In Vorarlberg verbinden innovative Rampenbauwerke erneut den Lebensraum für aquatische Lebewesen

Die Seeforelle wandert wieder vom Bodensee in die Ill bis zum Eingang in das Montafon. An der Breitach im Kleinwalsertal konnte eine Wiederanbindung eines Flussabschnitts an den ursprünglichen, natürlichen Fischlebensraum ermöglicht werden.

Die Nationalen Gewässerbewirtschaftungspläne (NGP) sehen unter anderem vor, dass im natürlichen Fischlebensraum die Durchgängigkeit unserer Fließgewässer wieder herzustellen ist. Damit soll eine entscheidende Voraussetzung geschaffen werden: nämlich die Erreichbarkeit der unterschiedlichen Gewässerabschnitte und Habitate, die für die verschiedenen Lebens- und Entwicklungsstadien von Fischen und auch anderen aquatischen Lebewesen nötig sind. Weil nicht alle erforderlichen Maßnahmen z.B. aus finanziellen oder auch organisatorischen Gründen parallel gestartet werden können, ist eine schrittweise Umsetzung nötig. Durch genauso wichtige morphologische und hydrologische Maßnahmen soll in der Folge letztendlich der angestrebte stabile „gute ökologische Zustand“ gewährleistet werden.

Um die begrenzten finanziellen Mittel möglichst effektiv einzusetzen wurde auch in Vorarlberg ein erster, prioritärer Sanierungsraum ausgewiesen. Zur Wiederherstellung der Fischpassierbarkeit an den großen Gewässern Ill, Bregenzerach, Dornbirnerach, Lutz und Breitach wurden bereits zahlreiche Projekte umgesetzt. Die schon angesprochenen zwei Beispiele sollen hier vorgestellt werden.

 

Die Seeforelle erreicht vom Bodensee aus über die Ill wieder den Eingang in das Montafon:

Im 19. Jahrhundert wurden entlang der Ill massive Regulierungen durchgeführt, die den vormals verzweigten Flusslauf mit einer mittleren Flussbreite von 300 Metern in ein schmales, monotones Gerinne mit gestrecktem Verlauf und einer Breite von nur mehr 30 bis 50 Metern gepresst hat. Aufgrund der linearen Verbauung und des zunehmenden Geschieberückhalts in den Speicherseen im Einzugsgebiet zeigte die Ill in ihrem neuen Bett eine massive Eintiefungstendenz, sodass an manchen Stellen die Sohle stabilisiert werden musste. So wurden vor über 50 Jahren an zwei Stellen in Nüziders kurz hintereinander Sohlabstürze aus Stahlspundwänden eingebaut, welche die Fischwanderung verhinderten. Diese zwei Barrieren (Kontinuumsunterbrechungen) wurden durch „Riegelrampen“ ersetzt.

Fazit

Bereits nach nur wenigen Wochen konnte die Bodensee-Seeforelle oberhalb der sanierten Querbauwerke nachgewiesen werden und bestätigt somit den Erfolg dieser gelungenen Maßnahme. Auch konnte die so wichtige Quervernetzung zu Zubringerflüssen im Walgau bis zur Mündung der Lutz und anschließend bis zur Mündung der Alfenz am Eingang zum Montafon erreicht werden. Der erwähnte Rampentyp wurde zum ersten Mal in Vorarlberg eingesetzt und hat sich auch nach den ersten Hochwässern bereits ausgesprochen gut bewährt.

Die beiden Rampenbauwerke befinden sich im Flussabschnitt „Metarhithral“, in dem die Seeforelle mit 80 cm die größenbestimmende Fischart ist. Aktuell kommen in diesem Flussabschnitt noch Bachforellen, Äschen und Koppen vor und als durch den Menschen eingeführte, gebietsfremde Fischart die Regenbogenforelle. Die Riegelrampe mit Beckenstruktur ist so ausgeführt, dass über die großen wie kleinen Wanderkorridore auch die seltenen Begleitarten des Metarhithrals d.h. Elritzen, Gründlinge, Bachschmerlen und Döbel die beiden Querbauwerke in beide Richtungen durchwandern können.

 

Ein Rampenbauwerk bindet einen Abschnitt an der Breitach wieder an den natürlichen Fischlebensraum an:

Das zweite Beispiel zur Wiederherstellung der uneingeschränkten Durchgängigkeit befindet sich an der Breitach im Kleinwalsertal. Zwei Sohlabstürze mit 2 bzw. 0,9 Metern wurden durch eine „eigendynamische Schüttsteinrampe“ ersetzt.

Die Breitach mündet in Bayern in die Iller und diese weiter in die Donau. Im Jahr 1965 wurden die beiden Sohlabstürze zur Sicherung einer Längsverbauung an der Breitach bei Baad errichtet. Die beiden Kontinuumsunterbrechungen wurden durch eine unstrukturierte eigendynamische Blocksteinrampe ersetzt, sodass die Bachforellen wieder rund 400 m weiter zu ihren Laichplätzen in der Breitach und weiter in den Bärguntbach aufsteigen können. Die Umsetzung dieser lokal bedeutsamen Maßnahme durch die Errichtung der eigendynamischen Rampe ist vergleichsweise einfach.

Fazit

Durch den eingesetzten Rampentyp nähert man sich der natürlichen Morphologie eines Wildbaches an wodurch das Bauwerk selbst nicht nur als „Fischtreppe“ zur Behebung der fehlenden Längsvernetzung dient sondern auch zum Lebensraum für die Bachforelle wird. Die ersten Fischbestandserhebungen bestätigen die gelungene Umsetzung dieses Rampentyps, der sehr gut zu kleineren bis mittleren Rhithralgewässern passt. Bei höherem Gefälle ist er nicht für schwimmschwache Arten geeignet und im Flachland wirkt er zudem naturfremd. Hinsichtlich ihrer Stabilität hat sich auch diese Rampe nach Durchgang der ersten Hochwässer unbeschadet bewährt.

 

Weiterführende Details zu beiden Projekten, die von der Landesregierung Vorarlberg zur Verfügung gestellt wurden, finden sich im Downloadbereich.

Veröffentlicht am 17.01.2017, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung IV/3)