Österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel

Die möglichen Folgen des Klimawandels sollen in Hinkunft in allen Planungs- und Entscheidungsprozessen rechtzeitig mit berücksichtigt werden.

Die Österreichische Anpassungsstrategie gliedert sich in zwei Teile, in ein strategisches Rahmenwerk („Kontext“) und in einen Aktionsplan.

Der Kontext behandelt strategische Grundfragen und erklärt die Einbettung der Strategie in den Gesamtzusammenhang.

Im Aktionsplan sind konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung in 14 Aktivitätsfeldern (u.a. Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naturgefahren, Tourismus, Ökosysteme, Gesundheit, Wirtschaft….) dargestellt.

Besonders positiv hervorzuheben für die österreichische Strategie im internationalen Vergleich sind:

  • die parallele Erarbeitung von strategischem Werk und Aktionsplan mit konkreten und umfassenden Handlungsempfehlungen
  • Berücksichtigung von Bund und Ländern in einer gemeinsamen Strategie
  • Behandlung sozialer Aspekte des Klimawandels

Der Kontext liegt auch als Übersetzung in englischer Sprache vor, und zwar ebenso als Online- und als Druckversion.

Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass die die seit September 2009 bestehende Datenbank zu Anpassungsaktivitäten in Österreich vom Umweltbundesamt grundlegend überarbeitet wurde.

Sie präsentiert sich in einem neuen Design, bietet ein RSS-Feed und ist durch neue Funktionalitäten benutzerfreundlicher geworden.

Weiters wurde der Datenbestand aktualisiert und ausgebaut. Bitte davon intensiv Gebrauch machen!
 

Österreichs Klimapolitik ruht auf zwei Säulen

Neben der dringend notwendigen Reduktion der Treibhausgasemissionen auf nationaler und internationaler Ebene mit Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels bildet demnach die Anpassung an den Klimawandel die zweite wichtige Säule in der Klimapolitik.

Das BMLFUW hat daher bereits 2007 die Initiative ergriffen und die Ausarbeitung einer österreichischen Klimawandelanpassungsstrategie in Angriff genommen. Darüber hinaus wurde im aktuellen Regierungsprogramm der Bundesregierung die Erarbeitung einer Klimawandelanpassungsstrategie unter Einbindung aller Stakeholder und Berücksichtigung internationaler Beispiele festgelegt.

Ziel der österreichischen Anpassungsstrategie ist es, nachteilige Auswirkungen des Klimawandels auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu vermeiden und die sich ergebenden Chancen zu nutzen. Die Strategie soll die natürliche, gesellschaftliche und technische Anpassungskapazität stärken.


Trotz umfangreicher wissenschaftlicher Erkenntnisse sind die Auswirkungen des Klimawandels in vielen Bereichen noch mit Unsicherheiten behaftet. Es stand daher bei der Gestaltung der Strategie im Vordergrund, flexible bzw. robuste Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die sich mit geringem Aufwand an unterschiedliche Anforderungen anpassen lassen und einen sekundären Nutzen bringen.


Das Papier wurde in einem breiten  Prozess erarbeitet, in welchem Vertreter der Ressorts, der Länder, von Interessensverbänden, Stakeholdern, NGOs und sonstigen Institutionen aktiv eingebunden waren (insgesamt ca. 100 Institutionen!).

Einige Beispiele für konkrete Empfehlungen der Anpassungs-Strategie

Bereich Landwirtschaft:

Züchtung und verstärkter Einsatz/Anbau von hitzetoleranten Pflanzen, die weniger Wasser benötigen

Weichenstellung hat möglichst bald zu erfolgen, zumal längere Vorlaufzeiten zu erwarten sind, Sortenzüchtung dauert mehrere Jahre!

Bereich Forstwirtschaft:

Anpassung der Baumartenwahl

Wälder mit reichhaltiger Artenzusammensetzung erscheinen anpassungsfähiger als z.B. Fichten-Monokulturen und dürften mit der zu erwartenden Klimaänderung besser zurechtkommen!

Bereich Wasserwirtschaft:

Verstärkte Berücksichtigung von Wassertemperaturen bei wasserwirtschaftlichen Planungen

Die Wassertemperaturen in Flüssen haben in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen, ein weiterer Anstieg ist zu erwarten --> Auswirkungen auf die Güte des Oberflächen- und Grundwassers. Dem ist bei derzeitigen und künftigen Wärmeeinleitungen Rechnung zu tragen.

Bereich Schutz vor Naturgefahren:

Forcierung des Wasserrückhalts in der Fläche sowie Reaktivierung von natürlichen Überschwemmungsflächen

Die zunehmende Flächen-Versiegelung birgt die Gefahr, dass Wasser nach Starkregenereignissen nicht ausreichend versickern kann à die Speicherkapazität von Wasser im Boden ist reduziert,  es kommt zu einer erhöhten Abflussgeschwindigkeit!

Daher müssen Maßnahmen getroffen werden, um den Wasserrückhalt in der Fläche zu gewährleisten.

Ökosysteme/Biodiversität:

Erhaltung und Verbesserung der Einbettung und Vernetzung von Schutzgebieten und Lebensräumen

Schon jetzt macht sich der Klimawandel auf Fauna und Flora bemerkbar. Um gefährdete Arten zu erhalten, werden mehr natürliche Rückzugsräume und Schutzprogramme, eine Verbesserung der Vernetzung von Lebensräumen sowie die Integration von Pufferzonen und Korridoren notwendig sein.

Umgehende Umsetzung der Klimawandelanpassungsstrategie notwendig

Im Zuge der gemeinsamen Erstellung der Strategie wurde übereinstimmend festgehalten, dass es notwendig und vorteilhaft ist, entscheidende Schritte im Umgang mit dem Klimawandel umgehend zu setzen, da die Möglichkeiten für eine erfolgreiche Anpassung im Laufe der Zeit stetig abnehmen. Auch die mit der Anpassung verbundenen Kosten steigen beträchtlich, wenn erst zu einem späteren Zeitpunkt konkret gehandelt wird.  Zentrale Aussage der gemeinsamen Beratungen war, dass die möglichen Folgen des Klimawandels daher in Hinkunft klar in Planungs- und Entscheidungsprozessen mit berücksichtigt werden müssen.

Die Umsetzung der Strategie wird in enger Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern unter Beachtung der entsprechenden Zuständigkeiten erfolgen. Es wird eine breite Palette an Handlungsempfehlungen vorgelegt. Anpassung an den Klimawandel ist wohl eine langfristige Aufgabe, die jedoch umgehend in Angriff zu nehmen ist. Sie muss sich auch am jeweils aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisstand orientieren. Im Rahmen der Gesamtkoordination des Prozesses werden daher nachfolgende Fragen einer vertiefenden Bearbeitung zugeführt werden:

  • Wissenschaftlich-ökonomische Evaluierung der Konsequenzen des Klimawandels in Österreich („Kosten des Nichthandelns“ und „Schätzung der Anpassungskosten“)
  • Entwicklung eines Kriterienkatalogs der es erlaubt, den Erfolg bei der Umsetzung der österreichischen Anpassungsstrategie zu überprüfen und klar darzustellen.

Da eine regelmäßige Erfolgskontrolle unabdingbar ist, wird auch der Umsetzungserfolg der Strategie zu dokumentieren sein.

Veröffentlicht am 23.11.2015, Abteilung I/4 - Klimaschutz und Luftreinhaltung