Das Strahlenfrühwarnsystem

Österreich verfügt seit 40 Jahren über ein flächendeckendes automatisches Überwachungssystem für Umweltradioaktivität.

 

Das österreichische Strahlenfrühwarnsystem verfügt über mehr als 300 Stationen, an denen automatisch und kontinuierlich die äußere Strahlung (Gamma-Ortsdosisleistung, ODL) gemessen wird. Zusätzlich sind 10 Luftmonitorstationen (AMS) in grenznahen Regionen installiert, die laufend die Konzentration von radioaktiven Stoffen in der Luft bestimmen.
Die aktuellen Messwerte werden online an die Zentrale im BMLFUW in Wien übertragen und ausgewertet. Dort sind die Werte auch für andere zuständige Institutionen in Bund und Land, wie z.B. die Landeswarnzentralen, zugänglich.

 

Zweck des Strahlenfrühwarnsystem

Im Normalfall wird von dem System die natürliche Strahlung registriert, der der Mensch ständig ausgesetzt ist. Kommt es aber, zum Beispiel durch einen schweren Unfall in einem ausländischen Kernkraftwerk, zu einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen in die Umwelt, so könnte die sich ausbreitende radioaktive Wolke zu einer Erhöhung des Strahlungspegels führen. Die empfindlichen Messsonden des Strahlenfrühwarnsystems können solche Erhöhungen sofort registrieren und würden einen Alarm für die zuständigen Stellen auslösen.
Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 kam es an den Messstellen zu einem Anstieg der Dosisleistung auf etwa das Zehnfache des Normalwerts. Zu dieser Zeit war das österreichische Strahlenfrühwarnsystem als europaweit einziges vollautomatisches Messnetz in Betrieb und hat die Behörden beim Setzen von Schutzmaßnahmen unterstützt. Inzwischen sind in den meisten europäischen Ländern vergleichbare Systeme errichtet worden. In vielen dieser Staaten sind die Messwerte ebenfalls im Internet abrufbar (siehe z.B. Deutschland, Schweiz und Slowenien).

 

Externe Strahlung

Die Stationen des österreichischen Strahlenfrühwarnsystems registrieren die ionisierende Strahlung in der Umwelt  – die Gamma-Ortsdosisleistung. Die durchschnittlichen Messwerte liegen zwischen 70 und 200 Nanosievert pro Stunde.

Solange keine außergewöhnlichen Ereignisse eintreten, ist der Großteil der äußeren Strahlung natürlichen Ursprungs und stammt von den radioaktiven chemischen Elementen in der Umwelt und aus der Höhenstrahlung

(kosmische Strahlung). Nur ein geringer Anteil der Strahlung stammt von Kontaminationen der Umwelt mit künstlichen Radionukliden („Fall-out“) aus den Kernwaffenversuchen der 1960er-Jahre und dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986.
Die Höhe des natürlichen Strahlungshintergrunds an den Messstellen ist von der lokalen geologischen Situation abhängig. Beispielsweise misst man im Waldviertel aufgrund des Granitbodens eine deutlich höhere Ortsdosisleistung als im Burgenland. Je höher der Messstandort liegt, umso größer wird die Intensität der kosmischen Strahlung. Daher zeigen im Strahlenfrühwarnsystem Stationen im alpinen Bereich sowie im Wald- und Mühlviertel die höchsten Messwerte.
Die äußere Strahlung ist nur einer der Pfade, über die der Mensch einer Belastung durch ionisierende Strahlung ausgesetzt ist. Sie macht durchschnittlich etwa ein Viertel der Gesamtdosis aus. Weitere Informationen über die Strahlenbelastung der Bevölkerung finden Sie im Jahresbericht "Radioaktivität und Strahlung in Österreich".

 

Aktuelle Messwerte

Die aktuellen Messwerte von 111 Stationen des Strahlenfrühwarnsystems können Sie auf dieser Webseite abrufen. Die hier angezeigten Stationen sind eine repräsentative und flächendeckende Auswahl von Standorten in allen Bezirkshauptstädten, Orten in Grenznähe sowie einigen Höhenstationen. Ein Teil dieser Werte ist seit vielen Jahren auch im ORF-Teletext (Seite 623) zu finden.

 

Automatischer Datenaustausch

Zwischenstaatliche Vereinbarungen ermöglichen den online-Datenaustausch zwischen dem österreichischen Strahlenfrühwarnsystem und gleichartigen Messnetzen der Nachbarstaaten. Dadurch könnten im Fall einer Freisetzung von Radioaktivität im Ausland die Auswirkungen auf Österreich frühzeitig abgeschätzt werden.

Der Großteil der europäischen Staaten hat Strahlenmessnetze aufgebaut. Aufgrund zwischenstaatlicher Vereinbarungen haben die österreichischen Experten der Strahlenschutzabteilung online Zugang zu den Messdaten der Systeme vieler Nachbarstaaten erhalten: Das österreichische Strahlenfrühwarnsystem kann die aktuellen Messwerte der Stationen in Deutschland, Schweiz, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien anzeigen, somit von allen Nachbarstaaten, die Kernkraftwerke betreiben. Im Gegenzug werden den ausländischen Behörden die österreichischen Messwerte zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus sind inzwischen über die europäische Datenplattform EURDEP Strahlenmessdaten aus fast allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft verfügbar.

 

Jahresbericht Strahlenfrühwarnsystem

Eine ausführliche Darstellung des österreichischen Strahlenfrühwarnsystems, seine Entstehung, aktuelle Entwicklungen sowie eine Analyse der Messdaten veröffentlicht das BMLFUW in Form von periodischen Berichten. Sie können hier den aktuellen Bericht herunterladen (siehe Downloads).

Veröffentlicht am 12.11.2015, Abteilung I/7 - Strahlenschutz