Erster globaler Bestäuberbericht liegt vor

Erster globaler Bienenbericht des Weltrates für Biodiversität unterstreicht die Bedeutung der Bestäuber für die weltweite Ernährungssicherheit.

Vom 22. bis 28. Februar 2016 trafen sich Vertreter der 124 Mitgliedsstaaten des Weltrates für Biodiversität in Kuala Lumpur. Wichtiges Ziel dieser 4. Vollversammlung ist die Annahme der ersten wissenschaftlichen Berichte von IPBES durch die RegierungsvertreterInnen. Ein Bericht ist der globalen Bedeutung der Bestäuber für die Ernährungssicherheit gewidmet. Es werden auch die Ursachen für den starken Schwund an Bestäubern untersucht und mögliche Maßnahmen zur Gegensteuerung vorgeschlagen. Weitere Beschlüsse betreffen Vorstudien zu einem umfassenden globalen Biodiversitäts-Bericht, zu gebietsfremden invasiven Arten und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt. Auch werden Modelle für Szenarien zur Entwicklung der Biodiversität sowie die verschiedenen methodischen Ansätze zur Bewertung von Biodiversität und Ökosystemleistungen analysiert.

 

Gefährdung der Bestäuber hat enorme Konsequenzen für Menschen und Wirtschaft

70% der weltweit meistgehandelten Nahrungspflanzen und 35% der globalen Nahrungsmittelproduktion sind auf Bestäubung angewiesen. Diese Abhängigkeit hat sich in den letzten 50 Jahren um 300% erhöht. Umso erschütternder ist die Feststellung, dass die Zahl der Völker und die Vielfalt bei Bienen, Hummeln und anderen bestäubenden Insekten seit einigen Jahrzehnten laufend zurück gehen – mit schwerwiegenden Folgen für die globale Biodiversität und die Nahrungsmittelproduktion.

In den Roten Listen der Weltnaturschutz-Organisation IUCN werden 16,5% der Wirbeltier-Bestäuber in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“ gelistet. Regionale und nationale Untersuchungen von Bienen und Schmetterlingen deuten eine Gefährdungs-Rate von bis zu 40% an. In Europa gingen die Populationen der Bienen um 37%, jene der Schmetterlinge um 31% zurück.

Etwa 5-8% der jährlichen Produktion für den Weltmarkt ist direkt mit Bestäubungsleistungen verbunden – das ist ein Wert von ca. 210 – 517 Mrd. Euro. Kaffee, Kakao, Mandeln, Medizinpflanzen, Fasern wie etwa Baumwolle oder Leinen und viele Marktprodukte mehr sind von der Bestäubung abhängig. Die Anzahl der Lebensunterhalte die von der Bestäubung der globalen Agraranbaufläche abhängt hat sich in den letzten 50 Jahren um 300% erhöht.

Der IPBES- Bericht schlussfolgert dass die Gefährdung und der Rückgang der Bestäuber sich auch massiv auf die Ernährungsgewohnheiten und somit Gesundheit der Menschen auswirken wird. Als Maßnahmen zur Gegensteuerung werden genannt eine ökologische, nachhaltige und diversifizierte Landwirtschaft, Reduktion des Pestizideinsatzes, bessere Ausbildung oder auch die verstärkte Einbeziehung von traditionellem Wissen sowie der Aufbau von langfristigem Monitoring zur Bestäubung.

80% der heimischen Kultur- und Wildpflanzen werden durch Honigbienen bestäubt

Die Imkerei ist auch für die österreichische Landwirtschaft von größter Bedeutung. Rund 25.300 Imkerinnen und Imker sichern in Österreich mit ca. 376.000 Bienenvölkern die Bestäubung der Wild- und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen. Typisch dabei ist die traditionelle kleinbetriebliche Struktur.

Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft unterstützt den Erhalt der Bestäuber und die Imkerinnen und Imker in vielfältiger Weise:

  • Mit der Sonderrichtlinie des BMLFUW zur Imkereiförderung (2013 - 2016) stehen 1,62 Mio. Euro je Förderjahr, somit insgesamt 4,9 Mio. Euro in der Periode zur Unterstützung der heimischen Imkerinnen und Imker zur Verfügung.
  • Zahlreiche Maßnahmen des ÖPULs tragen zum Erhalt der Bestäuber bei, wie z.B. Anlage von Blühstreifen und Landschaftselemente, Begrünung und Grünlanderhaltung, die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln  oder die Maßnahmen der Zwischenfruchtbegrünung. Auch die Förderung der biologischen Wirtschaftsweise trägt wesentlich zum Erhalt der Bestäuber und ihrer Leistungen bei.

Das Projekt „Zukunft Biene“ (www.zukunft-biene.at) hat die Erforschung der Bienengesundheit in Österreich und den Einfluss der landwirtschaftlichen Produktion, der Imkerei und der Witterungsverhältnisse auf Völker- und Bienenverluste zum Ziel.  Es sollen die Ursachen von Bienenverlusten identifiziert und Maßnahmen entwickeln werden, um die Verluste in Zukunft zu reduzieren sowie den allgemeinen Gesundheitszustand der Bienenvölker in Österreich zu verbessern. Dafür werden 2,4 Mio. Euro im Zeitraum 2014 - 2017 zur Verfügung gestellt.

IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) wurde 2012 von der UN-Vollversammlung ins Leben gerufen. Das zwischenstaatliche Politikberatungsgremium im Bereich Biodiversität und Ökosystemleistungen soll regelmäßig über den weltweiten Zustand und die Trends in der biologischen Vielfalt berichten und das Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt und der Konsequenzen aus ihrem Verlust für das menschliche Wohlergehen stärken. Österreich ist seit 2013 Mitglied bei IPBES.

Ca. 1000 Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus allen Weltregionen und von verschiedenen Disziplinen arbeiten derzeit an zwölf Berichten, die sukzessive bis 2019 vorgelegt werden, darunter auch ein Bericht über den globalen Zustand der biologischen Vielfalt. Ähnlich dem Weltklimarat IPCC führt das IPBES keine neuen Forschungen durch, sondern bewertet die bestehende Wissenslage. Beteiligt am Prozess sind neben der Wissenschaft und den RegierungsvertreterInnen auch Interessensvertreter von Industrie- und Naturschutzverbänden.

Informationen und alle Entscheidungen des IPBES finden sie auf www.ipbes.net.

Veröffentlicht am 03.03.2016, Umweltförderpolitik, Nachhaltigkeit, Biodiversität (Abteilung I/3)