1. NGP - Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan 2009

Im ersten Bewirtschaftungsplan (NGP) werden für die Flussgebietseinheiten Donau, Rhein und Elbe, an denen Österreich Anteile hat, Analysen durchgeführt und Planungsschritte gesetzt.

Zum Schutz, zur Verbesserung und nachhaltigen Nutzung der Gewässer ist eine übergeordnete, flussgebietsbezogene Planung nötig. Sie geht von einer allgemeinen Beschreibung der Flussgebietseinheiten aus. Belastungen, die Einfluss auf den Zustand von Oberflächen- und Grundwässern haben und durch Eingriffe des Menschen verursacht sind, werden in der Folge abgeschätzt. Weiters wird eine wirtschaftliche Analyse der Wassernutzungen durchgeführt.

Belastungstypen, die analysiert werden, sind:

  • stoffliche Einträge und physikalische Belastungen

Emissionen aus Abwasserreinigungsanlagen (Nährstoffe, Schadstoffe, Kühlwassereinleitung) der Industrie und den Kommunen können den Zustand der Oberflächengewässer belasten. Weiters können Einträge aus diffusen Quellen (z.B. Landwirtschaft) kommen.

  • hydromorphologische Belastungen

Diese Belastungen sind z.B. Wasserentnahmen oder Abflussveränderungen. Auch morphologische Belastungen, d.h. Eingriffe in die Gewässerstruktur, sind zu berücksichtigen. Querbauwerke unterbinden die natürliche Durchgängigkeit für die aquatischen Organismen und die Vernetzung der Lebensräume. Sie haben beispielsweise negative Auswirkungen auf die Fischpopulation.

  • sonstige Belastungen

Hierzu zählen z.B. Einwirkungen durch gewässerfremde Pflanzen und Tiere (Neobiota) und die Folgen des Klimawandels.

Analysiert wurden die Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet größer 10 km² (Gesamtlänge: ca. 31.466 km), die in 7.335 Oberflächenwasserkörper unterteilt wurden. Weiters wurden 62 Seen mit einer Fläche größer als 50 ha analysiert und 136 Grundwasserkörper bzw. Grundwasserkörpergruppen.

Ergebnisse


Flüsse und Seen können durch chemische Schadstoffe, organische Substanzen und Nährstoffe belastet sein. Chemische Schadstoffe spielen in Österreich nur in wenigen Fällen eine Rolle. Über 97% der Fließgewässer erreichen die chemischen Qualitätsziele. Organische bzw. Nährstoffbelastungen sind noch bei ca. 19% der Flüsse festzustellen. Die Belastungen stammen überwiegend aus der land- und forstwirtschaftlichen Bodennutzung. Sie werden von den Böden in die Flüsse geschwemmt oder gelangen über das Grundwasser in die Flüsse.
Mehr als die Hälfte der untersuchten Fließgewässer ist durch Querbauwerke unterbrochen und damit nicht fischpassierbar. Ähnlich viele Wasserkörper weisen strukturelle Belastungen durch Regulierungen oder Stau auf. Unzureichendes Restwasser beeinträchtigt ungefähr 10% des Gewässernetzes. Belastungen durch Schwall treten nur regional – vor allem im alpinen Bereich – auf.


Die insgesamt 62 Seen Österreichs, die größer als 50 ha sind, haben hinsichtlich der Wasserqualität einen sehr guten bzw. guten ökologischen Zustand und einen guten chemischen Zustand. Lediglich bei 5% der Seen gibt es Belastungen aufgrund von Wasserspiegelschwankungen.
 

Rund 93% der untersuchten Grundwasserkörper werden den guten chemischen Zustand voraussichtlich erreichen. Das sind rund 96% der österreichischen Staatsfläche. Belastungen treten punktuell z.B. durch Deponien oder flächenhaft durch den Eintrag von Stickstoff oder Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft auf. Besonderer Handlungsbedarf besteht in den Ackerbaugebieten von Marchfeld, Parndorfer Platte, Leibnitzer Feld und südlichem Wiener Becken. Nur diese vier Grundwasserkörper verfehlen den "guten chemischen Zustand" (mehr als 45 mg Nitrat pro Liter Wasser). Einige wenige Grundwasserkörper sind noch mit dem Pflanzenschutzmittel Atrazin und dessen Abbauprodukten belastet. Bedingt durch das Einsatzverbot des Stoffes seit 1995 sind die Belastungen rückläufig.

Alle 136 untersuchten Grundwasserkörper sind in einem mengenmäßig guten Zustand, d.h. es herrscht zumindest ein Gleichgewicht zwischen Grundwasserentnahme und Grundwasserneubildung.
 

Umweltziele

An den Gewässern, die bereits einen guten Zustand aufweisen, werden Maßnahmen gesetzt, die absichern, dass der Schutz weiterhin gewährleistet ist. Für Gewässer, die sich in einem schlechteren als einem guten Zustand befinden, wurden Ziele gesetzt, die zu einer stufenweisen Verbesserung des Zustands in den Gewässern bis zum guten Zustand führen.

Der „gute Zustand“ bzw. das „gute Potenzial“ für künstliche oder erheblich veränderte Wasserkörper muss dabei bis 2015 - spätestens 2027 - stufenweise erreicht sein. Außerdem ist ein Verschlechterungsverbot zu berücksichtigen.

Die genaue Festlegung der Qualitätsziele erfolgt in den Qualitätszielverordnungen.

Die Umweltziele und die im öffentlichen Interesse anzustrebende wasserwirtschaftliche Ordnung sind in Österreich per Verordnung (NGPV 2009) verbindlich festgelegt.

Maßnahmenprogramme

Sie sollen sicherstellen, dass die Umweltziele, die im NGP festgeschrieben sind, kurz-, mittel- und langfristig zu erreichen sind. In Österreich ist das Maßnahmenprogramm Teil des NGP.

Veröffentlicht am 09.01.2015, Abteilung IV/3 - Nationale und internationale Wasserwirtschaft