WHO CEHAPE - Der Kinder Umwelt Gesundheits-Aktionsplan

Der Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplan für Europa (engl. Children Health Environment Action Plan for Europe, CEHAPE) der WHO setzt die Beschlüsse von Budapest 2004 bis Parma 2010 um

Der Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplan für Europa oder Children Health Environment Action Plan for Europe, kurz CEHAPE, der Weltgesundheitsorgansiation (WHO) wurde für die 4. Konferenz der WHO Umwelt- und GesundheitsministerInnen in Budapest 2004 erstellt und von allen 50 Mitgliedsländern der WHO Eurozone beschlossen. 2007 wurden die Beschlüsse bei der WHO Zwischenbilanzkonferenz in Wien erweitert.  Bei der 5. WHO Umwelt- und GesundheitsministerInnenkonferenz in Parma 2010 einigten sich die 50 Mitgliedsländer durch eine Ministerdeklaration u.a. darauf, die Verpflichtungen von Budapest zu intensivieren.

Der WHO-Prozeß "Gesundheit und Umwelt" wird in Österreich von den beiden Ressorts für Umwelt (BMLFUW) und Gesundheit (BMG) betreut. Der Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplan wurde daher von diesen beiden Ressorts unter Einbeziehung zahlreicher Akteure im Rahmen der österreichischen CEHAPE-Task Force erstellt. Erstmals wurde er bei der WHO MinisterInnenkonferenz 2004 in Budapest, und dann in der erweiterten Version bei der WHO Zwischenbilanzkonferenz im Juni 2007 in Wien der Öffentlichkeit präsentiert. Bei der 5. WHO Ministerkonferenz in Parma 2010 wurde der österreichische Umsetzungsbericht „Aktionsplan für eine gesunde Umwelt für unsere Kinder“ präsentiert.

Der Aktionsplan enthält Ziele für eine gesunde Umwelt von Kindern und über 75 konkrete Massnahmenvorschläge in allen Handlungsfeldern. Der Plan bricht das abstrakte Programm auf umsetzungsorientierte Projekte und Maßnahmen um, die die Lebenswelt junger Menschen verbessert.

Die vier Handlungsfelder behandeln die Themen

  1. Sicherstellung der Versorgung mit sauberem Wasser und guten sanitären Verhältnissen
  2. Unfallverhütung und Sicherstellung von ausreichender körperlicher Bewegung von Kindern durch kinderfreundliche Stadt- und Verkehrsplanung
  3. Sicherstellung von sauberer Außen- und Innenraumluft
  4. Verhütung von Belastungen durch gefährliche Wirkstoffe (Chemikalien, Lärm)

 Der Schwerpunkt des Aktionsplans wurde in Österreich im Handlungsfeld II und in der Jugendbeteiligung gesetzt.

Jugendbeteiliung im Rahmen der Umsetzung des CEHAPE

Im Rahmen des österreichischen Aktionsplans für eine gesunde Umwelt für unsere Kinder (Children´s Environment Health Action Plan for Europe – CEHAPE) wird auf die Beteiligung und Mitwirkung von Jugendlichen großer Wert gelegt. Seit dem Jahr 2006 hat eine Vielzahl an Jugendaktivitäten in Österreich, aber auch auf internationaler Ebene stattgefunden. Hauptziele dieser Aktivitäten waren die aktive Beteiligung von jungen Menschen am politischen Prozess des CEHAPE auf nationaler und internationaler Ebene sowie die Mitwirkung an der Umsetzung des CEHAPE-Prozesses durch die Durchführung von eigenen Projektideen. So wurden bisher rund 60 Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren zu „CEHAPE-Peers“ geschult. Diese führten Befragungen rund um den CEHAPE durch, die in den österreichischen Aktionsplan für eine gesunde Umwelt für unsere Kinder eingeflossen sind, setzten eigene Projektideen zu den vier Handlungsfeldern um und nahmen an internationalen (Jugend-)Treffen und Konferenzen der WHO teil. Weiters entwickelten die CEHAPE-Peers in Vorbereitung auf die 5. Konferenz der Umwelt- und Gesundheitsminister der WHO Europa in Parma 2010 ein Jugend-Positionspapier und einen Film über ihre Aktivitäten der letzten Jahre.


