaus.
Mit Wachauer Marille g.U. garantieren über 180 Wachauer Marillenbauern die Herkunft und die einzigartige Aroma- und Geschmacksqualität der Wachauer Marille.

Verwertung:

Weiterverarbeitung von frischen Marillen zu Marmelade, Nektar, Destillat, Marillenknödel usw. ausschließlich aus Qualitätsmarillen der Region.
Die Herstellung dieser Produkte erfolgt nach alten, überlieferten Rezepturen.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

Die unverwechselbare Qualität der Wachauer Qualitätsmarille ist ein Ergebnis des regionalen Klimas und Bodens sowie der über 100 Jahre alten Anbautradition (Sortenselektion und Sortenzusammensetzung sowie der verwendeten Veredelungsunterlagen). Das Zusammentreffen mehrerer Klimate (Pannonisches und Waldviertler Klima, unmittelbare Nähe der Donau – sog. „Aromagürtel“), mit speziell zur Reifezeit der Marillen großen Unterschieden zwischen den Tag- und Nachttemperaturen, wirkt sich unmittelbar auf die Ausbildung der Geschmacks-, Aroma- und Inhaltsstoffe der Früchte aus. Neben der großen wirtschaftlichen Bedeutung hat der Marillenanbau in der Wachau auch eine enorme touristische Bedeutung, da im Frühling das Landschaftsbild vollkommen von den blühenden Marillenbäumen geprägt wird.

Vermarktung:

Die Steigen werden mit einem einheitlichen Etikett versehen in den Handel gebracht.

Schutz:

Die Beschreibung der Spezifikation für die Registrierung als gU liegt im Österreichischen Patentamt auf. (Nationales Aktenzeichen: 1233-GR/95)

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Niederösterreich, Region, Wachau, Marille, Wachauer Marille g.U.

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller zitierten Internetreferenzen erfolgte am 14. März 2011.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Wachauer Marille Verein zum Schutz der Wachauer Marille
Obmann Franz Reisinger
3620 Spitz/ Niederösterreich; Mitterndorf Nr 1
Telefon: 02713 2855
E-Mail: info@obsthof-reisinger.at
Homepage: www.wachauermarille.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 16.10.2017, Abteilung II/8 - Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung

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