Boden - Basis unseres Lebens

Ein gesunder Boden mit intakten Funktionen ist die Grundlage für eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft.

Inhalte

Der Boden wird auf Grund seiner Bedeutung für die Lebensmittel- und Biomasseproduktion, seiner Reinigungsleistung für Grundwasser, Nahrungskette und Atmosphäre sowie seiner Lebensraumfunktion für zahlreiche Organismen (Genreserve) als eines der kostbarsten Güter der Menschheit bezeichnet.

Bodenschutz in Österreich als Querschnittsmaterie

In Österreich ist der Bodenschutz als Querschnittsmaterie in einer Vielzahl von Gesetzeswerken auf Bundes- und Landesebene verankert, wobei häufig an die jeweiligen Gefahrenquellen angeknüpft wird. Relevante Bestimmungen enthalten beispielsweise das Luftreinhaltegesetz-Kesselanlagen, Smogalarm- und Ozongesetz, Berggesetz, Düngemittelgesetz, Forstgesetz, Wasserrechtsgesetz, Abfallwirtschaftsgesetz, Chemikaliengesetz, die Gewerbeordnung und insbesondere die Bodenschutzgesetze der Länder.

Boden als nicht vermehrbare Ressource

Boden ist nicht vermehrbar und nur schwer regenerierbar, weshalb zunächst die flächenhafte Sicherung multifunktionell nutzbaren Bodens gewährleistet sein muss.

Fachbeirat für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz

Der Fachbeirat für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz ist eine Kommission zur Beratung des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft in bodenrelevanten Themenbereichen.

In den ersten Jahren wurde unter dem Vorsitz von Herrn E. Rossol (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft) und der Geschäftsführung durch Otto Danneberg (Bundesamt und Forschungszentrum für Landwirtschaft) in verschiedenen Arbeitsgruppen vor allem an Fragen zur sachgerechten Düngung und zur Bewertung von organischen Düngern gearbeitet. Während zunächst vor allem die Bereiche Ackerbau, Grünland und Forst im Vordergrund standen, wurde der Aktivitätsbereich in der Folge auch auf Sonderkulturen ausgeweitet.

Neben der Produktionsfunktion des Bodens rückten in der Folge vermehrt auch die übrigen Bodenfunktionen wie die Filter-, Speicher- und Transformationsfunktion in den Vordergrund. Die zunehmende Bedeutung des Bodens in Zusammenhang mit Umweltthemen machte eine teilweise Neuorientierung des Beirates erforderlich.

Unter der Federführung von Herrn Herbert Etz (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Vorsitzender des Fachbeirates) und Andreas Baumgarten (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Geschäftsführung des Fachbeirats) wurden die Statuten der neuen Situation entsprechend angepasst – sowohl der Kreis der Mitarbeiter als auch die Themenstellungen der Arbeitsgruppen wurden deutlich erweitert.

Seit 2007 agiert der Fachbeirat unter dem Vorsitz von Frau Monika Stangl (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft).

Der Aufgabenbereich des Fachbeirates ist die Erarbeitung von Vorschlägen für ein dem Stand der Wissenschaft entsprechendes Bodenmanagement zur Erhaltung und Verbesserung aller Bodenfunktionen unter Bedachtnahme auf die gegenwärtigen und zukünftigen Erfordernisse der Ökologie und der Ökonomie. Diese erarbeiteten Vorschläge des Fachbeirates werden in Form von Richtlinie veröffentlicht. Diese Richtlinien sind per se nicht verbindlich, fließen aber teilweise in Gesetze ein und werden sowohl in Behördenverfahren als auch für Förderungsrichtlinien wie ÖPUL als fachliche Grundlage herangezogen. Darüber hinaus werden sie auch für den Unterricht im Bereich Land- und Forstwirtschaft eingesetzt.

Im Mai 2014 hat der Fachbeirat im Rahmen einer Festveranstaltung unter Anwesenheit von Herrn Bundesminister Rupprechter und hochrangigen Bodenexperten sein 25jähriges Jubiläum gefeiert.

