Steirische Käferbohne

Traditioneller Anbau der Käferbohne (Phaseolus coccineus L.) in der Steiermark. Kerngebiet ist der süd-östliche Teil der Steiermark.

Registernummer: 141

Offenlegungsdatum

Seit dem 19. Jahrhundert gilt die Käferbohne in der Steiermark als heimisch.

Titel

Steirische Käferbohne

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditioneller Anbau der Käferbohne (Phaseolus coccineus L.) in der Steiermark. Kerngebiet ist der süd-östliche Teil der Steiermark.
Käferbohne ist ein umgangssprachlicher Ausdruck in Österreich für Feuerbohnen (Phaseolus coccineus L.). Darunter werden überwiegend unterschiedlich-gesprenkelte Bohnen, von violett-schwarz bis braun-beige, verstanden.
Käferbohnen werden vorwiegend als reife, getrocknete Bohnen und als verarbeitete (gekochte) Produkte auf den Markt gebracht. Saisonal wird die reife Bohne ungetrocknet angeboten. Die besondere Qualität der Käferbohnen beruht auf den besonders mineralhältigen Böden und dem speziellen illyrischen Klima in der Region. Weiters ist für die Qualität entscheidend das seit Generationen weiter gegebene Fachwissen der Käferbohnenbauern über an die geografischen Gegebenheiten angepassten Lokalsorten, die speziellen Anbauverfahren und Verfahren bei Ernte, Trocknung, Lagerung und Reinigung bis hin zur Handverlesung.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Bohnen, Gemüse

Name der Region

Steiermark (hauptsächlich Südoststeiermark), Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

Landwirtschaftskammer Steiermark
Landesverband Steirischer Gemüsebauern

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Keine Angabe

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Bohnen gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und stammen ursprünglich aus Zentralamerika.
Ende des 16. Jahrhunderts gelangte die Feuerbohne (Phaseolus coccineus L.) nachweisbar nach England und Spanien, verbreitete sich dann innerhalb von 100 Jahren in ganz Mittel- und Nordeuropa. Ein weiterer Weg wird im 17. Jahrhundert über die Krim nach Osteuropa (daher auch die Bezeichnung „Türkische Bohne“) vermutet.

In der Steiermark gilt die Käferbohne seit dem 19. Jahrhundert als heimisch. Die getrockneten Käferbohnen waren vor allem wegen ihrer einfachen Vorratshaltung sehr beliebt.
Aus dem traditionellen Anbau im Hausgartenbereich (mit Stangen) entwickelte sich eine bäuerliche Produktion. Allmählich ging man von der arbeitsaufwändigen Heckenkultur auf die gemeinsame Kultur mit Mais als Stützpflanze über. Doch auch die Heckenkultur (ähnlich dem Hopfenanbau) ist weiterhin in der Region vorzufinden.

Gebiet/ Region:

Das Anbaugebiet der Steirischen Käferbohne liegt vorwiegend im süd-östlichen Teil der Steiermark und umfasst insbesondere die politischen Bezirke Bad Radkersburg, Feldbach, Weiz, Leibnitz, Deutschlandsberg, Graz-Umgebung, Hartberg und Fürstenfeld.

Klima und Bodenverhältnisse:

Der süd-östliche Teil der Steiermark weist illyrisches Klima auf, das gekennzeichnet ist durch Jahresdurchschnittstemperaturen von ca. 10 °C, relativ hohen Temperaturamplituden (20 bis 25 °C) sowie viel Niederschlag (800 bis 1.000 mm) mit Maxima in den Sommermonaten und danach.

Das illyrische Klima ist stark von der Adriawetterlage beeinflusst, das in der Regel für regenreiche Sommer, milden Herbst mit teils frostigen Nächten und warmen Tagen, kalte und trockene Winter und einen oft schon Ende Februar einsetzenden, feuchten Frühling sorgt.

Die Klimabedingungen im Sommer bieten optimale Entwicklungsbedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchtigkeit für die sehr wärmebedürftigen Käferbohnen. Ferner sorgen diese Eigenschaften dafür, dass die Bohnen in den Monaten Oktober bis November optimal ausgereift sind.

Die Käferbohne wird meist auf leicht bis mittelschweren, kalkhaltigen, humosen Lehmböden kultiviert, deren pH Wert optimal bei 6 bis 7 liegt.
Durch die besonders mineralhältigen Böden der Region wächst die Steirische Käferbohne zu einer kulinarischen Spezialität.

Steirische Käferbohne:

Allgemein:

Die in dem Gebiet der Steiermark kultivierten Käferbohnen sind Landrassen von Phaseolus coccineus L., Hülsenfrüchtler (Leguminosae), Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae).

Phaseolus coccineus L. ist auchunter den deutschen Bezeichnungen Feuerbohne, Prunkbohne, Blumenbohne, Schminkbohne, Türkische Bohne, Arabische Bohne oder Rosenbohne bekannt.

