Pestizide im Grundwasser

Was sind Pestizide und wie bzw. in welchen Konzentrationen gelangen diese in das Grundwasser?

Als Pestizide oder Pflanzenschutzmittel (PSM) werden chemische Substanzen bezeichnet, die Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse vor Schadorganismen schützen, indem sie diese abtöten, vertreiben oder in Keimung, Wachstum und Vermehrung hemmen. Unterteilt werden Pestizide je nach ihren Zielorganismen u. a.  in Insektizide (gegen Insekten), Fungizide(gegen Pilze) oder Herbizide (gegen Unkraut). PSM sind in der Regel Formulierungen aus einem oder mehreren Wirkstoffen und Beistoffen. Der Wirkstoff ist die aktive Komponente, die den Schaderreger bekämpft. Beistoffe sorgen u. a. dafür, dass PSM einfach zu handhaben, gut auszubringen und lagerstabil sind.

Durch die Aufbringung von Pflanzenschutzmitteln können verschiedene Substanzen bzw. deren Abbauprodukte, sogenannte Metaboliten, ähnlich wie Nitrat über Auswaschungsprozesse in das Grundwasser gelangen. Ungünstige Wirkstoffeigenschaften (z.B. hohe Wasserlöslichkeit, hohes Versickerungspotential, lange Halbwertszeit) in Kombination mit hohen Niederschlägen und durchlässigen Bodentypen können zu Einträgen in das Grundwasser führen. Daher ist für Pflanzenschutzmittel ein umfassendes Zulassungsverfahren gesetzlich vorgeschrieben. Voraussetzung für die Zulassung ist die Minimierung des Risikos für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.

Erst Anfang bis Mitte der 80er-Jahre erlangte man Kenntnis vom Auftreten pestizider Wirkstoffe im Grundwasser. Nach dem Bekanntwerden solcher Belastungen wurden schwerpunktmäßig in verschiedenen Regionen Untersuchungen durchgeführt, vor allem dort, wo Verunreinigungen am ehesten vermutet wurden. Nunmehr wird bereits eine Fülle von bekannten Pestiziden und deren Metaboliten im Rahmen des Messprogramms der Gewässerzustandsüberwachungsverordnung (GZÜV, BGBl II 2006/479 idF BGBl II 2010/465) laufend beobachtet bzw. auch neu eingesetzte Wirkstoffe in eigenen Sondermessprogrammen schwerpunktmäßig untersucht und bei Notwendigkeit in weiterer Folge in das reguläre GZÜV-Programm integriert.

Der aktuelle Grenzwert für Pestizide und relevante Metaboliten ist sowohl in der Qualitätszielverordnung Chemie Grundwasser (QZV Chemie GW, BGBl II 2010/98 i.d.g.F.) als auch in der Trinkwasserverordnung (TWV; BGBI II 2001/304 i.d.g.F.) mit 0,1 μg/l festgelegt. Für nicht relevante Metaboliten werden Aktionswerte für Trinkwasser festgelegt, die mittels Erlass vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) veröffentlicht werden. So wurden mit Erlass vom 26.11.2010 bzw. Änderungen und Ergänzungen vom 16.08.2011, 09.11.2011 und 25.01.2012 für die Verwendung von Wasser für den menschlichen Gebrauch Aktionswerte für 2,6-Dichlorbenzamid, AMPA, Desphenyl-Chloridazon, Methyl-desphenylchloridazon, Metolachlor-Sulfonsäure und Metolachlor-Säure mit je 3,0 μg/l festgesetzt.

Im Untersuchungszeitraum 2008-2010 wurden im Rahmen der GZÜV insgesamt 163 verschiedene Parameter (Ausgangssubstanzen bzw. Metaboliten) untersucht. Der Anteil an Überschreitungen des Vorsorgegrenzwertes von 0,1 μg/l bzw. Aktionswertes von 3,0 μg/l lag bei nur 1 %, bezogen auf die Gesamtanzahl aller Untersuchungen (134.080).

Die häufigsten Überschreitungen treten nach wie vor für das Totalherbizid Atrazin und dessen Abbauprodukt (Metabolit) Desethylatrazin auf, obwohl dessen Einsatz bereits seit 1995 verboten ist. Wie in der Grafik ersichtlich, sind die Überschreitungen des Schwellenwertes seit dem Anwendungsverbot stark gesunken. Im Jahr 2010 wurden noch an 1,6 % der Messstellen für Atrazin sowie an 2,5 % für Desethylatrazin Schwellenwertüberschreitungen festgestellt.

Veröffentlicht am 05.08.2013, Abteilung IV/3 - Nationale und internationale Wasserwirtschaft