Wie funktioniert CITES?

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) dient den Überlebenschancen vieler wildlebender Tier- und Pflanzenarten  

CITES schafft nicht nur den internationalen rechtlichen Rahmen sondern auch konkrete Vorgaben für die verfahrenstechnische Abwicklung der Regulierung von Einfuhr, Ausfuhr und Wieder-Ausfuhr lebender oder toter Wildtiere und Wildpflanzen bzw. ihrer Teile oder Derivate. Es reguliert den Handel von über 35.000 Tier- und Pflanzenarten, die in drei Listen als Anhänge I, II und III aufgeführt sind (I = höchste Bedrohung). Alle 2 bis 3 Jahre findet eine Vertragsstaatenkonferenz statt, sogenannte CoPs (Conference of the Parties), an der alle Mitgliedsländer vertreten sein sollten, und wo Änderungen der Anhänge (eine Auf- oder Herunterlistung von Arten), beschlossen werden, sowie die Implementierung der Konvention und ihrer Arbeitsprogramme überprüft wird. Für Letztere können Empfehlungen für effektivere Maßnahmen ausgesprochen werden, z.B. in Form von Entschließungen oder überarbeiteten oder neuen Resolutionen.

Zusätzlich zu Vertragsstaatenkonferenzen findet einmal im Jahr die Sitzung des Ständigen Ausschusses statt der, u.a., folgende Themen bearbeitet:

 Beratung und Empfehlungen an das Sekretariat bzgl. Implementierung der Konvention (inkl. Verstöße und Sanktionen), der Vorbereitung von Sitzungen und anderen Aufgaben die es vom Sekretariat übertragen bekommt;
 im Namen der Vertragsstaaten, die Beaufsichtigung und Überwachung der Entwicklung und Umsetzung des Budgets des Sekretariates, als auch alle Bemühungen des Sekretariates bzgl. Kapitalbeschaffung (fund-raising) um all jene Arbeiten durchführen zu können die ihr von den Vertragsstaatenkonferenzen übertragen werden;
 bei Bedarf, zur Verfügungsstellung von Koordination und Empfehlungen an diverse Ausschüsse/Komitees;
 zur Verfügungsstellung von richtungsweisenden Empfehlungen und Koordination von Arbeitsgruppen die entweder vom Ständigen Ausschuss selbst oder von Vertragsstaatenkonferenzen eingesetzt wurden;
 Durchführung aller interimistischen, als notwendig erachteten Aktivitäten zwischen Vertragsstaatenkonferenzen;
 Erarbeitung von Resolutionsentwürfen für Erwägung bei Vertragsstaatenkonferenzen;
 Berichterstattung bei Vertragsstaatenkonferenzen über
 seine zwischen den COPs durchgeführten Arbeiten

Weiters tagen einmal im Jahr die Wissenschaftlichen Ausschüsse von CITES (Tier- und Pflanzenausschuss) die, u.a., folgende Themen bearbeiten:
 Hilfestellung in der Entwicklung und Wartung von standardisierten Artenlisten und Identifikationsanleitungen;
 Erstellung einer Liste jener Anhang II Arten die vom Handel stark beeinflusst sind, Überprüfung und Evaluierung biologischer und Handelsdaten zu diesen Arten um jene Arten auszuschließen, die vom Handel nicht nachhaltig beeinträchtigt sind, Empfehlungen für Gegenmaßnahmen für Arten die durch Handel nachhaltig beeinträchtigt sind, und
 Prioritätensetzung für Projekte zur Sammlung von Informationen über Arten über die ungenügend Daten existieren um den Einfluss von Handel beurteilen zu können;

Alle Transporte von gefährdeten Tieren und Pflanzen bzw. ihren Produkten müssen, bevor sie ein Land verlassen oder eingeführt werden dürfen, ein System von Genehmigungen und Bescheinigungen passieren (siehe "Formulare und Gebühren").
 
Der Handel mit Staaten, die Nichtvertragspartei sind (derzeit z.B. Serbien und Montenegro, Oman, Iran, Nord Korea, Turkmenistan, Tadschikistan), unterliegt grundsätzlich denselben Beschränkungen wie der Handel zwischen Vertragsparteien. Es können aber statt der vorgeschriebenen Genehmigungen (das Dokument für einen Handel zwischen einem EU- und nicht-EU Land) oder Bescheinigungen (Handel innerhalb der EU) vergleichbare Dokumente akzeptiert werden, wenn sie den Erfordernissen des Übereinkommens für die Erteilung von Genehmigungen und Bescheinigungen entsprechen.
 
In jedem Mitgliedsstaat gibt es eine Vollzugsbehörde (auch Verwaltungsbehörde genannt), welche als verantwortliches Koordinationsorgan nationale Gesetze und Verordnungen entwickelt, und die Genehmigungen oder Bescheinigungen erteilt. Gemäß den Vorschriften der Konvention werden der Vollzugsbehörde vorgelegte Anträge für Ein-, Aus- oder Wiederausfuhrgenehmigungen und Bescheinigungen einer designierten wissenschaftlichen Behörde unterbreitet. Das Urteil der wissenschaftlichen Behörde entscheidet, ob einem Antrag zur Ein-, Aus- oder Wiederausfuhr stattgegeben werden kann oder nicht.

Die Funktion der wissenschaftlichen Behörden
Die Rolle der wissenschaftlichen Behörden ist von der Konvention definiert und beinhaltet die Entscheidung ob:
 die Ein- oder Ausfuhr einer CITES-gelisteten Art einen negativen Einfluss auf ihre Erhaltung, oder die geographische Verbreitung ihrer Populationen, haben würde;
 die angegebene Unterkunft für lebende Exemplare des Anhangs A einer artgerechten Haltung entspricht;
 für die beantragte Art eine Einfuhrbeschränkung in die Europäische Union vorgeschlagen werden sollte weil (i) weitere Einfuhren das Überleben der Art in der freien Natur beeinträchtigen würde, (ii) weil die Art für eine hohe Todesrate während des Transportes, oder für eine geringe Überlebenschance in Gefangenschaft, bekannt ist, oder (iii) weil ihre Einfuhr in die Gemeinschaft eine ökologische Bedrohung für einheimische Arten darstellen würde; und
 die Bestätigung der Legalität österreichischer Nachzuchten.


 

Hier wird ihnen kurz und benutzerfreundlich erklärt, wie CITES allgemein funktioniert und wie es in der Europäischen Union umgesetzt wird.

Veröffentlicht am 21.02.2014, Abteilung I/8 - Nationalparks, Natur- und Artenschutz