Der Name „Käferbohne“ ist, wie eine Umfrage nachweist, eine vorwiegend in der Steiermark gebräuchliche Bezeichnung für Bohnen mit bestimmtem Aussehen. Der Name Käferbohne wurde daher auch in das Österreichische Wörterbuch aufgenommen.

Der Ursprung des Wortes ist unklar. Es finden sich folgende Annahmen: die Bezeichnung könnte auf den häufigen Befall durch den Bohnenkäfer zurückzuführen sein oder auf die optische Ähnlichkeit mit Flügeldecken von Käfern. Eine weitere Vermutung ist, dass das Wort „Käferbohne“ aus dem Wort Körnerbohne durch Tradierungsfehler entstanden ist.

Pflanzenbeschreibung:

Die Käferbohne ist eine krautige, rankende Kletterpflanze, die sich bis über mehrere Meter emporwinden kann. Sie ist frostempfindlich und braucht besonders zur Blütezeit ausreichend Wärme und Wasser.
Die Pflanze ist einjährig und die Bestäubung erfolgt durch Fremdbefruchtung. Somit ist eine Kreuzung mit daneben stehenden Sorten möglich und der Nachbau kann verschiedene Farben und Zeichnungen ergeben.

Blüte und Samen:

Die etwa 1 cm großen Blüten stehen in bestimmten Blattachsen und tragen 2 bis zu 10 Blüten in lang gestielten Blütentrauben. Die Blütenfarbe ist vorwiegend rot (Feuerbohne), doch sind auch Übergangstöne bis zu weiß möglich.
Aus den befruchteten Blüten entstehen 4 cm bis 25 cm lange, dunkelgrüne, fleischige Hülsen, die bis zu 9 Samen (Bohnen) enthalten.
Die Samen sind nierenförmig und im rohen Zustand bis ca. 2,5 cm lang.
Unter Steirischer Käferbohne werden überwiegend unterschiedlich-gesprenkelte Bohnen, von violett-schwarz bis braun-beige, verstanden; darunter fallen insbesondere die in der Steiermark auch züchterisch bearbeiteten Sorten Bonela und Melange.

Herstellungsverfahren:

Anbau:

Das Zentrum der österreichischen Käferbohnenproduktion ist der süd-östliche Teil der Steiermark, wo auf mehr als 200 ha Käferbohnen angebaut werden.

Die Aussaat erfolgt zwischen Ende April und Ende Mai, bei einer Bodentemperatur von etwa 8 bis 10 °C.

Das in der Region vorherrschende illyrische Klima sorgt dafür, dass zur Anbauzeit der Boden einen Feuchtegehalt aufweist, der für das Auflaufen des Saatgutes geeignet ist.

Die Steirische Käferbohne wird in unterschiedlichen Erziehungsformen kultiviert. Allen Erziehungsformen ist gemeinsam, dass den Bohnen Rankhilfen angeboten werden.
Ursprünglich mit Stangen (heute in Hausgarten), später zwischen Drähten gespannte Schnüre (Hecke) und in Mischkultur. Im Erwerbsanbau werden die Käferbohnen in arbeitsaufwändiger Heckenkultur oder in einer Mischkultur mit anderen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen (vorwiegend Mais, selten Sonnenblumen) kultiviert.
Bei einem Mischanbau mit Mais eignet sich am besten frühe Maissorten einer raschen Jugendentwicklung, mit schmalen Blättern (Licht!), mit guter Standfestigkeit und mit kleinem Korn zur besseren Trennung von Mais und Käferbohne bei der Ernte.

Ernte:

Die Bohnen werden im Herbst (Mitte Oktober bis Anfang November) geerntet, wenn nach dem Eintrocknen der Hülsen die physiologische Reife erlangt ist.
Der Feuchtegehalt der Bohnen bei der Ernte liegt bei etwa 40 %.
Gemeinsam mit dem Mais kultivierte Käferbohnen werden mit Spezialdreschmaschinen sorgfältig geerntet. Bei der Heckenkultur erfolgt die Ernte per Hand. Nach der Ernte müssen die Käferbohnen von den Maiskörnern rasch getrennt werden. Erfolgt die Trennung zu spät verursachen die Maiskörner Druckstellen an der Käferbohne. Die Trennung erfolgt entweder mittels Flachsieben oder durch Zentrifugieren. Nach der Trennung werden die Käferbohnen getrocknet. Eine Trocknung nach der Ernte ist erforderlich, da Käferbohnen gegen Feuchtigkeit sehr empfindlich sind und zur Verpilzung neigen.

Bei der Heckenkultur können 2 bis 2,5 t/ha Bohnen geerntet werden, beim Mischanbau mit Mais 0,8 bis 1,5 Tonnen.

Im Durchschnitt werden mehr als 250 Tonnen Bohnen geerntet, das sind etwa 90 % der österreichischen Käferbohnenproduktion.

