Auswilderung von Jung-Sterlets in die Donau

Die kleinste der heimischen Störarten wird im Rahmen eines länderübergreifenden, von der EU geförderten LIFE-Projekts in den letzten frei fließenden Strecken der österreichischen Donau sowie der March wieder angesiedelt.

Durch die Wiederbesiedlungsmaßnahmen soll der Sterlet dauerhaft in der Donau heimisch werden. Gerade am Beispiel dieser Fischart sind die massiven Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf Flussökosysteme deutlich zu sehen: die großen flussaufwandernden Störarten der Donau sind durch Überfischung und Unterbrechung der Wanderrouten in der oberen und mittleren Donau bereits im letzten Jahrhundert ausgestorben. Nur der Sterlet ist in der oberen Donau noch vereinzelt zu finden, da er dauerhaft im Fluss lebt. Sein Bestand ist jedoch stark bedroht.

LIFE-Projekt Sterlet

Das Ziel des Projektes ist es, in den Jahre 2016 bis 2021, den Wildbestand des Sterlets zu stärken und wieder gesunde, selbsterhaltende Populationen in verschiedenen Donauabschnitten zu etablieren.

Zu diesem Zweck wurde bereits eine Aufzuchtstation auf der Donauinsel bei der Inselinfo der MA 45 - Wiener Gewässer errichtet. Ende September wurden zum ersten Mal Jung-Sterlets am Donauufer unterhalb des Kraftwerks Freudenau in die Donau ausgesetzt. Mindestens 30.000 Jungsterlets sollen während der Projektlaufzeit in den letzten frei fließenden Strecken der österreichischen Donau (Nationalpark Donauauen, Wachau) sowie der March als Zubringergewässer ausgesetzt werden. Die Gebiete weisen eine hohe Lebensraumvielfalt auf und sind zudem durch vielfältige Revitalisierungsmaßnahmen früherer LIFE Projekte für weitere Maßnahmen sehr erfolgversprechend. Bei der Auswilderung wird ein Teil der Fische mit Sendern versehen, um die Wanderbewegungen und die bevorzugten Lebensräume über mehrere Jahre dokumentieren zu können.

Zusätzlich werden sensible Habitate in den Projektgebieten identifiziert und Empfehlungen zu deren Schutz entwickelt. Parallel dazu wird ein Managementplan für den Sterlet in der oberen Donau erstellt.

Das Projekt-Team besteht aus dem Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur (Projektleiter Thomas Friedrich), der MA 45 Wiener Gewässer der Stadt Wien, sowie dem Institut für Zoologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften. Es wird von der Europäischen Union mit 60% des Projektvolumens aus dem LIFE-Programm gefördert, weitere Fördergeber kommen aus dem Bereich der Fischerei, des Naturschutzes und der Verwaltung.

Der Sterlet – ein Steckbrief

Der Sterlet (Acipenser ruthenus) ist der kleinste der sechs Donau-Störe. Ist er ausgewachsen, erreicht er eine Länge von rund einem Meter. Während die anderen Störarten in der oberen Donau ausgestorben sind, kommt der Sterlet noch in wenigen Populationen vor.

Wegen der geringen Populationsgröße und des stark eingeschränkten Lebensraumes aufgrund der Fragmentierung von Fließstrecken durch Wasserkraftwerke oder den Verlust von Habitaten durch Regulierungsmaßnahmen sind selbst kleinere, lokal auftretende negative Auswirkungen eine massive Bedrohung für die Population. Nach aktuellen Schätzungen wird der reproduzierende Stör-Bestand in Österreich mit wenigen hundert Individuen beziffert, die sich auf den Stauraum Aschach im oberösterreichischen Teil der Donau konzentrieren. Es gibt jedoch keine nennenswerte, nachweisbare Reproduktion!

Als reine Süßwasserart bewohnte der Sterlet die Donau und ihre Nebenflüsse (Inn, March, Drau, Mur, Save, Theiß bzw. andere große Donauzubringer). Daneben kommt er auch in anderen Zuflüssen des Kaspischen-, Schwarzen und Weißen Meeres vor.

Ursprünglich war er in der Donau vom Delta stromaufwärts bis nach Ulm in Bayern verbreitet. Seine Laichwanderungen führten ihn dabei bis zu 300 km flussaufwärts.

Die starke Bedrohung des Sterlets wird auch durch seinen Schutzstatus nach IUCN Red List, Roter Liste Österreich, FFH – Richtlinie und nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen widergespiegelt. Auch aus diesem Grund wurde er 2014 zum Fisch des Jahres gewählt.

Veröffentlicht am 21.09.2016, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung IV/3)