Im Fachbeirat für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz wurden folgende Arbeitsgruppen eingerichtet:

Ackerbau
Grünland
Wirtschaftsdünger
Garten und Feldgemüsebau
Wald
Biogas
Kompost
Rekultivierung
Bodenfunktionsbewertung

 Arbeitsgruppe "Ackerbau"

Die Arbeitsgruppe Ackerbau bearbeitet überwiegend Themenstellungen aus dem Bereich Pflanzenernährung, wobei in Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen Wirtschaftsdünger und Grünland das Standardwerk „Richtlinien für die sachgerechte Düngung“ erstellt und laufend aktualisiert wird.

Die derzeit gültige 6. Auflage der "Richtlinien für die sachgerechte Düngung" gilt als Grundlage für die gute landwirtschaftliche Praxis in Österreich. Daneben werden auch spezielle Fragestellungen wie der Einsatz von Pflanzenaschen abgehandelt sowie Standpunkte zu aktuellen Themen aus dem Bereich Bodenpflege und Bodenschutz formuliert.

Die energetische Nutzung von Biomasse hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Besonders in waldreichen Gebieten wie Österreich leistet dieser Bereich einen wesentlichen Beitrag für eine nachhaltige regionale Energieversorgung. Während früher Asche oft als ein „lästiges Abfallprodukt“ gesehen wurde, hat der Fachbeirat bereits in den späten 1990er Jahren den besonderen Wert dieses Sekundärrohstoffes erkannt. Eine Rückführung der Mineralstoffe entspricht dem ökologischen Prinzip der geschlossenen Stoffkreisläufe und hilft, die knapper werdenden natürlichen Mineralstoffreserven zu schonen.  In der Erstellung der Richtlinie, die 2011 publiziert wurde, wurden nicht nur die Expertinnen und Experten des Fachbeirates, sondern auch Vertreter der Heizwerkbetreiber sowie Experten für Verbrennungstechnik und Aschecharakterisierung mit eingebunden. Dadurch  kann eine ökologisch sinnvolle und für die Umwelt unbedenkliche Anwendung von Pflanzenaschen in der Land- und Forstwirtschaft bei gleichzeitiger hoher Akzeptanz durch die Ascheproduzenten sichergestellt werden.

Die jüngste Publikation, die im Jahr 2014 veröffentlicht wurde, betrifft eine Überarbeitung der Empfehlungen für eine sachgerechte Düngung im Weinbau.

Arbeitsgruppe "Grünland"

Die Arbeitsgruppe Grünland beschäftigt sich mit all den Fragen der Bewirtschaftung, der Futtererträge, der Futterqualitäten sowie der Kreislaufwirtschaft in den Gunst- und Berglagen. Das Grünland umfasst 55% der landwirtschaftlichen Nutzfläche Österreichs. Die Nutzungsformen gehen von sehr extensiv (Almen, Hutweiden, Streuwiesen, einmähdige Wiesen) bis hin zu den Wirtschaftswiesen.

Das Netzwerk reicht von den Arbeitsgruppen der ÖAG, den Landwirtschaftskammern Österreichs, den Fachgruppen für ÖPUL und Ausgleichszulagen, sowie Sockelbeträgen des Lebensministeriums, bis hin zu den Landesorganisationen, die sich mit dem Berggebiet und den Almen befassen.

Es sind Fragen, die sich mit der Bewirtschaftung, der ökologischen und technischen Ausrichtung sowie der Entwicklung des ländlichen Raumes auseinandersetzen.

Arbeitsgruppe "Wirtschaftsdünger

Die AG Wirtschaftsdünger und deren Mitglieder zeichnen auch für zahlreiche düngungsrelevante Fachartikel und Sonderbeilagen verantwortlich, die den Landwirten eine optimale Ergänzung zur Richtlinie für die sachgerechte Düngung bieten. Neben Fragen zur zeitgemäßen Technik der Ausbringung von Flüssig- und Festmist, der Kalkdüngung von Acker- und Grünland, dem Einsatz von Kompost, der richtigen Lagerung von Stallmist wurden dabei auch Aspekte der Behandlung und Veredelung von Wirtschaftsdüngern behandelt.

Die Arbeitsgruppe befasst sich intensiv mit Fragen der Anfallsmengen an Wirtschaftsdüngern unterschiedlicher Nutztierkategorien sowie deren Nährstoffgehalten, den daraus abgeleiteten Nährstoffanfallsmengen sowie mit der Wirksamkeit von Wirtschaftsdüngernährstoffen.

