Renaturierung und Durchgängigkeit an den Beispielen Salzach und Oichten

Im Bereich der Stadt Salzburg wurde die Sohlstufe Lehen, die fast 50 Jahre ein unüberwindbares Wanderhindernis in der Salzach darstellte, umgestaltet. Zusätzlich ist die Renaturierung der Oichten, als bedeutender Zubringer, ein Meilenstein für die ökologische Zustandsverbesserung der Salzach.

Freie Fahrt für Salzachfische!

In den 1960er Jahren wurde im Bereich der Stadt Salzburg die Sohlstufe Lehen errichtet, um der bereits zum damaligen Zeitpunkt fortschreitenden Sohleintiefung entgegenzuwirken. Die Sohlstufe war für ca. 50 Jahre ein für Fische unüberwindbares Wanderhindernis.

Dies hatte hinsichtlich des historisch großen Artenspektrums der Salzach und der Tatsache, dass die Salzach „die Ausgangsbasis“ für die Mittelstreckenwanderer in Salzburg darstellt, fatale Auswirkungen. So konnten flussauf der Sohlstufe in der Regel nur mehr 3 von 17 historisch verbreiteten Fischarten festgestellt werden. Dieser Umstand sollte sich mit der Errichtung des Kraftwerkes Sohlstufe Lehen radikal ändern. Die Sohlstufe wurde eingestaut, die Kraftwerksstufe mit einem Verbindungsgewässer und einem Vertical-Slot Fischpass ausgestattet und die Fischdurchgängigkeit damit wiederhergestellt. Über 14 Monate wurde eine Funktionskontrolle an den beiden Fischwanderhilfen durchgeführt. Das Ergebnis: 15 der 17 Arten des historischen Leitbildes haben die Fischwanderhilfen erfolgreich durchwandert; sowohl Klein- und Jungfische mit Körperlängen < 10 cm, als auch der Huchen mit einer Körperlänge von mehr als 1 m. Eine in etwa „ausgewogene“ Häufigkeit von Fischauf- und Abstiegen wurde nachgewiesen, was eindrucksvoll bestätigt, wie wichtig das Kontinuum in beide Richtungen ist. Durch die Schaffung intakter Fließgewässerabschnitte in den flussauf gelegenen Salzachabschnitten steht nun der Wiederetablierung eines typspezifischen Fischbestandes nichts mehr im Wege!

 

Aus den damaligen Fehlern hat man im Übrigen gelernt. Heute weiß man, dass die sinnvollste Maßnahme zur Reduktion von Sohleintiefungen die Aufweitung von Gewässern darstellt. Dies konnte eindrucksvoll an der Unteren Salzach belegt werden. Auch für die Zukunft gibt es große Visionen den Gewässerzustand der Salzach weiter voran zu treiben. Das Projekt „Naturpark Salzachauen“ schafft nicht nur Lebensraum für Tiere, sondern auch Erlebnisraum für den Menschen.

Renaturierung Oichten

Die Oichten ist ein Zubringer zur Salzach im Bereich von Oberndorf und zählt zum Verbreitungsgebiet der Mittelstreckenwanderer Nase, Barbe und Huchen. Die Oichten wurde über Jahrhunderte, anfangs als „Mühlgewässer“ und später zur Erzeugung für elektrische Energie, genutzt. Folge war eine Abfolge langer Staue und die Unterbrechung des Kontinuums durch 5 Bauwerke.

Als Sanierungsgewässer der Gebietskulisse I wurde in einer großen Initiative der „Naturzustand“ der Oichten wiederhergestellt. Das heißt, es wurden nicht nur Fischaufstiege an den Wehren errichtet, sondern die „wenig rentablen“ Kraftwerke wurden zur Gänze zurückgebaut. Dadurch sind auch die langen, sedimentierten Rückstaubereiche verschwunden und die Oichten hat ihren natürlichen Gewässercharakter  zurückerhalten.

Im Unterlauf der Oichten (Mündungsbereich zur Salzach) konnte trotz der anthropogenen Eingriffe weiter flussauf ein relativ guter Zustand erhalten bleiben. Der Abbruch der Wehranlagen führt dazu, dass sich die Fische wieder bis in den Oberlauf ausbreiten können. Es stehen mehr als 9 km intakter Lebensraum zur Verfügung in denen sich ein typspezifischer Fischbestand etablieren kann. Das Monitoring ist für 2017 geplant. Die Renaturierung der Oichten, als bedeutender Zubringer zur Salzach ist auch ein Meilenstein für die ökologische Zustandsverbesserung der Salzach.

Weiterführende Details zu den Projekten, die von der Landesregierung Salzburg zur Verfügung gestellt wurden, finden sich im Downloadbereich. Das Dokument enthält auch Beispiele zum "modernen Hochwasserschutz" in Salzburg, der ökologische Aspekte integriert. Diesem Thema wird demnächst ein eigener Artikel gewidmet.

 

Veröffentlicht am 27.01.2017, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung IV/3)