Pflanzenmaterial:

Die Käferbohnen stammen von lokalen Ökotypen ab, die in dem Gebiet seit mehr als einem Jahrhundert angebaut werden und die daher an die Umwelt so angepasst sind, dass sie optimale Eigenschaften für die lokalen Boden und Klimabedingungen aufweisen.

Organoleptische Eigenschaften:

Die organoleptischen Eigenschaften beziehen sich auf gekochte Käferbohnen, da rohe Bohnen wegen enthaltener Toxalbumine Vergiftungserscheinungen auslösen können. Gekochte Bohnen weisen eine glatte Schale auf und schmecken fein und cremig mit einem Geschmack ähnlich der Maroni und einem zart nussigen Nachgeschmack.

Wirtschaftlicher Nutzen:

Die Käferbohne ist für die Bauern der Steiermark von großer wirtschaftlicher Bedeutung und eine wichtige Einnahmequelle. Durch die gemeinsame Kultivierung mit Mais ist eine ausreichende und wirtschaftliche Produktion möglich.

Ernährung:

Die Käferbohne dient als hervorragender Eiweiß-, Kohlehydrat- und Ballaststoffspender und ist gleichzeitig besonders fettarm. Die Bohne enthält nicht nur in hoher Konzentration Vitamin B, sondern eine Portion Käferbohnen deckt den täglichen Bedarf an Spurenelementen wie Mangan und Selen.
100 g gekochte Käferbohnen haben einen Brennwert von 460 kJoule und enthalten etwa 66 g Wasser, 7,6 g Eiweiß, 0,4 g Fett, 19,7 g Kohlenhydrate und 5,4 g Ballaststoffe. An Mineralien und Vitaminen sind etwa 36 mg Kalzium, 1,5 mg Eisen, 5 mg Natrium, 1,5 mg Vitamin A (RE) und 0,3 mg Vitamin C enthalten.
Rohe Bohnen enthalten giftige Eiweißverbindungen, sogenannte Toxalbumine, dessen Wirkstoff Phasin (1,2 %) schon bei kleineren Mengen schwere Vergiftungserscheinungen auslöst. Durch Erhitzen auf 75 °C wird die Struktur dieses Giftes zerstört, so dass gekochte Bohnen unbedenklich verzehrt werden können.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen:

  • Die Eigenschaften der Käferbohnen sind auf natürliche, geografische Faktoren der Umgebung zurückzuführen, vorwiegend auf besondere Umweltbedingungen (Klima, Boden) im Anbaugebiet, sowie auf die genotypische Ausbildung von Pflanzenmaterial, das an diese Bedingungen angepasst ist.
  • Der Anbau der Käferbohne ist das Ergebnis Traditionellen Wissens, das an die in diesem Bereich Tätigen weitergegeben wurde: Erfahrung der Produzenten bei Auswahl und Vermehrung der Landsorten, Art der  Anbaumethoden, Eignung von geografischen Gegebenheiten (Böden, Klima), Trocknung und Lagerung sowie Erfahrung der Verarbeiter und Vermarkter.

Verwertung:

Steirische Käferbohnen sind sowohl frisch als auch in getrockneter sowie eingelegter Form erhältlich.
Zur Zubereitung müssen trockene Käferbohnen 12 bis 14 Stunden in Wasser eingelegt werden. Dadurch quellen sie bis auf das 4fache auf und können anschließend gekocht werden.

Die Steirische Käferbohne ist in der traditionellen Küche der Steiermark verankert. Typischerweise wird in den regionalen Buschenschanken Steirischer Käferbohnensalat angeboten – hierbei ist die Zubereitung mit Steirischem Kürbiskernöl g.g.A charakteristisch. Des Weiteren wird die Steirische Käferbohne auch zu köstlichen Jausen, Suppen, Hauptspeisen und Desserts verarbeitet.
Die Käferbohne wird zudem wegen ihres hohen dekorativen Wertes auch als Blume bzw. schattenspendende Ranke und als dekorativer Sichtschutz in der Region gepflanzt.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Region, Steiermark, Südoststeiermark, Gemüse, Bohnen, Feuerbohne, Käferbohne, Phaseolus coccineus L., Steirische Käferbohne

Bibliographie/ Referenzen

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 03. April 2009.

Sprachcode

Deutsch

Produkt von GenussRegion Österreich

Genussregion Südoststeirische Käferbohne

Regionaler Ansprechpartner

Landesverband Steirischer Gemüsebauern
Hamerlinggasse 3
A-8010 Graz
Telefon: 03168 0 50 16 10 bzw. 0664 60 25 96 16 10
E-Mail: Josef.Weber@lk-stmk.at

Autoren

Mag. Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

 

Veröffentlicht am 03.04.2017, Abteilung II/8 - Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung

Mehr zu diesem Thema

Filteroptionen
Hier können Sie Ihre Auswahl nach Elementtypen einschränken.