Fisch des Jahres 2017 - der Seesaibling

Der Seesaibling hat einen hohen Anspruch an die Wasserqualität. Er hält sich gerne in tiefen Gewässern auf, die klar, kalt und reich an Sauerstoff sind.

Der Seesaibling wurde bereits im Jahr 2005 zum Fisch des Jahres bestimmt. Die neuerliche Nominierung liegt darin begründet, dass sich die selbstreproduzierenden heimischen Bestände im letzten Jahrzehnt alles andere als positiv entwickelt haben und der Seesaibling somit nach wie vor gefährdet ist. Auch der prognostizierte Anstieg der Wassertemperatur in den Gewässern wird dieser Fischart voraussichtlich zusetzen.

Der Seesaibling (Salvelinus umbla) gehört zu den Lachsfischen (Salmonidae). Er gilt als Relikt aus der letzten Eiszeit und wanderte vor ca. 10.000 Jahren aus dem Norden ein, hat dadurch ein weitverstreutes Verbreitungsgebiet und lebt vorzugsweise in den tiefen und kalten Seen Nordeuropas. D.h. er ist in den Gewässern von Skandinavien, Russland, Island, den Britischen Inseln und in den Alpen zu finden. In den Seen und sogar innerhalb eines Gewässers kommen durch isolierte Entwicklung Populationen in unterschiedlichen Ausprägungen und differenzierenden Größen vor.

Als Winterlaicher reicht die Hauptlaichzeit des Seesaiblings von September bis in den Jänner, als Laichplatz sind ein kiesiger, steiniger Untergrund und zum Teil auch Bereiche von Bacheinmündungen erforderlich. Während der Laichzeit sind besonders die Milchner auffällig und intensiv gefärbt - ältere Tiere können auch einen Laichhaken ausbilden. Ansonsten besteht, wie schon erwähnt, je nach Gewässer ein großer Formenreichtum hinsichtlich Größe, Wachstum, Laichplätzen und bevorzugter Nahrung. Die Fische ernähren sich von Larven, Insekten, Muscheln, kleinen Fischen wie der Elritze sowie von Plankton. Seesaiblinge können ca. 40 bis 75 cm lang, bis zu 7 kg – selten auch bis zu 10 kg – schwer werden und ein langes Leben mit bis zu 40 Jahren haben. Wie alle Salmoniden hat der Seesaibling eine langgestreckte Körperform, eine Fettflosse und kleine Schuppen. Der Rücken kann blau- bis graugrün oder braun gefärbt sein, die Flanken sind heller mit runden, hellen Punkten. Der Bauch ist weiß bis gelblich. Charakteristisch ist der leuchtend weiße Saum an den Vorderkanten der paarigen Flossen und der Afterflosse.

Bereits in der jüngeren Steinzeit und Bronzezeit wurde der Seesaibling mit Netzen gefangen und als Speisefisch genutzt. Im Mittelalter wurden starke Besatzaktionen gesetzt. Die Berufsfischerei war zu dieser Zeit sehr ausgeprägt, die Netzfangtechnik hoch entwickelt, die kulinarische Köstlichkeit jedoch dem Adel vorbehalten. Durch das Einbringen von Fischen - ohne Rücksicht auf deren Herkunft - wurden lokal ausgeprägte Formen über lange Zeit massiv verfälscht. Zu Mitte des 19. Jahrhunderts waren ca. 60% der 43 großen österreichischen Seen (> 50 ha) mit Seesaiblingen besetzt. Im 20. Jahrhundert ging der Bestand aufgrund vielfältiger Abwasserbelastung, Eutrophierung, Verlust der Laichplätzen sowie der Überfischung drastisch zurück. Aufgrund der hohen Anforderungen an die ökologischen Bedingungen gestaltet sich die fischereiwirtschaftliche Nach-/Aufzucht schwierig. Daher kommt nur eine vergleichsweise geringe Zahl von Saiblingen in den Handel. In diesem Hinblick erlangte die Aquakultur in den letzten Jahren größere Bedeutung. In den Speisefischhandel kommen meist Mischformen, die äußerlich Merkmale vom See- wie vom Bachsaibling aufweisen.

Auch heute ist der Seesaibling durch den Verlust seiner Laichplätze, durch die Gewässererwärmung und auch aufgrund falscher fischereilicher Bewirtschaftung gefährdet. Mit der Ernennung zum Fisch des Jahres möchten die österreichischen Fischereiorganisationen (ÖFV, Landesverbände, ÖKF) unter Mitwirkung des Bundesamtes für Wasserwirtschaft die Art und ihren Lebensraum ins allgemeine Bewusstsein bringen.

Veröffentlicht am 14.11.2016, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung IV/3)