Fisch des Jahres 2018: der Wels

Der Wels ist der größte europäische Süßwasserfisch. Weltweit gesehen reiht er sich unter die zwanzig größten Fischarten ein. Er ist ein sehr gefräßiger Räuber, der sich von lebenden und toten Fischen, aber auch von Wirbellosen und gelegentlich von kleinen Wasservögeln und Säugetieren ernährt.

Als Lebensräume bevorzugt der wärmeliebende Wels (Silurus glanis) große Flüsse und Seen mit schlammigem Grund in Mittel- und Osteuropa bis nach Zentralasien. Für die Vorkommen in Österreich sind die niederösterreichische March, die Mattig in Oberösterreich bzw. Salzburg und einige Kärntner Seen besonders hervorzuheben. Für den Tiroler Inn, die Salzach, die untere Enns, die Mur und die obere Donau wird angenommen, dass es keine natürliche Reproduktion dieser Art gibt. Der Wels gilt als gefährdet nach der Roten Liste Österreichs, wenn ausschließlich Nachweise aus Gewässern mit gesichertem und sehr wahrscheinlichem natürlichen Eigenaufkommen berücksichtigt werden.

Welse haben, um Beute ertasten zu können, zwei lange Bartfäden auf dem Oberkiefer und vier kurze auf dem Unterkiefer. Tast- und Geschmacksknospen ermöglichen dem Wels die Orientierung bei Nacht oder im trüben Wasser. Viele kleine messerscharfe Zähnen bestückten sein breites Maul, die lange bis zur Schwanzflosse reichende Afterflosse gibt dem vorwiegend nacht- und dämmerungsaktiven Raubfisch ein etwas unheimliches Aussehen.

Abhängig von ihrem Lebensraum erreichen Welse meist Körperlängen von einem bis eineinhalb Metern und dabei ein Gewicht von etwa 10 bis 50 Kilogramm. Da die Tiere zeitlebens wachsen, können sie allerdings auch deutlich größer und schwerer werden. Die Angaben über die Maximalmaße unterscheiden sich dabei bei verschiedenen Autoren beträchtlich. Häufig wird heute eine Länge von bis zu drei Metern und ein Gewicht von dann 150 Kilogramm angegeben. Aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert liegen allerdings Berichte über deutlich größere Tiere vor. Das Alter kann anhand der Zuwachsringe der Wirbel oder Brustflossenstrahlen bestimmt werden. Das höchste dokumentierte Alter liegt bei 60 Jahren für ein in Gefangenschaft und bei 80 Jahren für ein in Wildnis lebendes Tier. Schätzungen für das mögliche Höchstalter belaufen sich auf etwa 100 Jahre.

Welse werden im 3. bis 5. Lebensjahr mit einer Länge von etwa 60 cm geschlechtsreif. Das Ablaichen erfolgt bei Wassertemperaturen über 20°C in Wasserpflanzen oder Wurzelwerk nahe dem Ufer in einer Laichgrube. Das Männchen bewacht das Nest und fächelt den Eiern Frischwasser zu. Zwei bis vier Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven. Sie bleiben noch einige Tage am Grund liegen und ernähren sich in der Folge von Zooplankton.

Die Ursachen für Bestandsrückgänge liegen auch beim Wels, wie so oft, in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Harte Uferverbauungen, vom Hauptgerinne abgeschnittene Altarme und Überfischung sind wesentliche Ursachen dafür.

Mit der Ernennung zum „Fisch des Jahres“ möchten der Österreichische Fischereiverband und die Landesfischereiverbände unter Mitwirkung des Bundesamtes für Wasserwirtschaft und des Österreichischen Kuratoriums für Fischerei, die jeweilige Art und deren Lebensraum ins allgemeine Bewusstsein bringen. Neben der Bedeutung für die Fischerei soll 2018 vor allem auf die aktuelle Bedrohung der Welse und auf die Gefährdung ihres Lebensraums hingewiesen werden.

Veröffentlicht am 27.10.2017, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung IV/3)