Soziale Dienstleistungen: Die Green-Care-Chance nützen

Der globale Wettbewerb stellt die Land- und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen. Durchschnittlich rund 2.400 Landwirtinnen und Landwirte haben seit 2003 pro Jahr ihren Betrieb aufgegeben, verkauft oder verpachtet15. Nebenerwerbsbetriebe nehmen stetig zu.

In diesem Zusammenhang kommt Green Care-Angeboten auf aktiven land- und forstwirtschaftlichen Betrieben besondere Bedeutung zu. Unter dem Sammelbegriff „Green Care“ werden ganz allgemein Aktivitäten und Interaktionen zwischen Mensch, Tier und Natur zusammengefasst, die je nach Kontext gesundheitsfördernde, pädagogische oder soziale Ziele für unterschiedliche Zielgruppen verfolgen.

In vielen bäuerlichen Familien gibt es Personen, die über Qualifikationen aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich verfügen. Gerade für diese Betriebe bietet Green Care eine interessante Möglichkeit, den sozialen Beruf mit dem eigenen Bauernhof zu kombinieren. Zusätzlich gibt es eine Reihe an Fort- und Weiterbildungen die Kompetenzen vermitteln, um die Ressourcen eines Bauernhofes (z. B. Tiere, Gärten oder den Wald) für soziale Dienstleistungen einsetzen zu können.

Durch den Ausbau von Green Care-Angeboten im ländlichen Raum können nicht nur die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe gestärkt werden, sondern auch die jeweiligen Regionen profitieren. Es entstehen zum einen neue Arbeitsplätze am und um die jeweiligen Betriebe aber auch neue, dezentrale und flexible Betreuungsangebote beispielsweise für Kinder und ältere Menschen, die als Grundvoraussetzung für die Erwerbstätigkeit vor allem der Frauen im ländlichen Raum gesehen werden können.

Neben den bäuerlichen Familienbetrieben sowie dem ländlichen Raum sind es vor allem die unterschiedlichen Zielgruppen, die von Green Care-Angeboten profitieren: Kinder und Jugendliche in oftmals problematischen Lebenslagen, Menschen im Erwerbsalter, die aus unterschiedlichen Gründen mit Problemen bei der Arbeitsmarktintegration konfrontiert sind oder sich in belastenden Arbeitsverhältnissen befinden sowie ältere Menschen und Menschen mit Behinderung – sie alle zählen zu den Adressatinnen und Adressaten der Angebote.

Green Care-Angebote entstehen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung und Erweiterung bestehender sozialer Dienstleistungsformen.

So bietet Green Care auch den jeweiligen Kooperationspartnern aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich die Möglichkeit, ihr Angebotsportfolio um eine „grüne“ Komponente zu erweitern. Dadurch können Synergien genutzt und Kosten gesenkt werden.

Ziele

  • hochwertige Produkte und Dienstleistungen aus aktiven land- und forstwirtschaftlichen Betrieben in Kooperation mit Sozialträgern und Institutionen
  • Zertifizierungskriterien für Produkte und Dienstleistungen auf aktiven land- und forstwirtschaftlichen Betrieben (Qualitätsmanagementsystem)
  • Plattform, die alle Interessenspartnerinnen und -partner mit Informationen bedient und einen Erfahrungsaustausch ermöglicht 
  • Darstellung bestehender Finanzierungsmodelle bzw. Strukturen und die Erarbeitung neuer Modelle zur Finanzierung von Projekten in der Land- und Forstwirtschaft

Handlungsoptionen

Entwicklung und Umsetzung von hochwertigen Green Care-Produkten und -Dienstleistungen

Green Care kann im Zusammenwirken von Einrichtungen des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereichs zusätzliche Beschäftigung und Wertschöpfung im ländlichen Raum ermöglichen. Synergieeffekte zwischen dem sozialen Sektor und der Landwirtschaft erhöhen die Attraktivität des ländlichen Raumes und verhindern Abwanderung bzw. Landflucht.

  • Investitions- und Infrastrukturförderungen für Bäuerinnen und Bauern zur Etablierung sozialer Dienstleistungen
  • Anpassung gesetzlicher Rahmenbedingungen zur rascheren Umsetzung von Green Care-Angeboten auf aktiven Land- und Forstbetrieben

Entwicklung eines Berufsbildes für den Bereich "Green Care"

Die Grundlage der Qualität von Green Care-Angeboten stellt die Qualifikation der involvierten Akteurinnen und Akteure dar.

  • Entwicklung und Förderung von Aus- und Weiterbildungsprogrammen für alle im Rahmen von Green Care in der Land- und Forstwirtschaft involvierten Akteurinnen und Akteure
  • Unterstützung der interdisziplinären Forschung, um die Auswirkungen und den Nutzen von Green Care-Interventionen wissenschaftlich zu belegen sowie die Forcierung der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene

 

[15] Agrarstrukturerhebung 2013 Statistik Austria

Veröffentlicht am 19.07.2017, Kommunikation und Service (Abteilung Präs. 5)

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