Gender Mainstreaming

Das BMLFUW nimmt unter den Bundesministerien eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung von Gender Mainstreaming ein.

Der Begriff Gender Mainstreaming bezeichnet Maßnahmen, die die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchsetzen sollen. Dieser Begriff wurde erstmals 1985 auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert. Durch den Vertrag von Amsterdam (1999) wurde Gender Mainstreaming zum offiziellen Ziel der Gleichstellungspolitik der Europäischen Union gemacht.

Die österreichische Bundesverfassung, fordert in Artikel 7 B-VG die Gleichberechtigung von Frauen und Männern: „Bund, Länder und Gemeinden bekennen sich zur tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Maßnahmen zur Förderung der faktischen Gleichstellung von Frauen und Männern insbesondere durch Beseitigung tatsächlich bestehender Ungleichheiten sind zulässig.“

Ein Auftrag an die Verwaltung

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt und Männer und Frauen in sehr unterschiedlicher Weise von politischen und administrativen Entscheidungen betroffen sein können. Das Leitprinzip Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die politischen Akteurinnen und Akteure, bei allen Vorhaben die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu analysieren und ihre Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter beitragen. Ein solches Vorgehen erhöht nicht nur die Zielgenauigkeit und Qualität von politischen Maßnahmen, sondern auch die Akzeptanz der Ergebnisse bei Bürgerinnen und Bürgern.

Die tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern wird dann effektiv gefördert, wenn sich die Arbeit der gesamten Bundesverwaltung durchgängig am Leitprinzip der Gleichstellung von Frauen und Männern orientiert. Gender Mainstreaming ist somit ein Auftrag an die Spitze der Verwaltung, aber auch an alle Beschäftigten, die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern in der Struktur, in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen, in den Ergebnissen und Produkten, in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit und in der Steuerung von vornherein zu berücksichtigen.

Wo liegt der Unterschied zu Frauenpolitik?

Gender Mainstreaming unterscheidet sich von expliziter Frauenpolitik dadurch, dass beide Geschlechter gleichermaßen in die Konzeptgestaltung einbezogen werden sollen. Der Blick soll also weg von rein „frauenspezifischen“ Problemen oder Politikfeldern auf „die Geschlechter“ allgemein gerichtet sein, damit eine geschlechtersensible Perspektive in alle sozio-politischen und wirtschaftlichen Bereiche integriert kann.

Wie kann Gender Mainstreaming realisiert werden?

Der Maßnahmenkatalog umfasst die Aufstellung geschlechtsspezifischer Statistiken, Kosten-Nutzen-Analysen nach Geschlecht und Geschlechterrollen und die Erarbeitung von Gender-Analysen. Besondere Bedeutung kommt der 3-R-Methode, die jede politische Maßnahme unter den drei Kategorien Repräsentation, Ressourcen und Realität prüft.

Dabei wird zunächst zum Beispiel im Rahmen einer Gender-Analyse geprüft, ob und inwiefern Frauen und Männer in ihrer Vielfalt von der entsprechenden Maßnahme betroffen sind. Eine solche Gender-Analyse kann dazu führen, Maßnahmen zur Frauenförderung zu ergreifen, die gerade dort wichtig sind, wo Benachteiligungen von Frauen abzubauen sind. Es ist aber auch möglich, geeignete Maßnahmen zur Förderung von Männern zu ergreifen, wenn das die Gleichstellung fördert, wie z.B. Väter zur Kinderkarenz anzuregen.

 

 

Veröffentlicht am 02.12.2014, Abteilung Präs. 5 - Kommunikation und Service