Arbeitsgruppe "Garten- und Feldgemüsebau"

Ursprünglich waren die Richtlinien für die sachgerechte Düngung im Garten- und Feldgemüsebau nur als „Beiblatt“ für die Richtlinien im Ackerbau formuliert. Die Vielfalt der Kulturen und die teilweise sehr hohen Nährstoffentzüge ließen es sinnvoll erscheinen, eine unabhängige Richtlinie zu erstellen.

Im Vergleich zum Ackerbau wurde der Nmin – Untersuchung ein besonderer Stellenwert beigemessen und die Stickstoffdüngung am Kultur begleitenden Stickstoff – Sollwert System (KNS) ausgerichtet.

Die Düngung mit den übrigen Hauptnährstoffen basiert auf einem Netto – Konzept, i.e. es werden nur die tatsächlich vom Feld abgefahrenen Nährstoffmengen für die Düngung berücksichtigt. In der neuen, 3. Auflage der Richtlinien wurde das N – Düngekonzept weiter differenziert, zusätzlich wurden auch Hinweise für die Fertigation integriert.

Arbeitsgruppe "Wald"

Die Arbeitsgruppe besteht seit der Gründung des Fachbeirates für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz im Jahr 1988. Ihr erster Leiter war HR Dr. Walter Kilian. Zu den Mitgliedern der Arbeitsgruppe zählen Vertreter von Behörden, Interessensvertretungen, Universitäten, wissenschaftlichen Institutionen, Ämtern und weitere Fachleute mit besonderem Bezug zu jeweils behandeltem Thema.

Das Arbeitsgebiet umfasst u. a. das weite Feld der Waldernährung, des Nährstoffkreislaufs, des Düngereinsatzes im Wald, der Nährstoffmobilisierung, des Bodenschutzes und die Behandlung von Spezialkulturen.

Arbeitsgruppe "Biogas"

Die Arbeitsgruppe Gärreste aus Biogasanlagen, gegründet 2001, ist die "jüngste" Arbeitsgruppe des Fachbeirates für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz. Durch die rasante Entwicklung der Anzahl der Biogasanlagen, die von etwa 50 Anlagen im Jahr 2001 auf über 300 Anlagen im Jahr 2007 gestiegen ist, entstand großes Interesse der Landwirte und der Behörden an rechtlichen und düngungsrelevanten Fragen zum Thema Gärreste aus Biogasanlagen.

Die Arbeitsgruppe befasst sich u.a. mit der rechtlichen Einstufung der Gärreste (Biogasgülle und Gärrückstände), düngungsrelevanten Eigenschaften, Fragen der Qualität der Gärreste hinsichtlich der landwirtschaftlichen Verwertung und der Ausbringung. Das bisher in der Arbeitsgruppe erarbeitete und gesammelte Wissen wurde in der mittlerweile 2. Auflage der Richtlinie "Der sachgerechte Einsatz von Biogasgülle und Gärrückstände im Acker- und Grünland" veröffentlicht.

Arbeitsgruppe "Kompost"

Mitte der 1980er Jahre begannen die Deponieflächen für Müll knapp zu werden und man suchte nach alternativen Verwertungsmöglichkeiten. Eine Möglichkeit war die Kompostierung und die Ausbringung auf landwirtschaftliche Flächen. Zu Beginn handelte es sich um Gesamtmüllkompost, der aber wegen des hohen Störstoffgehalts wenig angenommen wurde. Durch Umstellung des Sammelsystems auf biogene Abfälle konnte die Akzeptanz langsam verbessert werden.

Die Komposterzeuger versuchten Kompost als Ausgangsstoff für Düngemittel zuzulassen, was aber aufgrund der gesetzlichen Lage nicht möglich war. Das Düngemittelgesetz 1994 enthielt zwar eine Verordnungsermächtigung „unbelastete Komposte biogenen Ursprungs zur Verwendung in Düngemitteln zuzulassen“, die aber nie umgesetzt wurde. Gleichzeitig begann sich der Fachbeirat mit Kompost auseinander zu setzen.

 Nach langen und kontroversiellen Verhandlungen, die sich hauptsächlich an den Schwermetallgehalten und Nährstoffmengen entzündeten, kam es 1998 zur Herausgabe der „Anwendungsrichtlinie für Kompost aus biogenen Abfällen in der Landwirtschaft“ durch den Fachbeirat für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz.

