Pilotstudie zu Plastik in der Donau

Ein aktueller Bericht des Umweltbundesamts fasst die Ergebnisse einer Pilotstudie zu Plastikeinträgen in die Donau zusammen und setzt europaweit neue Maßstäbe.

Eine realistische Frachtabschätzung wurde dabei möglich, weil die Probensammlung systematisch quer über Breite und Tiefe des Flusses erfolgte. Die Ergebnisse zeigen, dass jährlich bis zu ca. 40 Tonnen Plastik in der Donau über die österreichische Grenze transportiert werden.

Die im Auftrag des BMLFUW unter der Leitung des Umweltbundesamts, gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur und der ViaDonau und den Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich und Wien, durchgeführte Studie ist europaweit die erste dieser Art und es werden durch sie neue Maßstäbe gesetzt.

Anlässlich eines bilateralen Gesprächs im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach übergaben Umweltminister Andrä Rupprechter und Umweltbundesamt-Geschäftsführer Georg Rebernig die Pilotstudie an die derzeitige Ratsvorsitzende im europäischen Umweltministerrat Carole Dieschbourg.

Zielsetzung

Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung der fließenden Welle an zwei Messstellen (Aschach/OÖ und Hainburg/NÖ) auf Mikroplastik der Größe 500 µm und darüber. Dafür wurde eigens eine Methode entwickelt, die es erlaubt, sowohl die Tiefenvarianz als auch die räumliche Verteilung über das Querprofil abzubilden. Anschließend wurde der Transport an Mikroplastik und Gesamtplastik im Querprofil ermittelt und eine mittlere Jahresfracht berechnet.

Ergebnisse

Es zeigte sich, dass sich Plastikteilchen ähnlich wie Schwebstoffe verhalten. In der Nähe zum Ufer sind mitunter höhere Konzentrationen zu beobachten. Transport und Konzentration des Kunststoffes sind abhängig von den Durchflussverhältnissen. Lagen die Ergebnisse für beide Messstellen bei Regulierungsniederwasser sehr ähnlich (rund 3 kg pro Tag), so zeigte sich bei zunehmender Wasserführung eine deutliche Zunahme des Kunststofftransports und der Konzentration. Bezogen auf alle Größenfraktionen liegen die Werte in Aschach bei 10 bis 59 kg pro Tag und in Hainburg bei 7 bis 161 kg (für die Fraktion bis 5 mm zwischen 6 und 40 kg bzw. zwischen 6 und 66 kg). Grundsätzlich sind die in dieser Studie bestimmten Transportmengen aber deutlich geringer, als in Vorstudien angegeben wurde!

Für die Gesamtfraktion beträgt die geschätzte Jahresfracht in Aschach < 14 t pro Jahr, in Hainburg < 41 t pro Jahr. Diese Zahlen stehen 875.000 t Kunststoffabfällen gegenüber, die jährlich in Österreich durch die Abfallwirtschaft verarbeitet werden.

Der Hauptanteil der in den Proben identifizierten Kunststoffe bestand aus Polyethylen und Polypropylen. Beide Polymere sind die weltweit am meisten produzierten und umfassen ca. 70 % der 280 Mio. t Kunststoffe, die pro Jahr weltweit erzeugt werden.

90 % der in den Donauproben gefundenen Kunststoffe stammen aus diffusen Einträgen durch Abschwemmung, Windverfrachtung, Abwasser und durch Wegwerfen (Littering). Rund 10 % sind industriellen Ursprungs und stammen aus Produktion, Verarbeitung und Logistik. Einzelne diese Partikel zeigten deutliche Verwitterungsspuren und lassen darauf schließen, dass bereits sekundäres Mikroplastik gebildet wurde.

Folgen für aquatische Lebewesen

Kleinste Mikroplastikpartikel können von aquatischen Organismen aufgenommen werden und über die Blutbahn bis ins Gewebe eingelagert werden. Dadurch können sie – je nach Partikelform –  für unterschiedliche Gesundheitseffekte verantwortlich sein. Es fehlen derzeit jedoch noch schlüssige toxikologische Methoden, um eine entsprechende Bewertung von Mikroplastik, vor allem im Größenbereich weniger µm, durchführen zu können.

Weltweit ist bekannt, dass Plastikteile für Wasser- und Landlebewesen große Probleme darstellen können, weil sie z.B. mit Nahrung verwechselt werden.

Die vorliegende Studie untersuchte daher auch 30 Fische aus der Donau im Bereich der Messstelle Hainburg auf das Vorkommen von Plastik im Verdauungstrakt. In den untersuchten Fischen wurden keine Plastikteilchen gefunden.

Veröffentlicht am 14.09.2015, Abteilung IV/3 - Nationale und internationale Wasserwirtschaft