Umsetzungsinitiativen Bereich Kinder- und Jugendmobilität (Handlungsfeld II)

Besonders erfolgreich implementiert wurde das österreichweite Impulsprogramm klimaaktiv mobil „Mobilitätsmanagement für Kinder, Eltern und Schulen“ des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW). In diesem Programm wurden seit 2005 183 Schulen und Kindergärten dabei beraten, Schul-Mobilitätsmanagement-Pläne zu erstellen, um die Verkehrssicherheit vor Schulen bzw. Kindergärten zu verbessern, Schadstoffe zu reduzieren und die Bedingungen für umweltfreundliche Fortbewegung wie Radfahren und Zufußgehen zu verbessern. Dazu wurde an der jeweiligen Schule das Mobilitätsverhalten der SchülerInnen und LehrerInnen an der Schule erhoben und entsprechende schuladäquate Maßnahmen gemeinsam mit den Kommunen umgesetzt. Die Maßnahmen betreffen sowohl den Bereich Infrastruktur als auch Bewusstseinsbildung (z.B. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, Pedibus, Fahrradreparaturworkshops, Mobilitätsaktionstage). Die Evaluierung des Projektes hat gezeigt, dass mit dieser Maßnahme 550.000 Autowege durch Fuß- und Fahrradwege ersetzt werden konnten. 96 % der beteiligten LehrerInnen bewerteten die Ergebnisse dieser Maßnahmen mit „sehr gut“ oder „gut“ auch nachhaltig sind.


Ab 2010 setzte das BMLFUW nicht nur im schulischen, sondern auch im Freizeitbereich einen weiteren Schwerpunkt „Jugend“. Das klimaaktiv mobil Programm „Mobilitätsmanagement für Tourismus, Freizeit und Jugend“ unterstützt Kommunen, die Verkehrsplanung und Verkehrsträger aber auch die Einrichtungen der außerschulischen Jugendarbeit bei der Entwicklung und Umsetzung von umwelt- und klimafreundlichen Jugendmobilitätsprojekten.

Dazu wurden eine Reihe von Maßnahmen gesetzt wie die Erstellung von Publikationen (z.B.  Studie „JUGEND-STIL in die Verkehrsplanung“, Leitfaden „Jugendmobilität“), die Durchführung von ressortübergreifenden Workshops zur Jugendmobilität, die Durchführung des „Lehrgangs zum  Jugendmobil-Coach“ für ExpertInnen der außerschulischen Jugendarbeit zum Thema „Klimaschutz und Verkehr“, die Einrichtung einer Sonderfinanzierung für Jugendmobilitätsprojekten der außerschulischen Jugendeinrichtungen, die Umsetzung von Pilotprojekten sowie laufende  Projektberatungen.


Auf  Initiative des BMLFUWs wurde weiters der ressortübergreifende Arbeitsschuss „Kinderfreundliche Mobilität“ eingerichtet mit über 60 Arbeitsausschussmitgliedern. Ziel dieses Arbeitsausschusses ist die Entwicklung einer RVS (Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen)  zu diesem Thema.  Diese Richtlinien dienen als Grundlage für die Umsetzung einer kinderfreundlichen Verkehrsplanung in Städten und Gemeinden.


Ein weiterer Schwerpunkt wurde durch Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs gesetzt, wie z.B. Studien über Gesundheitsauswirkungen des Radfahrens, die Schaffung sog. „Green Jobs“ durch den Radverkehr sowie öffentlichkeitswirksame Fahrradkampagnen. (siehe auch Artikelüberblick dazu)

Veröffentlicht am 30.09.2014, Abteilung I/5 - Mobilität, Verkehr, Lärrm