2001 veröffentlichte der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft die „Kompostverordnung“. Eine überarbeitete Kompostbroschüre des Fachbeirats wurde 2010 veröffentlicht.  Dem Anwender sollen praxisgerechte Hinweise für die erforderliche Kompostqualität, die rechtlichen Rahmenbedingungen und anwendungstechnische Hinweise gegeben werden. Ziel soll es sein, die im Kompost enthaltene organische Substanz bzw. die Nährstoffe im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaftsweise dem Boden zurückzuführen und gleichzeitig die Zufuhr von unerwünschten Bestandteilen möglichst niedrig zu halten.

Arbeitsgruppe "Rekultivierung"

Bei Baumaßnahmen, Verfüllungen oder Geländekorrekturen kommt es in der Regel zu Veränderungen der Erdoberfläche mit entsprechenden Eingriffen in Struktur und Aufbau der natürlich gewachsenen Böden sowie deren Funktionsfähigkeit. Eine standortgerechte Rekultivierung ist daher bei jeder Form der Flächeninanspruchnahme ein zentrales Anliegen des Bodenschutzes.

Ziel der Arbeitsgruppe war die Erstellung von fachlichen Grundlagen für die Planung, Durchführung und Beurteilung von Bodenrekultivierungen unter dem Aspekt eines nachhaltigen Bodenschutzes.

Baumaßnahmen ziehen häufig Rekultivierungsmaßnahmen nach sich, da es in der Regel zu Veränderungen der Erdoberfläche mit entsprechenden Eingriffen in Struktur und Aufbau der natürlich gewachsenen Böden kommt. Die Verwertung von anfallendem Bodenmaterial, auch auf land- und forstwirtschaftlichen Böden, wird dabei grundsätzlich als sinnvoll und ressourcenschonend im Sinne eines nachhaltigen Bodenschutzes erachtet. Wesentlich dabei ist, dass sowohl das Material als auch die technische Ausführung zur (Wieder-) Herstellung von Böden führt, welche optimale standortstypische Eigenschaften insbesondere hinsichtlich der Bodenfunktionen übernehmen können. Unsachgemäße Rekultivierungen können langfristige Bodenschäden wie Verdichtung, Humusverlust, gestörter Bodenwasserhaushalt mit einhergehender Beeinträchtigung der Bodenfruchtbarkeit hervorrufen.

Behörden, Bauherren und Landwirte sollen durch die Empfehlungen, die in Österreich bisher nur ansatzweise vorhanden sind, zu einem sachgerechten Umgang mit dem Boden bei Rekultivierungsarbeiten angehalten werden.

Arbeitsgruppe „Bodenfunktionsbewertung“

Boden ist eine endliche Ressource, aber auch die Vielfältigkeit seiner Funktionen macht ihn zu einem sehr begehrten Gut. Für die Land- und Forstwirtschaft spielt sicherlich die Produktionsfunktion die bedeutendste Rolle. Aber auch die Qualität des Grundwassers wird von der Funktion des Bodens als Filter und Puffer für Schadstoffe mitbestimmt. Durch den im Boden enthaltenen Humus werden große Mengen an Kohlenstoff gespeichert, was sich auch positiv auf den Klimaschutz auswirkt.

Andererseits ist Boden aber auch Bauland oder Rohstofflieferant. In der Raumplanung werden in erster Linie diese beiden Funktionen an vorderste Stelle gereiht, während die ökologische Bedeutung des Bodens oft wenig Berücksichtigung findet. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass bislang keine Übersicht über vorhandene Methoden zur Verfügung stand, die eine Bewertung der Bodenfunktion im Sinne der Raumplanung ermöglichen.

Die nun vorliegende Anleitung stellt solche Verfahren zur Bewertung von Bodenfunktionen zur Verfügung. Damit kann die nicht erneuerbare Ressource Boden in den Entscheidungsprozessen der Raumplanung besser berücksichtigt und ein weiterer Beitrag zu einem schonenden Umgang mit dem Boden geleistet werden.

Es handelte sich hier um eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Ministeriums und des Österreichischen Normungsinstitutes. Die erarbeitete Broschüre „Bodenfunktionsbewertung: methodische Umsetzung der ÖNORM L 1076“ wurde 2013 veröffentlicht.

Veröffentlicht am 07.05.2015, Abteilung II/5 - Pflanzliche Produkte