IST-Bestandsaufnahme 2004

Die Europäische-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) gibt vor, dass Gewässer in Abschnitte einzuteilen und Auswirkungen menschlicher Tätigkeiten auf den Gewässerzustand abzuschätzen sind.

Die Ist-Bestandsaufnahme

  • beschreibt die sehr unterschiedlichen österreichischen Gewässer, gliedert sie in Wasserkörper (Teilabschnitte) und beinhaltet eine Einteilung nach einheitlichen Typen,
  • überprüft, wie sich menschliche Tätigkeiten und Nutzungen auf die Gewässer auswirken, weiters schätzt sie ab, ob das vorgegebene Qualitätsziel des „guten Zustands“ eingehalten wird (= Risikoanalyse) und
  • sie enthält eine wirtschaftliche Analyse der Wassernutzungen.

Die Analysen erfolgen in Bezug auf

  • biologische Komponenten in Oberflächengewässern (Kleintiere, Algen, Wasserpflanzen, Fische),
  • auf chemisch-physikalische und chemische Komponenten in Oberflächengewässern und im Grundwasser (allgemeine Kenngrößen wie Temperatur, Sauerstoff, abbaubare Substanzen, Nährstoffe und gefährliche Stoffe),
  • hydromorphologische Komponenten in Oberflächengewässern (Gestalt der Gewässer, Abflussverhalten, Zustand des Lebensraums für Fische) und
  • mengenmäßige Komponenten beim Grundwasser (mittlere jährliche Entnahme im Verhältnis zur verfügbaren Menge).

Analysiert wurden 940 Wasserkörper (= Teilabschnitte) von Fließgewässern mit einem Einzugsgebiet größer als 100 km² (Gesamtlänge: ca. 11.500 km), 62 Seen mit einer Fläche größer als 50ha und 126 oberflächennahe Grundwasserkörper, ein Thermalwasserkörper und acht Gruppen von Tiefengrundwasserkörpern.

Ergebnisse

Die Qualität der österreichischen Fließgewässer ist zum großen Teil sehr gut. Organische und chemische Schadstoffe aus der Industrie und kommunalen Kläranlagen konnten durch Abwasserreinigungsanlagen weitgehend entfernt werden. Bei den Fließgewässern ist stofflich für über 80% der Gewässer die Erreichung des guten Zustandes gesichert. Hinsichtlich der chemischen Schadstoffe besteht bei rund 90% der untersuchten Gewässer kein Risiko der Zielverfehlung. Ein wesentliches Defizit und Handlungsbedarf gibt es bei der Ausprägung der Gewässer als Lebensraum. Die Gewässerstruktur, das Abflussverhalten und die Durchgängigkeit der Gewässer sind beeinträchtigt. So sind z.B. Fischpopulationen gefährdet, weil Wanderungen im Längsverlauf der Gewässer nicht möglich sind. Für 56% der Fließgewässer besteht das Risiko, die ökologischen Ziele der WRRL zu verfehlen. Die Ursache dafür liegt meist in Gewässerregulierungen zum Hochwasserschutz, der Nutzung der Wasserkraft oder der Gewinnung von Produktionsflächen für die Landwirtschaft.

Der Zustand der österreichischen Seen ist außerordentlich gut. Alle 62 Seen, die größer als 50ha sind, entsprechen hinsichtlich der chemisch-physikalischen Komponenten und insbesondere der Nährstoff-Situation zumindest einem „guten Zustand“, zu einem wesentlichen Teil dem „sehr guten Zustand“. Sechs Seen weisen allerdings durch energiewirtschaftliche Nutzung als Speicherseen für die Hydromorphologie ein Risiko zur Zielverfehlung auf. Aus diesem Grund wurden sie vorläufig als „erheblich veränderte Oberflächengewässer“ ausgewiesen. Bei diesen kann hinsichtlich der Ökologie keine maßgebliche Verbesserung erreicht werden, ohne die menschlichen Aktivitäten und Nutzungen stark einzuschränken.

Beim Grundwasser besteht für rund 93% der Grundwasserkörper – das entspricht ca. 96% der Staatsfläche - kein Risiko, den guten chemischen Zustand zu verfehlen. Bei den restlichen Grundwässern zeigen sich erhöhte Werte von Nitrat, dem Pflanzenschutzmittel Atrazin und dessen Abbauprodukt Desethylatrazin. Sie treten meist im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung auf. Die Belastungen sind jedoch rückläufig, weil spezielle Förderprogramme den Einsatz von Nitrat vermindert haben und Atrazin bereits 1995 verboten wurde.

Veröffentlicht am 14.01.2014, Abteilung IV/3 - Nationale und internationale Wasserwirtschaft