Augarten

Der Augarten ist Anfang des 17. Jahrhunderts im Augebiet der Donau als Jagdgarten entstanden. Mitte des 17. Jahrhunderts legte man beim Bau der Alten Favorita formale Gärten an. 

Um 1677 ließ Leopold I. die Gärten im frühbarocken Stil erneuern. Schloss und Park wurden 1683 bei der 2. Türkenbelagerung weitgehend zerstört. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Gartenkünstler Jean Trehet mit der Neugestaltung der Anlage beauftragt. Josef II. öffnete 1775 den Augarten als ersten kaiserlichen Garten für die Bevölkerung. 1781 ließ der Kaiser auf angekauften Grundstücken das Josefstöckl von Isidore Ganneval (Canevale) und das Augartenpalais errichten sowie landschaftliche Gartenpartien anlegen. Unter Josef II. und im 19. Jahrhundert wurden die barocken Parterregestaltungen vereinfacht.


Der Bau der Nordwestbahn und die Donauregulierung bedingten um 1870 Flächenreduktionen an der Nordseite. Die Regulierung veränderte auch die naturräumliche Situation durch den Rückgang der Auen. 1896 gestaltete Anton Umlauft das historische Parterre vor dem Palais Augarten. Im 20. Jahrhundert erfuhr der Garten wesentliche Veränderungen: 1925 wurden 4 Schulsportplätze, 1926 das städtische Kinderfreibad, 1940 die beiden Flaktürme mit ihren Nebengebäuden, 1945 temporär ein Notfriedhof und 1953 das Bildhaueratelier für Gustinus Ambrosi errichtet. Die städtischen Nutzungen des Parks wurden ab den späten 1980er Jahren zunehmend durch kulturelle Aktivitäten wie Konzerte, Sommerkino, Feste und andere bereichert und durch einen Gastronomiebetrieb erweitert.
 

Der Augarten ist der älteste barocke Garten Wiens. Die ehemals kaiserliche Anlage ist seit 1928 im Besitz der Republik Österreich und wird von den Bundesgärten verwaltet. Der Garten steht seit 2000 unter Denkmalschutz. Er ist für die umliegenden Bezirke ein bedeutender öffentlicher Grünraum.
 

Der Park hat seine barocke, die Gesamtanlage prägende Gestaltung mit den gestalterischen Vereinfachungen und der Ergänzung der landschaftlichen Partien des späten 18. und 19. Jahrhunderts im Wesentlichen bis heute erhalten. Er zeigt strakturell vier Bereiche: Barocke Gestaltung des Bereichs an der Oberen Augartenstraßsse (Parterre, Lindenhain, Schüsselwiesen), waldartige Boskettbereiche, landschaftliche Anlagen und historisch formale Anlage. Der Einbau der Bunkerund diverser Betriebsgebäude in das Areal sind wesentliche, nicht revidierbare Eingriffe. Die Alleen und Hecken waren bzw. sind partiell überaltert. Die städtischen Grünraumnutzungen sind z.T. adäquat eingefügt. Einige Rasenflächen und Bosketts sind jedoch übernutzt. Die Funktionen der Gebäude (Wiener Porzellanmanufaktur, Wiener Sägerknaben) belasten den Park nicht.


Die Revitalisierung des Augartens wurde Anfang der 1990er Jahre auf Basis des Sanierungs- und Entwicklungskonzeptes begonnen und ab 2000 mit dem Gutachten zur Unterschutzstellung unter den Denkmalschutz (beide Arbeiten: Maria Auböck) fortgeführt. Aufbauend auf diesen Arbeiten erstellte man die gartendenkmalpflegerischen Detailplanungen für die Teilbereiche: 1990 wurde der Vorplatz der Porzellanmanufaktur Augarten erneuert. Der Lindenhain wurde 2000, der Garten des Ambrosi Museums 2004 revitalisiert. 2005 erfuhr die Gartenpartie an der Oberen Lindenallee ihre landschaftliche Neugestaltung. Baulich saniete man ab 1992 die Gartenmauern, gestaltete den Eingangsbereich am Haupttor und öffnete zwei neue Parkeingänge. Die städtischen Nutzungen wurden 1994, 1995 und 2004 durch neue Spielplätze und eine Liegewiese erweitert. Der ehemalige Giftbunker wurde 2004 in eine Lokalität für kulturelle und gastronomische Nutzungen umgebaut. Die Bepflanzung der Boskettbereiche optimierte man stadtäkologisch mit heimischen Gehölzen. Die Bewässerung wurde in den letzten Jahren weitgehend automatisiert.


Die gartendenkmalpflegerischen Maßnahmen, die baulichen Sanierungen und die Verbesserung der städtischen Funktionen werden laufend fortgeführt. Die Revitalisierungen der Parterrebepflanzung, der Schüsselwiesen und der Partie um den großen Flakturm sind für die nächsten Jahre vorgesehen. Dafür erforderlich ist die Verlagerung der z. Zt. noch in den zu revitalisierenden Partien stattfindenden städtischen Nutzungen in die Boskettbereiche. Der z.T. überalterte Gehölzbestand in den Aleen, Hecken und Bosketts wird sukzessive erneuert. Die Atuomatisierung der Bewässerung wird 2006/07 fertiggestellt.
 

In Zusammenhang mit diversen Überlegungen zu funktionellen und baulichen Umstrukturierungen im Bereich der Wiener Porzellanmanufaktur und der Wiener Sängerknaben wird ein gartendenkmalpflegerisches und grünraumpolitisches Konzept für die Funktionen, Nutzungen und Gestaltungen der anliegenden Gartenpartien zu erarbeiten sein.


Die gartendenkmalpflegerischen Leitzustände sind in den beiden genannten Arbeiten festgesetzt: Ziel ist die Revitalisierung der historischen Gartenanlage unter Akzeptanz und mit Optimierung der städtischen und kulturellen Freiraumnutzungen und der stadtökologischen Wertigkeit der Anlage. Die Leitzustände wurden auf Basis der historischen Entwicklung und des Bestands der Anlage in ihrer Grundstruktur und mit den vier unterschiedlichen Bereichen festgesetzt und sie werden von der Verwaltung Augarten der Bundesgärten Wien vorgenommen. Diese erfolgen in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt, Abteilung für historische Gartenanlagen. Die Revitalisierungen werden aus den jährlichen Budgets der Bundesgärten finanziert. Sondermittel stehen nicht zur Verfügung. Die Gehölze für die Neupflanzungen werden in der Baumschule der Bundesgärten im Augarten gezogen. Die Erhaltung der revitalisierten Gartenpartien wird im Rahmen der laufenden Parkpflege vorgenommen. Die baulichen Sanierungen obliegen der Burghauptmannschaft Österreich. Die gärtnerischen und die baulichen Maßnahmen werden zwischen den Bundesgärten und der Burghauptmannschaft koordiniert. Der Vorplatz der Porzellanmanufaktur wurde von dieser finanziert. Die Finanzierung der Spielplätze erfolgte durch die Burghauptmannschaft und die Bundesgärten.

Veröffentlicht am 17.03.2015, Abteilung Präs. 5 - Kommunikation und Service